Anderland

  1. Ø 5
   2006
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Anderland Poster
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Filmhandlung und Hintergrund

Anderland: Visuell beeindruckende Utopie um ein zu perfektes Roboterleben.

Mitten in der grauen Einöde steigt Andreas (Trond Fausa Aurvåg) aus einem Bus aus: Zwar weiß er nicht, wie er hierher kam, aber ein Empfangskomitee steht schon bereit und führt ihn in eine neue Welt, wo ihn eine Wohnung, ein Bürojob und freundliche Leute erwarten. Er lernt Anne-Britt (Petronella Barker) kennen und heiratet sie. Allerdings interessiert sie sich – wie alle anderen Bürger dieser kinderlosen Stadt – nur für schöner Wohnen. Das soll nun Andreas Leben sein? Eine Affäre mit Ingeborg (Birgitte Larsen) hilft auch nicht weiter.

Prachtexemplar einer surrealen schwarzen Komödie mit leisem Humor, die wahlweise an David Lynch, Terry Gilliam oder Jeunet & Caro erinnert. In der Tradition von „Songs From the Second Floor“ gelingt dem Norweger Jens Lien eine absurd-nachtschwarze Satire.

Der melancholische Andreas landet in einer Stadt und in einem Job, in dem alle nett zueinander sind. Abends isst man gemeinsam in den immer gleich schick eingerichteten Wohnungen, doch es fehlt das richtige Gefühl, der Geschmack. Auch ein Seitensprung hat keine Konsequenz. Da bleibt nur der Selbstmord, von allen ignoriert.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Schlagworte wie Anonymität der Großstadt, oberflächliche Gefühls- und Lebenswelt, anspruchslose Konsumgesellschaft füllt dieser Film mit Leben. Als satirische Parabel stellt er eine vollständig nivellierte Gesellschaft vor, in der Mittelmaß herrscht, wo leidige Zufriedenheit mit Glück verwechselt wird, steckt seinen Protagonisten in eine vollständig gesättigte Umgebung, wo es keine Auswüchse an übergroßen Gefühlen gibt, wo jeder stets an seinem Platz bleibt, in einem vorprogrammierten Alltag, aus dem es kein Entrinnen gibt.

    Und er stellt beständig die Frage, ob dieses überspitzt dargestellte Universum, das „Anderland“, so anders ist als unsere tatsächliche Welt, in der wir leben. Andreas wird in den Hamsterkäfig gesteckt, bekommt für wenig Arbeit genug Geld zum Leben, schöne Wohnung, eine Freundin – und soll dafür das ewiggleiche Laufrad der Eintönigkeit akzeptieren. Selbstdenken ist nicht gefragt, Mitgefühl bleibt außen vor, es herrscht ständige unverbindliche Freundlichkeit, die emotionale Bindungen nie zulässt. Das ist ein bequemes Leben, angenehme Arbeit, nette Menschen – es ist aber ein ganz veräußerlichtes Dasein, in dem Gesprächsansätze, die sich um Innenleben, Gefühle, Träume, alles Nicht-Oberflächliche drehen, als unbehaglich empfunden werden. Alles schmeckt gleich, alles riecht gleich – doch das ist Teil der Annehmlichkeiten von Anderland, wo stets das Erwartbare geschieht, auf dem Weg des geringsten Widerstands. Höher hinauf soll keiner wollen, dafür sorgen die grauen Herren in ihren grauen Autos, die verirrte Schafe immer wieder dahin zurückbringen, wo sie hingehören.

    Andreas aber reicht das nicht, ein vages Gefühl von Mangel bohrt an ihm, die nagende Gewissheit, dass es mehr geben muss im Leben. Der Film folgt ihm, dem schwarzen Schaf in der Einheitsgesellschaft, und charakterisiert dabei lakonisch-satirisch das Mittelmaßmilieu, das sich mit allem zufrieden gibt. Da schneidet sich Andreas den Finger ab, und es heißt „Da kannst du nicht sitzen bleiben“. Da erzählt Andreas seiner Frau, dass er sich anderweitig verliebt hat und sich trennen will, und sie sorgt sich, weil sie Samstag Gäste erwartet. „Wenn du willst, bleib ich bis Samstag noch hier.“ – „Oh, das wäre schön.“ – und sie wendet sich wieder ihrem Innenarchitektur-Video zu.

    Immer wieder bricht Regisseur Jens Lien seine Erzählung mit Splattereffekten auf, die keine seiner Figuren (außer Andreas) interessieren: Ein Selbstmörder, aufgespießt auf einen Eisenzaun, oder das vielmalige Überfahrenwerden mit der U-Bahn, das keinen juckt. Dramatische, exzessive Szenen, die den Kontrast zum gleichförmigen Anderland-Leben pointiert verdeutlichen.

    Mit Andreas, der unmittelbar betroffen ist, entdecken wir den Alptraum einer gefühllosen, kalten, vereinheitlichen Welt der Moderne – in einem Film, der mit Mitteln der Satire, des schwarzen Humors, mit bösem Witz und skurrilen Bildern auf einer absurden Ausgangssituation eine Gesellschaft porträtiert, die vielleicht gar nicht so weit weg ist von der Wirklichkeit.

    Fazit: Eine glänzend konzipierte satirische Parabel, die mit bösem Witz eine absurde Einheitsgesellschaft porträtiert – und damit uns alle meint.
  • Visuell beeindruckende Utopie des Norwegers Jens Lien, der ein kaltes, emotionsloses Weltbild zeichnet, das unserer aktuellen Gesellschaft mehr ähnelt als uns lieb sein kann.

    Eine schreckliche Zukunftsvision entwirft der norwegische Filmemacher Jens Lien in seiner zweiten abendfüllenden Regiearbeit nach „Johnny Vang“, der 2003 in der Panaraoma-Reihe der Berlinale lief. „Anderland“ heißt das Werk durchaus treffend in der deutschen Fassung, wobei der Originaltitel „Den Brysomme Mannen“, übersetzt so etwas wie „Der Störenfried“ ebenfalls Sinn macht. Dieser Störenfried heißt Andreas, 40 Jahre, recht attraktiv und für einen Mann, der mitten im Leben steht, vielleicht ein wenig zu melancholisch-verträumt. Eines Tages wird er mit einem Bus in einer öden, kargen, gottverlassenen Gegend abgesetzt. Er weiß weder wo er ist noch warum er dort gelandet ist. Und während Andreas sich noch wundert, kümmern sich plötzlich pauschal freundliche Menschen um ihn, besorgen ihm Kleidung, Wohnung, einen Job und sogar eine Frau. Doch irgendetwas scheint an diesem Ort nicht zu stimmen. Schon bald fühlt sich Andreas an seinem Arbeitsplatz nicht ausgelastet, die Gespräche mit Mitarbeitern gehen über höfliche Floskeln nicht hinaus und zu Hause läuft der Sex mit seiner Freundin Anne-Britt ebenso mechanisch ab wie die regelmäßigen Abendessen mit Freunden im „Schöner Wohnen“-Ambiente. Fast könnte man glauben, die Leute hätten es verlernt, ihre Sinnesorgane zu nutzen, alles schmeckt gleich, riecht gleich, fühlt sich gleich an. Da geht Andreas erstmals in die Offensive, lässt sich mit einer anderen Frau ein, was Anne-Britt indes völlig kalt lässt. Doch weil auch die blonde Ingeborg durch gepflegte Langeweile und Emotionslosigkeit glänzt, fasst Andreas einen Entschluss. Er versucht, dieser unwirklichen, oberflächlichen Welt zu entfliehen – was leichter gesagt als getan ist.

    Viel Stahl und Beton, grau in allen Schattierungen und glatte, kalte Flächen, so präsentiert Jens Lien sein auf zahlreichen internationalen Festivals ausgezeichnetes „Anderland“, das unserem momentanen Gesellschaftsbild näher kommt als einem lieb sein kann. Kinder werden nicht mehr in die Welt gesetzt und der Tod ist tabu, selbst Verletzungen werden auf wundersame Weise geheilt, und alle sind furchtbar nett zueinander. Diese subtile Horrorsituation unterschneidet Lien mit zuweilen heftigen Splatter-Szenen, in denen abgehackte Finger, ein auf einem Metallzaun aufgespießter Selbstmörder und Andreas selbst bei dem Versuch, sich von einer U-Bahn überrollen zu lassen, eine Rolle spielen. Lien und sein Kameramann John Christian Rosenlund finden dafür großartige (Panorama-)Bilder und entwerfen so eine Utopie, die ein bisschen daran erinnert als hätte David Lynch die „Truman Show“ mit Aldous Huxleys „Schöner, neuen Welt“ gekreuzt. Filmkunstliebhaber und Fans visuell überragender und intelligent-niveauvoller Kino-Unterhaltung werden entzückt sein. lasso.

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