Filmhandlung und Hintergrund

Intelligentes, sehr gut erzähltesJugenddrama und Thriller in den Achtzigern.

Für Karl Koch, 19, ist die Welt in höchster Unordnung und so macht er sich auf die Suche nach den Hintergründen von Verlogenheit und politischen Mechanismen. Auf der Spur einer Verschwörungstheorie taucht Karl ab in eine Welt aus Industriespionage, Drogen und nächtelange Reisen auf der Datenautobahn und wird so zur Marionette im Machtspiel von Medien und Geheimdiensten.

1986. Karl Koch ist 19 Jahre alt und unzufrieden - seine Eltern verachtet er, Polit-Demos frustrieren ihn. Da fällt dem genialen Computer-Hacker der SF-Roman „Illuminatus!“ in die Hände, dessen Weltverschwörungs-Phantasien Koch als letztgültige Wahrheit erscheinen. Überzeugt davon, daß der Kapitalismus die Wurzel allen Übels ist, bietet er sich dem KGB als Informant an. Koch überspielt fortan geheime Informationen aus westlichen Großrechnern nach Moskau, während seine Besessenheit mit der magischen Zahl 23 stetig zunimmt…

Intelligentes, sehr gut erzähltes Jugenddrama und Thriller in den Achtzigern.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • 23: Intelligentes, sehr gut erzähltesJugenddrama und Thriller in den Achtzigern.

    Ein Thriller, ein authentischer Fall, das Lebensgefühl der 80er Jahre, eine Spannung, die realistische motiviert und immer wieder ironisch sensibilisiert wird, phänomenale junge Darsteller - Regisseur Hans-Christian Schmid hat den seit langem besten und intelligentesten deutschen Film gemacht. Er erzählt die Geschichte des jungen Hannoveraner Computerfreaks Karl Koch, der durch seine Hacker-Leidenschaft in die Welt der Industriespionage und Geheimdienste gerät und Ende der 80er Jahre auf bisher ungeklärte Weise ums Leben kam. Die große Emotionalität des Films, der spürbar mit Wut im Bauch und Geist im Kopf gemacht ist, sollte „23“ ein großes, begeistertes Kinopublikum bringen.

    Nichts ist so, wie es scheint - dieser Suspense-Slogan paßt nahtlos auf jeden Hitchcock-Film oder einen Politthriller. „23“ läßt sich weder in die eine noch die andere Kategorie ordnen, hat von beiden etwas und noch vieles mehr, was Schmid erneut als originellen Filmemacher mit höchst eigener Handschrift ausweist. Genre-Schubladen sind nicht seine Sache. Ihn interessiert die Komplexität von Geschichten und Personen. Schon „Nach fünf im Urwald“ ist nicht einfach bloß eine Komödie, weil auch eine ganze Portion Tragik rund ums Erwachsenwerden und Jungbleiben immanent ist. Schmids 1992 mehrfach preisgekrönter Hochschulabschluß, der Dokumentarfilm „Die Mechanik des Wunders“, zeigt ebenfalls die Vielseitigkeit in der Betrachtung der Wirklichkeit, in diesem Falle die des Pilgerbetriebs im bayerischen Wallfahrtsort Altötting, wo Schmid geboren wurde und aufwuchs.

    Vom Erwachsenwerden und den Konflikten mit der Familie und der Gesellschaft, in der er lebt, handelt die Geschichte von Karl Koch. Er ist Atomkraftgegner und Idealist und in ständigem Streit mit seinem autoritären Vater. Für Karl ist die Welt in höchster Unordnung, und auf der Suche nach den Hintergründen von Verlogenheit und politischen Mechanismen stößt er auf die ihn faszinierende Theorie der Illuminaten-Verschwörung, woraufhin er dem fiktiven Rebellen des Kultromans „Illuminatus!“ nacheifert. Karls Mißtrauen, seine Verunsicherung und seine Sinnfragen sind atmosphärisch so genau und spannend inszeniert, daß man wie mit einem Sog hineingezogen wird und sich selbst bei den gleichen berechtigten Zweifeln am Zustand der Welt ertappt. Schließlich stürzt einen die Zahlenmagie der 23 in angenehm heftige Irritationen…

    Schmids Story, er schrieb das Drehbuch zusammen mit Michael Gutman („Nach fünf im Urwald“), ist eine aufregende, sinnliche Kinogeschichte in suggestiven Bildern (Kamera: Klaus Eichhammer). Computer spielen eine entscheidende Rolle, denn Karl vergräbt sich in die digitale Welt der Elektronik und entwickelt schon bald ein außergewöhnliches Hacker-Talent, mit dem er die Passwörter und Geheimcodes sogar amerikanischer Rechner von großen Industrieunternehmen knackt. Ein Freund, den er in Computerclub kennengelernt hat und der ansatzweise Karls Faible für die Geheimbundtheorie teilt, ist sein vertraut verläßlicher Mit-Hacker. Denn das Interesse des KGB läßt nicht lange auf sich warten. Aber Karl hat sich nicht nur in die Welt der virtuellen Fakten, sondern auch in die der Drogen zurückgezogen. Mehr und mehr verliert er den Bezug zur Realität, in die sein Computerfreund ihn immer wieder zurückzuholen versucht.

    In einer mehr und mehr medienbeherrschten Gesellschaft ist „23“ ein wunderbar menschlicher Film, der in Grunde von uns allen handelt. Von echten Menschen, die nicht eindimensional funktionieren, sondern vielschichtig und oft unberechenbar. Und davon, daß die Zeit für Idealismus vorbei sein wird, wenn wir nicht aufpassen. Der Film ist nie zynisch, er zeigt allenfalls nur, wohin Zynismus führt. Und er hat einen fabelhaften Hauptdarsteller, August Diehl, mit einer im deutschen Film ganz seltenen physischen und intellektuellen Präsenz. Fabian Busch, der den Freund spielt, ist eine zweite beeindruckend gute Entdeckung des Films. „23“ gibt einem den Glauben an den deutschen Film zurück. fh.

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