Originaltitel: X-Men
USA 2000
Hugh Jackman
Sir Patrick Stewart
Sir Ian McKellen
Regie: Bryan Singer
Verleih: Fox
Obwohl sie von der Gesellschaft geächtet werden, bildet Professor Xavier willige Mutanten aus, ihre Superkärfte in den Dienst der Menschheit zu stellen. Doch die Feinde sind nicht weit: Ein machtgieriger Populisten-Politiker macht Front gegen die X-Men, und Xaviers einstiger Weggefährte Magneto, der mächtigste Mutant der Welt, will mit seiner Brotherhood of Mutants das Ende der Zivilisation herbeiführen.

Der Kinosommer 2000 hält in der zweiten Hälfte eine Überraschung nach der anderen parat. So ereignete sich nach dem Einspiel-technisch perfekten "Sturm" und "Scary Movie" jetzt mit dem 57,2-Mio.-Dollar-Start des dramatischen Science-Fiction-Actioners "X-Men" die dritte Boxoffice-Sensation in Folge. Regisseur Bryan Singer ("Die üblichen Verdächtigen") orientierte sich bei seiner mit 75 Mio. Dollar und unter großem Zeitdruck realisierten Adaption des populären Marvel-Superhelden-Comics stark an der Vorlage. Treue Fans werden dies zu schätzen wissen, und das junge Mainstream-Publikum wird sich begeistert von der Hype-Woge mitreißen lassen.
Die Comicreihe von Stan Lee (er fungiert hier als ausführender Produzent und absolviert einen Cameoauftritt) wurde erstmals 1963 veröffentlicht und zeigte sich von den tumultartigen gesellschaftlichen Umwälzungen seiner Zeit beeinflusst: Die kulturell sowie sozial höchst unterschiedlichen Superhelden stehen für individuelle Ausdrucksfreiheit, und ihr gerechter Kampf gilt Diskriminierung jeglicher Art und spiegelt allegorisch das politische Klima der vorurteilsbelasteteten Post-McCarthy-Ära wieder. Singer greift die sozialkritische Komponente in seinem Film bereitwillig auf, ohne jedoch die Action zu vernachlässigen: In der nahen Zukunft angesiedelt, scheint sich ein Krieg zwischen der menschlichen Zivilisation und hoch entwickelten Mutanten anzubahnen. Diese mit übernatürlichen Fähigkeiten ausgestatteten Supermenschen sind in zwei Fraktionen gespalten. Für das Wohl einer Menschheit, die sie beargwöhnt, eingestellt ist der Telepath Charles Xavier ("Star Trek"-Captain Patrick Stewart), der als Direktor einer Begabtenschule Mutanten ausbildet. Seine engsten Vertrauten sind die Wetterhexe Storm (Halle Berry mit platinweißer Perücke), die telekinetisch begabte Ärztin Jean Grey (Bond-Girl Famke Janssen) und Laserauge Cyclops (James Marsden). Ihr erbitterter Gegenspieler ist der metallverbiegende Magneto (Ian McKellen, der mit Singer bereits bei dem unterschätzten "Der Musterschüler" zusammenarbeitete), zu dessen Team das Untier Sabretooth (Profi-Wrestler Tyler Mane), Froschmensch Toad (Ray Parks aus "Star Wars: Episode 1") und die atemberaubende Shapeshifterin Mystique (Supermodel Rebecca Romijin-Stamos zeigt sich im blauen Makeup- und Gummikostüm in formvollendeter Glorie) gehören. Die Story konzentriert sich jedoch in erster Linie auf den neu zu den X-Men stoßenden Wolverine (Aussie-Export Hugh Jackman glänzt mit trockenem Clint-Eastwood-Charisma), dessen gesamtes Skelett mit Metallteilen verstärkt ist und über ausfahrbare, rasiermesserscharfe Krallen verfügt. Im wahrsten Sinne ist er ein einsamer Wolf. Er entwickelt jedoch Beschützerinstinkte für das ausgerissene Mädchen Rogue (Oscar-Gewinnerin Anna Paquin), die mit jeder Berührung automatisch die Lebensenergie ihres Gegenübers aufsaugt. Sie spielt in Magnetos Plan, die Anwesenden eines Weltgipfeltreffens in New York in Mutanten zu verwandeln, eine entscheidende Rolle. Der abschließende actionreiche Showdown spielt sich denn auch symbolträchtig auf der Freiheitsstatue ab.
Der 34-jährige Singer erscheint als unkonventionelle Wahl für die Inszenierung eines spezialeffektlastigen Zukunftsthrillers (insgesamt über 500 Effektaufnahmen). Doch seit der Enttäuschung des seelenlosen "Batman & Robin"-Sequels und dem durchschlagenden Erfolg des Gedanken anregenden Blockbusters "Matrix" scheinen die Studios neben atemberaubenden Spezialeffekten auch den Bonus einer packenden Story erkannt zu haben. Durch die Vorstellung sehr vieler, einem Comic-unvertrauten Publikum unbekannter Figuren und einer dankenswert knappen Laufzeit von 105 Minuten kann sich Singer nicht allzuviel Tiefgang erlauben, und doch merkt man dem blendend aussehenden Film an, dass es hier um mehr geht als bunte Kostüme und billige Thrills. Zwar bleibt ein Liebesdreieck zwischen Wolverine, Jean Grey und Cyclops lediglich andgedeutet und ein Grossteil der Mutanten können lediglich im Vorüberhuschen skizziert werden, aber der Erzählton bewegt sich fast ausschliesslich auf ernsthafter Ebene, weil er seine Figuren und auch die Handlung ernst nimmt. Mancher wird den Mangel an "comic relief" in dieser Shakespeare-goes-Comic-Saga vermissen, aber das Mainstreampublikum, vor allem Jugendliche und Junggebliebene, sollten sich von diesem gelungenen Wurf dennoch bestens unterhalten fühlen. ara.
| Darsteller: | Hugh Jackman | als Wolverine | |
|---|---|---|---|
| Sir Patrick Stewart | als Xavier | ||
| Sir Ian McKellen | als Magneto | ||
| Famke Janssen | als Jean Grey | ||
| Jack Marsden | als Cyclops | ||
| Halle Berry | als Storm | ||
| Anna Paquin | als Rogue | ||
| Tyler Mane | als Sabretooth | ||
| Ray Park | als Toad | ||
| Rebecca Romijn | als Mystique | ||
| Bruce Davison | als Sen. Kelly | ||
| Matthew Sharp | als Henry Guyrich | ||
| Brett Morris | als Junger Magneto | ||
| Regie: | Bryan Singer | ||
| Drehbuch: | David Hayter | ||
| Tom DeSanto | |||
| Bryan Singer | |||
| Produzent: | Lauren Shuler-Donner | ||
| Ralph Winter | |||
| Koproduzent: | Joel Simon | ||
| Bill Todman jr. | |||
| Ausf. Produzent: | Avi Arad | ||
| Stan Lee | |||
| Richard Donner | |||
| Tom DeSanto | |||
| Kamera: | Newton Thomas Sigel | ||
| Schnitt: | Steven Rosenblum | ||
| Kevin Stitt | |||
| John Wright | |||
| Musik: | Michael Kamen | ||
| Produktionsdesign: | John Myhre | ||
| Tamara Deverell | |||
| Paul D. Austerberry | |||
| Kostüme: | Louise Mingenbach | ||
| Ton: | David Lee | ||
Für seine frühkindlichen Bühnenambitionen musste sich Hugh Jackman als Kind allerhand gefallen lassen.
Hugh Jackman hätte früher fast seinen Wunsch, Schauspieler zu werden, an den Nagel gehängt. Schuld daran war Jackmans Bruder, der den "X-Men"-Star als Kind fleißig hänselte und ihn für seine künstlerischen Ambitionen als "Schwuchtel" bezeichnete: "Ich würde ja gern sagen, dass ich ein Billy Elliot war, aber ich war es nicht", erklärt Jackman gegenüber Xtra.ca. "Mein Vater war furchtbar, mein Bruder allerdings hat mich einen 'Schwuli' genannt. Ich war erst zehn oder elf Jahre alt, aber ich erinnere mich, dass das nicht schön war."
Nach solchen Hänseleien gab sich der kleine Hugh erst mal geschlagen und dachte eine Weile nicht mehr daran, seinen sehnlichsten Wunsch, Schauspieler zu werden, in die Tat umzusetzen. Doch dann plagte Bruder Jackman doch das schlechte Gewissen und ein paar Jahre später redete er Hugh sogar zu, eine Bühnenlaufbahn einzuschlagen:
"Er kam zu mir und sagte 'Ich will mich bei dir entschuldigen, ich bin so ein Idiot. Du solltest das echt machen!' Das war wirklich lieb von ihm. Und am nächsten Tag habe ich mich angemeldet." Der Sinneswandel kam übrigens zustande, nachdem Jackmans Bruder das Musical "42nd Street" gesehen hatte.
Hugh Jackman war das jüngste von fünf Geschwistern. Seine Eltern trennten sich, als er noch ein Kind war und Hugh wuchs bei seinem Vater auf. Schon früh glänzte er bei Schulaufführungen und belegte während seines Studiums der Kommunikationswissenschaften seinen ersten Schauspielkurs. Später schloss er eine Schauspielausbildung an und arbeitet lange Zeit als Musicaldarsteller.
Demnächst wird Hugh Jackman wieder als Wolverine vor der Kamera stehen. Die Dreharbeiten zum zweiten "X-Men"-Ableger sollen im Oktober beginnen - Ein Regisseur ist aber immer noch nicht gefunden.
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