Originaltitel: The Girl with the Dragon Tattoo
USA 2011
Daniel Craig
Rooney Mara
Christopher Plummer
Regie: David Fincher
Verleih: Sony Pictures
Gerade hat Mikael Blomkvist, Aushängeschild des Enthüllungsmagazins "Millennium", eine bittere juristische Niederlage erlitten. So nimmt er das lukrative Angebot eines schwedischen Industriellen an, den Fall von dessen seit 40 Jahren spurlos verschwundener Großnichte zu klären. Die Ermittlungen führen den Journalisten ins vergiftete Herz einer Großfamilie, aber auch an die Seite der smarten Punk-Hackerin Lisbeth Salander, die nach traumatischen Erfahrungen rotzig und abweisend wirkt, aber mit Blomkvist ein schlagkräftiges Team bildet.

Hollywoods Einstieg in Stieg Larssons "Millennium"-Trilogie meistert unter David Finchers Regie die Synthese von verstörendem Höllentrip und publikumsfreundlichen Eventkino.
Wenn europäische Buch- oder Filmphänomene für ein internationales Publikum aufbereitet werden sollen, stellt sich oft schon bei der Ankündigung Abweisung ein. Diese klassisch konditionierte Reaktion setzte Fincher außer Kraft, denn der smarte Fürst der Finsternis und Larssons leicht reißerische, aber effektive Exkursion in menschliche Abgründe wirkte wie ein Traumpaarung, die den Bestseller auch zu einem Kinophänomen erheben könnte. Tatsächlich ordnet sich Fincher der Vorlage unter, womit keine Sixtinische Kapelle erwartet werden darf, wo Larsson grob vorzeichnete, wohl aber ein namhaft besetzter Thriller für ein Millionenpublikum, der keine Zugeständnisse an die Sehgewohnheiten von Zuschauern macht, die Schlüsselreize im Staccato-Rhythmus serviert bekommen wollen.
In dieser Hinsicht ist die faszinierende, zu einer Coverversion von Led Zeppelins Wikinger-Hymne "Immigrant Song" geschnittene Creditsequenz, die im düster-metallischen Look, mit dickflüssigem Öl, das wie Blut in den Adern der Weltwirtschaft fließt, alle Motive des Films vorwegnimmt, ein Versprechen an das Spektakuläre, das der Film, der den schwedischen Schauplatz beibehält, nicht einlösen will. Denn "Verblendung" passt sich im Erzähltempo dem lähmenden skandinavischen Winter an, lässt sich Zeit in der Entfaltung seiner Geschichte, die sich auf eine detaillierte Ermittlung im Umfeld eines zerrütteten, vergifteten Clans konzentriert, der im Kontrast zur kommunikativen Großfamilie aus Finchers "The Social Network" steht. Steven Zaillians Drehbuch folgt exakt der Vorlage, von Nuancen, Verschiebungen in der Zeitlinie und einer etwas veränderten Auflösung nach dem Showdown einmal abgesehen.
Etwa 75 Minuten vergehen, bis "Verblendung" die zwei Hauptfiguren und Handlungsstränge zusammenführt - die Aufklärung des über vier Jahrzehnte zurückliegenden Verschwindens der Großnichte eines Industriellen und den Kampf von Punk-Hackerin Lisbeth Salander um ein selbständiges Leben und gegen einen Vormund, der sie vergewaltigt und finanziell abhängig macht. Die Zusammenarbeit dieses unorthodoxen Teams füllt die zweite Hälfte des Zweieinhalbstünders aus.
Wie schon in der Erstverfilmung gibt es wenige klassische Thrillerelemente, entwickelt sich Spannung aus den Figuren, manchmal nur aus Blicken und natürlich der Lösung einer grausamen Mordserie. Finchers Inszenierung ist elegant, aber stets ökonomisch und nie plakativ - gerade auch in den harten Szenen, die nicht ausgespart werden. Ein Plus gegenüber der skandinavischen Verfilmung ist der Verstörung betonende elektronische Score und die etwas sanftere Zeichnung von Rooney Maras stark gespielter Protagonistin, die rotzig und abweisend, aber auch offener in ihren Gefühlen ist. Mit Daniel Craig, viriler als Mikael Nyqvist, bildet sie ein Paar, das auch in dieser Adaption eine Attraktion ist. kob.
| Darsteller: | Daniel Craig | als Mikael Blomkvist | |
|---|---|---|---|
| Rooney Mara | als Lisbeth Salander | ||
| Christopher Plummer | als Henrik Vanger | ||
| Stellan Skarsgård | als Martin Vanger | ||
| Steven Berkoff | als Frode | ||
| Robin Wright | als Erika Berger | ||
| Yorick van Wageningen | als Bjurman | ||
| Joely Richardson | als Anita Vanger | ||
| Embeth Davidtz | als Annika Giannini | ||
| Goran Visnjic | als Dragan Armansky | ||
| Regie: | David Fincher | ||
| Drehbuch: | Steven Zaillian | ||
| Produzent: | Cean Chaffin | ||
| Scott Rudin | |||
| Søren Stærmose | |||
| Ole Søndberg | |||
| Koproduzent: | Berna Levin | ||
| Eli Bush | |||
| Ausf. Produzent: | Steven Zaillian | ||
| Mikael Wallén | |||
| Anni Faurbye Fernandez | |||
| Buchvorlage: | Stieg Larsson | ||
| Kamera: | Jeff Cronenweth | ||
| Schnitt: | Kirk Baxter | ||
| Angus Wall | |||
| Musik: | Trent Reznor | ||
| Atticus Ross | |||
| Produktionsdesign: | Donald Graham Burt | ||
| Kostüme: | Trish Summerville | ||
Thriller aus dem hohen Norden haben Konjunktur in Hollywood. "Reykjavik-Rotterdam" wurde zu "Contraband" adaptiert, jetzt sind die "Headhunters" dran. Drahtzieher bei beiden Filmen: Mark Wahlberg!
"Contraband", "Headhunters": Mark Wahlberg liebt Thriller aus dem hohen Norden (Foto: Universal)
Noch bevor in wenigen Tagen - am 15. März - in den deutschen Kinos die Verfilmung des Jo Nesbø-Bestsellers "Headhunters" anläuft, steht fest: Den Stoff wird es ein zweites Mal geben, diesmal made in Hollywood.
"Ich habe "Headhunters" gesehen. Dieser norwegische Film zählt zum besten, was ich seit sehr langer Zeit gesehen habe", zeigt sich Mark Wahlberg beeindruckt. Ich habe mit dem Regisseur gesprochen und dem Studio, das die Rechte hält. Schauen wir mal, wohin uns das führt."
Es wird Mark Wahlberg sehr schnell zu seinem nächsten Projekt führen. Er hat bereits erfolgreich einen Thriller aus dem hohen Norden nach Hollywood exportiert: "Contraband" - ebenfalls ab 15. März bei uns in den Kinos - ist das Remake des isländischen Films "Reykjavik - Rotterdam: Tödliche Lieferung" und hat in den USA schon über 65 Millionen Dollar eingespielt.
Summit, das Studio, welches bereits im vergangenen Herbst die Rechte an "Headhunters" erworben hat, dürfte mit dieser Referenz Wahlberg nicht nur die Hauptrolle, sondern auch die Produktion überlassen.
Das Interesse Hollywoods an europäischen Stoffen ist groß, jedoch produziert man sie lieber neu, als die Originale zu vermarkten. Das amerikanische Publikum schätzt keine Synchronfassungen, zudem sind die Darsteller meist zu unbekannt. Zuletzt wurde mit "Verblendung" so verfahren, dem ebenfalls ein Original aus Skandinavien zugrunde liegt.
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