Episches Drama in imposanten Kinobildern, das ausgehend von der Jugend der Schriftstellerin Oda Schäfer Coming-of-Age-Drama und Historiengemälde kombiniert. Subtil, drastisch und manchmal grotesk. http://images.kino.de/flbilder/max10/auto10/auto48/10480040/b150x150.jpg Poll

Filmdetails

Poll

Episches Drama in imposanten Kinobildern, das ausgehend von der Jugend der Schriftstellerin Oda Schäfer Coming-of-Age-Drama und Historiengemälde kombiniert. Subtil, drastisch und manchmal grotesk.


Poll
Start: 03.02.2011

Drama

Deutschland/Österreich/Estland 2010
Laufzeit: 139 Min.
FSK: ab 12 Jahre

Paula Beer
Edgar Selge
Tambet Tuisk

Regie: Chris Kraus
Verleih: Piffl

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Inhalt

Die junge Deutsche Oda kommt zu ihrem Vater auf sein abgelegenes, ins Meer auf Stelzen gebautes Gut an der estnischen Küste. Sie teilt mit ihm das morbide Interesse für Anatomie. Die blutige Jagd der zaristischen Armee auf estnische Anarchisten wird direkt vor ihrer Haustüre ausgetragen. Als Oda einen verletzten Anarchisten entdeckt, lässt er sich widerwillig von ihr helfen und auf dem Dachstuhl verstecken. Allmählich freunden sich die beiden an.


Kritik

Poll

In imposanten Bildern, wie man sie im deutschen Kino viel zu selten zu sehen bekommt, erzählt Chris Kraus eine ungewöhnliche Coming-of-Age- und Freundschafts-Geschichte - eingebettet in ein opulentes Historiengemälde im Vorfeld des Ersten Weltkriegs.

Die Inspiration dazu lieferte dem für "Vier Minuten" vielfach prämierten Regisseur und Drehbuchautor eine Verwandte. Die spätere Schriftstellerin Oda Schäfer hat einen Teil ihrer Jugend auf dem titelgebenden, estnischen Gut Poll verbracht, wo im Sommer 1914 quasi vor der Türe zaristische Truppen estnische Anarchisten jagen. Im Film stattet Oda (gespielt von Neuentdeckung Paula Beer) ihrem dort lebenden Vater (Edgar Selge in einem seiner zu seltenen Kinoauftritte) einen Besuch ab. Mit ihm teilt sie das Interesse für Anatomie. Über seinem Labor auf dem Dachstuhl versteckt sie einen verletzten estnischen Freiheitskämpfer (noch ein neues Gesicht: Tambet Tuisk) und setzt damit ihr Leben und das ihrer Familie aufs Spiel. Seine Mitstreiter wurden von den in der Nähe stationierten Kosaken getötet und deren Gehirne von ihrem Vater konserviert. Das frühreife, kecke und kluge Mädel und der Kämpfer, der sich Schnaps nennt, freunden sich an, lernen voneinander, lachen auch miteinander. Währenddessen läuft das großbürgerliche Leben mit Dinner- und Picknickgesellschaften weiter, hat des Vaters neue Frau (Jeannette Hain) eine Affäre mit dem Gutsverwalter (Richy Müller). Alles steuert unweigerlich auf eine Tragödie zu.

Das auf Stelzen ins Meer gebaute, verwitterte, hochherrschaftliche Holz-Gebäude ist nicht nur perfektes Symbol für den bevorstehenden Krieg , sondern auch ein Beispiel für das eindrucksvolle Produktionsdesign und ebensolche Kameraarbeit . Die Kamera von Daniela Knapp fängt die nordischen Lichtstimmungen ein, das Licht-und Schattenspiel, wenn eine Gruppe berittener Kosaken durch die Wälder galoppiert. Solche herausragenden Bilder sieht man nur ganz selten im deutschen Kino. Während bei den Landschaften Blau, Grau, Grün dominieren, sind es wärmere Farbtöne bei den auch räumlich begrenzten Bilder der Intimität zwischen den zwei jungen Protagonisten auf dem Dachstuhl. Die Darsteller (jung und alt) passen perfekt in ihre Rollen und sehen auch so aus, als hätten sie vor 100 Jahren gelebt. Der klassische Score betont das Epische, auch Symbolhafte der Bilder, setzt auf Pathos, während der Ton der Erzählung zwischen subtil und zart und drastisch, bisweilen auch grotesk und morbid changiert. Eine Mischung, die fasziniert und polarisiert. hai.

Poll

Darsteller:  Paula Beer   als Oda von Siering
  Edgar Selge   als Ebbo von Siering
  Tambet Tuisk   als Schnaps
  Jeanette Hain   als Milla von Siering
  Richy Müller   als Mechmershausen
  Enno Trebs   als Paul von Siering
  Jewgenij Sitochin   als Hauptmann Karpow
  Susi Stach   als Gudrun Koskull
  Erwin Steinhauer   als Professor Plötz
  Michael Kreihsl   als Professor Hasenreich
  Gudrun Ritter   als Oda Schaefer
  Uma Fritze   als Gigola
  Paula Fritze   als Karin
  Valentina Väli   als Lisbeth
  Dennis Mojen   als Meelis
  Juhannes Kask   als Apa Kügelgen
  Indrek Kalda   als Pastor Koskull
  Jüri Saamel   als Kutscher
  Nikolai Bentsler   als Georgier
 
Regie:  Chris Kraus  
Drehbuch:  Chris Kraus  
Produzent:  Alexandra Kordes  
  Meike Kordes  
Koproduzent:  Danny Krausz  
  Dr. Kurt Stocker  
  Riina Sildos  
  Chris Kraus  
Kamera:  Daniela Knapp  
Schnitt:  Uta Schmidt  
Musik:  Annette Focks  
Produktionsdesign:  Silke Buhr  
Kostüme:  Gioia Raspé  
Ton:  Heinz Ebner  
Casting:  Nina Haun  

"Vincent will meer" - und bekommt zwei Lolas

Abgeräumt: Chris Kraus' "Poll" erhielt bei der Verleihung des Deutschen Filmpreises vier Lolas, der sechs Mal nominierte "Drei" wurde drei Mal ausgezeichnet. Der Deutsche Filmpreis in Gold ging an "vincent will meer".

Großansicht Ausgezeichnet: "vincent will meer" erhielt den Deutschen Filmpreis in Gold, Hauptdarsteller Florian David Fitz bekam ebenfalls eine Lola (Foto: Constantin)

Ausgezeichnet: "vincent will meer" erhielt den Deutschen Filmpreis in Gold, Hauptdarsteller Florian David Fitz bekam ebenfalls eine Lola (Foto: Constantin)

"Vincent will meer" ist mit dem Deutschen Filmpreis in Gold ausgezeichnet worden. Hauptdarsteller Florian David Fitz erhielt darüber hinaus die Lola für die beste männliche Hauptrolle. Die Lola in Silber ging an "Almanya - Willkommen in Deutschland", dessen Drehbuchautorinnen Nesrin und Yasemin Samdereli in der entsprechenden Kategorie mit einer Lola geehrt wurden.

Den Deutschen Filmpreis in Bronze erhielt "Wer wenn nicht wir". Über die Regie-Lola durfte sich Tom Tykwer für den sechs Mal nominierten "Drei" freuen, der insgesamt drei Deutsche Filmpreise erhielt. Vier mal ausgezeichnet wurde Chris Kraus' "Poll", u.a. für die beste männliche Nebenrolle (Richy Müller). Als beste Hauptdarstellerin erhielt Sophie Rois die Lola für ihre Leistung in "Drei".

Kreative dürfen auf den Bernd Eichinger Preis hoffen

In seiner Eröffnungsrede gedachte Kulturstaatsminister Bernd Neumann dem verstorbenen Produzenten Bernd Eichinger: "Mit dem Tod von Bernd Eichinger verloren wir eine Legende des deutschen Films. Ihm ist es gelungen, mit Filmen wie "Der Name der Rose", "Das Parfum - Die Geschichte eines Mörders" oder "Der Untergang" das deutsche Kino weit hinaus in die Welt zu tragen. Erinnern wir uns an die Filmpreisverleihung hier vor einem Jahr und den sichtlich gerührten Bernd Eichinger, der an dieser Stelle den Ehrenpreis für sein Filmschaffen entgegennahm. Damals dachte ich, das ist doch viel zu früh, weil sein Lebenswerk noch längst nicht beendet schien."

Im Rahmen der Verleihung wurde auch bekannt gegeben, dass künftig alle drei Jahre der Bernd Eichinger Preis an Persönlichkeiten oder Teams, deren Arbeit sich durch kreative und leidenschaftliche Interaktion auszeichnet, vergeben werden soll.

Deutscher Filmpreis 2011 - alle Gewinner im Überblick:

Bester Spielfilm:
Deutscher Filmpreis in Gold: "Vincent will meer"
Deutscher Filmpreis in Silber: "Almanya - Willkommen in Deutschland"
Deutscher Filmpreis in Bronze: "Wer wenn nicht wir"

Bester Kinder- und Jugendfilm: "Chandani und ihr Elefant"

Bester Dokumentarfilm: "Pina"

Beste Hauptdarstellerin: Sophie Rois ("Drei")

Bester Hauptdarsteller: Florian David Fitz ("Vincent will meer")

Beste Nebendarstellerin: Beatriz Spelzini ("Das Lied in mir")

Bester Nebendarsteller: Richy Müller ("Poll")

Beste Regie: Tom Tykwer ("Drei")

Bestes Drehbuch: Nesrin und Yasemin Samdereli ("Almanya - Willkommen in Deutschland")

Beste Kamera/Bildgestaltung: Daniela Knapp ("Poll")

Bester Schnitt: Mathilde Bonnefoy ("Drei")

Bestes Szenenbild: Silke Buhr ("Poll")

Bestes Kostümbild: Gioia Raspé ("Poll")

Bestes Maskenbild: Kitty Kratschke, Heike Merker ("Goethe!")

Beste Filmmusik: Matthias Klein ("Das Lied in mir")

Beste Tongestaltung: Ansgar Frerich, Sabine Panossian, Niklas Kammertöns ("PianoMania")

Ehrenpreis: Wolfgang Kohlhaase

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