Originaltitel: The World Is Not Enough
USA/Großbritannien 1999
Pierce Brosnan
Sophie Marceau
Denise Richards
Regie: Michael Apted
Verleih: UIP
Nach der Ermordung eines Ölmagnaten übernimmt die öffentlichste Doppelnull der Welt den Schutz von dessen Tochter, die auch auf der Todesliste stehen soll. Bonds intime Recherchen führen zu einem Atomtestgelände in Kasachstan, wo der gesuchte Terrorist einen Sprengkopf stiehlt, um die Welt zu verändern. Was 007 und eine neue Verbündete zu verhindern wissen.

Limitiert wie die Ölvorkommen, von denen die Welt nicht nur im 19. Bond-Abenteuer nicht genug hat, sind auch die Variationsmöglichkeiten der ins 27. Jahr gehenden, ungebrochen gewinnträchtigen Agentenserie. Vom kinetischen Prolog bis hin zur obligatorischen finalen Intimbelohnung Bonds bleibt alles beim Alten im Schlachtschiff des internationalen Actionfilms, das mit einem hohen Quantum an Explosionen, verbalen Zweideutigkeiten und einer relativ kleinen Dosis Erotik wieder sichere Millionengewinne einfahren wird, auch wenn Roststellen unübersehbar sind.
Seine stärksten Momente hat "Die Welt ist nicht genug" in den ersten dreißig Minuten, in der die fünf Drehbuchautoren Bond keine Ruhe gönnen und die Endloskette von mal clever-witzigen ("eine rein plutonische Beziehung"), mal platt zweideutigen Einzeilern ihren Anfang nimmt. In Bilbao erobert Bond (zum dritten Mal gespielt vom hier eher grimmig-entschlossenen als charmant-ironischen Pierce Brosnan) im Auftrag ihrer Majestät einen Geldkoffer zurück, den er in den Räumen des MI 6 dem Ölmagnaten King aushändigt, der eine neue, von Konkurrenten bekämpfte Pipeline vom Kaspischen Meer nach Istanbul bauen will. Minuten später ist der Industrielle vor den Augen der Agenten pulverisiert, und Bond auf der Themse per High-Tech-Boot der Attentäterin im Genick. Die Verfolgungsjagd durch die modernisierten Dockanlagen ist das spektakuläre Actionhighlight des Films, endet aber recht enttäuschend mit dem Selbstmord von Massimo Troisis "Postmann"-Muse Maria Grazia Cucinotta, die dem Film später noch gut zu Gesicht gestanden hätte. Nach einer gewohnt bildschönen und ästhetischen Titelsequenz, in der sich die obligatorischen Silhouetten der Bond-Babes aus Öltropfen materialisieren, wird die Doppelnull zum Schutz von Kings Tochter Elektra (Sophie Marceau) abgestellt, die sich erneut von dem Mann bedroht fühlt, der sie vor Jahren schon einmal entführt hatte. Robert Carlyle (gefürchtet als Schläger in "Trainspotting") spielt den schmerzunempfindlichen Terroristen Renard, der nach 45 Minuten in die Handlung eingreift und kurz darauf in Kasachstan unter großem Actiongewitter einen Nuklearsprengkopf stiehlt, mit dem er in Istanbul den Beginn einer neuen Welt herbeiführen will, deren Details wie üblich ausgespart werden. Bonds neue Verbündete wird nun Denise Richards als Nuklearwaffenexpertin Dr. Christmas Jones, die wie schon Izabella Scorupco in "Goldeneye" vorwiegend als Rennmaus agieren darf, die mit 007 vor Feuerbällen und riesigen Kreissägen davonlaufen kann. Richards, bisher sowohl bei Paul Verhoeven ("Starship Troopers") als auch John Mc Naughton ein "Wild Thing", wirkt als guter Engel deutlich blasser als Sophie Marceau, die als bad girl konträr zu ihrem Image besetzt ist, sich als zurückgenommene Erotikwaffe des Films gut in Szene setzt, aber an die Comic-Farbe Famke Janssens aus "Goldeneye" nicht heranreichen darf oder kann. Für die Wirkung des Films allerdings bleibt das nahezu bedeutungslos, sind doch die Unterschiede der Neunziger-Jahre-Bonds aufgrund der festgelegten Formel und Regisseuren, die sich, wie hier Michael Apted ("Nell"), völlig den Anforderungen unterordnen, kaum auszumachen. So spult auch diese Actionmaschine mit Boots-, Ski- und Pipelinejagden, Schlägereien, Tauchgängen und dem recht undynamischen, leicht enttäuschenden Finale auf einem U-Boot wieder ihr gewohntes Aufgebot an Stunts und schrulligen Technik-Gags ab, werden mit Elektronikguru Goldie vor der Kamera oder Garbage auf der Tonspur die Jugend und mit Q's neuem Assistenten John Cleese (ein Modell mit Zukunft) alterslose Humorfans angesprochen. Nicht anzunehmen, daß die Welt von diesem aufwendigen Re-Mix genug haben wird. kob.
| Darsteller: | Pierce Brosnan | als James Bond | |
|---|---|---|---|
| Sophie Marceau | als Elektra King | ||
| Denise Richards | als Dr. Christmas Jones | ||
| Robert Carlyle | als Viktor Zokas | ||
| Dame Judi Dench | als M | ||
| Robbie Coltrane | als Valentin D. Zukovsky | ||
| Samantha Bond | als Miss Moneypenny | ||
| Desmond Llewelyn | als Q | ||
| John Cleese | als R | ||
| Maria Grazia Cucinotta | als Giulietta | ||
| Ulrich Thomsen | als Sasha Davidov | ||
| Claude-Oliver Rudolph | als Colonel Akakievich | ||
| Colin Salmon | als Charles Robinson | ||
| Michael Kitchen | als Bill Tanner | ||
| Patrick Malahide | als Lachaise | ||
| David Calder | als Sir Robert King | ||
| Serena Scott Thomas | als Dr. Molly Warmflash | ||
| Gilbert Goldie | als Bull | ||
| Regie: | Michael Apted | ||
| Drehbuch: | Bruce Feirstein | ||
| Neal Purvis | |||
| Robert Wade | |||
| Produzent: | Michael G. Wilson | ||
| Barbara Broccoli | |||
| Koproduzent: | Nigel Goldsack | ||
| Kamera: | Adrian Biddle | ||
| Schnitt: | Jim Clark | ||
| Musik: | David Arnold | ||
| Produktionsdesign: | Neil Lamont | ||
| Peter Lamont | |||
| Kostüme: | Lindy Hemming | ||
| Ton: | Chris Munro | ||
Mit Michael Apted versucht sich einer der erfahrensten Regisseure der Branche an der Wiederbelebung des "Narnia"-Franchise. Die Probleme im Vorfeld bescherten ihm den schwierigsten Film seiner Karriere.
Lucy, Kaspian und Edmund dürfen sich nun doch wieder in Narnia mit der Weißen Hexe herumärgern (Foto: Fox)
Es gibt wohl kaum einen Film, der von der Finanzkrise profitierte. Doch ausgerechnet der dritte Teil der "Narnia"-Trilogie "Die Reise auf der Morgenröte" hat ihr seine Existenz zu verdanken. Ende 2008 hatte sich Disney von dem Franchise verabschiedet, nachdem der zweite Teil, "Prinz Kaspian", weit hinter den kommerziellen Erwartungen zurückgeblieben war - auf 419 Mio. Dollar belief sich das weltweite Boxoffice, 325 Mio. Dollar weniger als Teil eins, "Der König von Narnia". Und das bei einem Budget von rund 250 Mio. Dollar. Der Traum, mit den Fantasybüchern von C.S. Lewis einen langlebigen Boxoffice-Garanten zu schaffen, schien ausgeträumt.
Dabei hatte Regisseur Michael Apted schon längst mit der Vorproduktion des dritten Teils, "Die Reise auf der Morgenröte", begonnen. Nach Disneys Ausstieg fanden er und Rechteinhaber Walden Media in der Fox schnell einen neuen Partner. Und der kamen ausgerechnet die Turbulenzen auf den Finanzmärkten zu Hilfe. Denn der australische Dollar verlor enorm an Wert. Die ideale Voraussetzung, um die Fantasiewelt nach Down Under zu verlegen.
Ursprünglich hatte Michael Apted geplant, den Film größtenteils in Europa zu realisieren. Eine andere Variante war es, den Fußstapfen von James Cameron zu folgen und im "Titanic"-Wassertank im mexikanischen Rosarito zu drehen. Schließlich ist die "Morgenröte" in ihrem Kern ein Schiffsabenteuer.
Doch vor Ort wurden Apted und sein Team mit einer harten Realität konfrontiert: Die Stadt war vom Drogenkrieg lahmgelegt. Das Filmteam hätte in einem abgegrenzten Lager leben und sich in gepanzerten Fahrzeugen fortbewegen müssen. Doch Australien, das Michael Apted ebenfalls gescoutet hatte, hatte keinen Tank zu bieten. So entwickelte das Team eine andere Lösung: Das titelgebende Schiff mit seinen 125 Tonnen wurde auf einem Gimbal am Meeresufer errichtet; die Schwenkbühne sorgte dann für die passenden Bewegungen vor dem Ozean- Hintergrund.
Nach über zwei Jahren Vorbereitungszeit konnte Apted im Juli letzten Jahres mit dem Dreh beginnen: "Mein James-Bond-Film 'Die Welt ist nicht genug' war schon kompliziert genug, aber das ganze Hin und Her bei 'Narnia' schlug alles." Der inzwischen 69-jährige Branchenveteran ("Gorillas im Nebel") war dabei nicht mal ein Fan der Bücher: "Als ich aufwuchs, waren sie ja noch gar nicht geschrieben", meint er mit einem Schmunzeln. Was ihn an der Herausforderung reizte, war der enorme Komplexitätsgrad des Projekts, da er noch nie einen Film mit so vielen visuellen Effekten gedreht hatte.
Und noch ein anderer Aspekt war für Michael Apted wichtig: "Bei den meisten Filmen kämpfst du darum, sie dem Zuschauer näherzubringen. Aber für die Narnia-Filme gibt es von vornherein ein Publikum, wenn du einen guten Job machst. Und das ist eine sehr verführerische Vorstellung." Beim zweiten Film war es nicht gelungen, dieses Potenzial voll auszuschöpfen. Deshalb betont Michael Apted: "Wir knüpfen am ersten Teil wieder an. Der zweite Film erzählte eine viel düsterere, weniger magische Geschichte. Von dem heben wir uns eindeutig ab."
Von den bisherigen Protagonisten sind unter anderem Kaspian, einst Prinz, jetzt König, sowie die beiden jüngeren der Pevensie-Geschwister wieder mit von der Partie. Tilda Swinton macht als Weiße Hexe erneut den Protagonisten das Leben schwer; auf deren Seite kämpfen digitale Kreaturen wie der Mäuserich Riepischiep und der Löwe Aslan. Streng genommen spielt sich der Film gar nicht einmal in Narnia ab; die Helden schippern vielmehr zu verschiedenen Inseln im Meer."
Apted hatte mit rund 155 Mio. Dollar weniger Geld zur Verfügung als sein Vorgänger Andrew Adamson, der nur aus zeitlichen Gründen ausgestiegen war. Trotzdem war genügend Budget vorhanden, um unter anderem einen Kampf mit einer Meeresschlange zu kreieren. Der Regisseur selbst hatte mit dem Erwartungsdruck des Studios zu kämpfen: "Nachdem Film zwei nicht so erfolgreich war, möchte Fox, dass wir's Disney zeigen, wie man's richtig macht. Das sorgt für enorme Nervosität", die sich laut dem Regisseur in etlichen Verbesserungsnotizen des Managements manifestierte.
Einen kommerziellen Vorteil hat der dritte Teil gegenüber seinem Vorgänger in jedem Fall: Er wird in 3D zu sehen sein. Zwar wird "Die Reise auf der Morgenröte" erst nachträglich konvertiert, aber Michael Apted verspricht hohe Qualität: "Wir hatten dafür mehrere Monate, während andere Filme nur Wochen hatten. Abgesehen davon bringt Fox dank 'Avatar' großes Know-how in diesem Bereich mit." Anders als beim zweiten Teil üben sich die Geldgeber noch in Vorsicht. Für einen vierten Narnia-Film gibt es noch keine konkreten Pläne. Würde Apted dafür gegebenenfalls zur Verfügung stehen? "Man soll niemals Nein sagen."
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