Überbordende Fantasy-Extravaganz von Terry Gilliam über einen unsterblichen Mann, der sich auf einen Pakt mit dem Teufel eingelassen hat, ihm nun aber ein Schnippchen schlagen will. Letzter Film mit Heath Ledger, der während des Drehs verstarb.
Ein würdiges und wildes Denkmal: Terry Gilliam lässt seinen Star Heath Ledger in seiner allerletzten Rolle glänzen in einer Freakshow, deren Fertigstellung durch den Einsatz von Johnny Depp, Jude Law und Colin Farrell erst möglich wurde.
Terry Gilliam, Ur-Monty-Python und seit den Achtzigerjahren einer der fantasievollsten Filmemacher mit unverkennbar eigener Vision, ist Gegenwind bei seinen Projekten gewohnt. Bücher lassen sich füllen über seine Kämpfe mit Studios, Budgets und den Gewalten der Natur. "Brazil" wurde vom Studio verhunzt und konnte nur durch Unterstützung der Filmkritik gerettet werden, "Münchhausen" war ein außer Kontrolle geratenes Desaster, "The Man Who Killed Don Quichote" musste nach Verletzung des Hauptdarstellers und verheerenden Unwettern abgesagt werden, "Brothers Grimm" erwies sich als Dauerkampf mit den Weinstein-Brüdern und zehrte so sehr an den Nerven Gilliams, dass er sich mit seinem düstersten und bittersten Film, "Tideland", von der traumatischen Erfahrung befreien musste.
"The Imaginarium of Doctor Parnassus" war zunächst als Neuanfang gedacht, ein ganz purer Gilliam-Film mit Elementen aus "Time Bandits", "Brazil", "Münchhausen" und "König der Fischer", einer jener morbiden Freiflüge der Fantasie, voller Romantik und Traummotiven, wie sie außer ihm bestenfalls noch Tim Burton bewerkstelligen kann - und entpuppte sich als sein bislang schlimmster Albtraum, als im Januar 2008 mitten während der Dreharbeiten sein Star Heath Ledger, der für Gilliam bereits in "Brothers Grimm" gespielt hatte, verstarb und das Projekt lange Zeit auf der Kippe stand. Ohne angesichts der Tragödie zynisch klingen zu wollen: Vom Pech verfolgt zu sein, kann sich als Glücksfall erweisen. Je schlimmer die Umstände, desto mehr wird Gilliams Kreativität entfacht. Und hier übertrifft er sich selbst: Unterstützt von Johnny Depp, Jude Law und Colin Farrell, die in der Not eine helfende Hand reichten, konnte der Regisseur seinen Film dank eines verwegenen Handlungskniffs retten: Dreimal steigt die Hauptfigur Tony, der von der fahrenden Truppe des Doctor Parnassus mit einem Strick um den Hals von einer Londoner Brücke hängend gerettet wird und sich aufgrund seiner Gedächtnislücken den Gauklern anschließt, durch einen Spiegel auf der Bühne, jedes Mal taucht er auf der anderen Seite als einer der anderen Schauspieler in einem neuen grotesken Universum auf, das "Alice im Wunderland" alle Ehre bereiten würde. Der Effekt ist verblüffend, die Illusion perfekt, zum einen weil es gelungen ist, Depp, Law und Farrell ungemein ähnlich sehen zu lassen, zum anderen weil offenkundig genug Material mit Ledger gedreht worden war, um die Geschichte in unserer Welt auch tatsächlich funktionieren zu lassen. Nur kleinere Holperer lassen sich konstatieren, doch sie fügen sich insgesamt homogen ins Gesamtbild dieses wilden Films, der sich keine Sekunde um Realität und Logik schert, aber einen mit seinen intensiven Bildern sofort gefangen nimmt.
Um einen Faustischen Pakt geht es zwischen dem tausendjährigen Parnassus und dem Mr. Nick genannten Teufel, den Tom Waits spielt, als sei er einer seiner torkelnden Songs aus dem "Rain Dogs"-Album, um ewiges Leben und um die Rettung von Parnassus Tochter Valentina, von Supermodel Lily Cole als nahe Verwandte der Figur von Sarah Polley in "Münchhausen" dargestellt: Um sie nicht an ihrem 16. Geburtstag an den spielsüchtigen Nick zu verlieren, muss der Wunderzauberer fünf Seelen gewinnen, die sich auf seine alternative Welt jenseits des Spiegels einlassen. Es ist ein Rennen gegen die Zeit, mit Tony als Joker, und Gilliam gestaltet es als gnadenlos überzeichnete Freakshow, mit gewohnt schrägen Kamerawinkeln und verzerrten Bildern, um dem Zuschauer bisweilen buchstäblich den Boden unter den Füßen wegzureißen. Egal wie monströs der Film mit seiner Besessenheit mit Verfall, Schmutz und Vergänglichkeit auch ist, er ist immer faszinierend, zum einen wegen dem charismatischen und bisweilen gotterbärmlich aussehenden Ledger, aber auch weil es eine so bittere, wehmütige und beständig verzweifelte Ballade geworden ist, als würde der ewige Don Quichote des Kinos selbst langsam so müde werden, wie es der von Christopher Plummer mit unendlicher Wehmut gespielte Titelheld längst ist. Vielleicht bedarf es ja auch nur eines Deals mit dem Leibhaftigen, um das Imaginarium des Doktor Gilliam noch lange lebendig zu halten. ts.
Doctor Parnassus, mehrere tausend Jahre alt, bereist die Welt mit seinem Imaginarium, um den Menschen ihre Träume und Fantasien vorführen zu können. Doch Parnassus trägt ein dunkles Geheimnis in sich: Seine Unsterblichkeit verdankt er einem Pakt mit dem Teufel, Mr. Nick. Später überredet ein verliebter Parnassus den Teufel, den Handel umzuwandeln: Jetzt will er wieder jung sein, um seine Liebe gewinnen zu können. Dafür verspricht er, dass sein Erstgeborenes an seinem 16. Geburtstag in den Besitz von Mr. Nick übergeht. Als er anreist, um Parnassus' Tochter Valentina einzufordern, lässt er sich auf einen weiteren Pakt ein.
| Originaltitel | The Imaginarium of Doctor Parnassus |
| OV | Ja |
| OmU | - |
| Genre | Fantasy |
| Filmpreis | - |
| USA-Start | 25.12.2009 |
| Kinostart (D) | 07.01.2010 |
| Besucher (D) | 501.392 |
| Einspielergebnis (D) | € 3.543.791 Bes. (EDI) 501.392 Bes. (FFA) 506.962 |
| FSK | ab 12 Jahre |
| WWW | - |
Tom Waits
Mr. Nick
Mark Benton
Dad
Simon Day
Inspector
Johnny Harris
Polizist
Charles McKeown
Drehbuch
Amy Gilliam
Produzent
Samuel Hadida
Produzent
William Vince
Produzent
Terry Gilliam
Produzent
Victor Hadida
Ausf. Produzent
David Valleau
Ausf. Produzent
Anastasia Masaro
Produktionsdesi gn
Nicola Pecorini
Kamera
Mick Audsley
Schnitt
Monique Prudhomme
Kostüme
Irene Lamb
Casting
Maureen Webb
Casting
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