Wuchtige Reflexion vom mexikanischen Kinopoeten Alejandro González Iñárritu über das Leben als kurze Station zwischen Geburt und Tod. http://images.kino.de/flbilder/max11/auto11/auto04/11040169/b150x150.jpg Biutiful

Filmdetails

Biutiful

Wuchtige Reflexion vom mexikanischen Kinopoeten Alejandro González Iñárritu über das Leben als kurze Station zwischen Geburt und Tod.


Biutiful
Start: 10.03.2011

Drama

Spanien/Mexiko 2010
Laufzeit: 147 Min.
FSK: ab 16 Jahre

Javier Bardem
Maricel Álvarez
Hanna Bouchab

Regie: Alejandro González Iñárritu
Verleih: Prokino (Fox)

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Inhalt

Uxbal schlägt sich in Barcelonas Untergrund mit unsauberen Jobs durch. Er hat dabei aber immer das Wohlergehen seiner beiden Kinder Ana und Mateo im Sinn, die er mit unendlicher Zuneigung großzieht. Ihre Mutter Marambra liebt er zwar immer noch, ein Zusammenleben scheint jedoch unmöglich. Wie ein Wanderer bewegt sich Uxbal zwischen den Welten, auf der Suche nach Versöhnung mit seiner Frau, seinen Kindern und doch letztendlich mit sich selbst.


Kritik

Biutiful

Wuchtige Reflexion vom mexikanischen Kinopoeten Alejandro González Iñárritu über das Leben als kurze Station zwischen Geburt und Tod.

Alles, aber nicht "biutiful" ist die Realität von Uxbal, der in einem Barcelona weitab bekannter touristischer Impressionen mit seinen zwei Kindern unter Einsatz nicht ganz legaler Mittel zu überleben versucht. Iñárritu, der sich von seinem Drehbuchautor Guillermo Arriaga von "Amores Perres", "21 Grams" und "Babel" trennte, erzählt über 140 Minuten in überraschend linearer Struktur mit einer Person im Mittelpunkt, ohne mit Vor- und Rückwärtsschleifen und verschachtelten Handlungssträngen zu irritieren.

Am Rande der Gesellschaft muss der zärtliche und liebende Vater um jeden Euro kämpfen, er vermittelt illegal ins Land geschmuggelte Chinesen als Billig-Arbeiter an Bau-Firmen und Afrikaner in schlechtest bezahlte Jobs, schmiert Polizisten und mischt im Drogengeschäft mit, nimmt nebenbei gegen Geld Kontakt mit den Seelen frisch Verstorbener auf. Als er von seinem Prostata-Krebs erfährt und davon, dass er nur noch wenige Monate zu leben hat, versucht der Todgeweihte Ordnung ins Chaos zu bringen, die letzten Dinge zu regeln und gleichzeitig weiterhin den komplizierten Alltag zu bewältigen: Ein schmerzhaftes und verstörendes Rennen gegen die Zeit.

In rauen Bildern und einer visuell mitreißenden Handkamera von Rodrigo Prieto, die die fiebrige Energie der Straße einfängt und dem Antihelden immer ganz nahe bleibt, entfaltet sich ein Drama zwischen Neorealismus und magischem Realismus mit einem Mann, der die innere Verletzbarkeit mit Härte kaschiert. Selbst wenn der Menschenhändler mit Herz Gutes tut und die in kalten Souterrain-Räumen untergebrachten modernen Sklaven aus Fernost mit Gas-Öfchen versorgt, hat das katastrophale Folgen. Gustavo Santaolallas eindringlicher Score von Orchestermusik bis zu einzelnen Gitarrenklängen unterstreicht bis zur Gänsehaut akustisch den emotionalen Alptraum. Javier Bardem als moderner Märtyrer zwischen Schuldgefühlen, Moral und Verzweiflung hin- und hergerissen, trägt die Last der Welt und den Film auf seinen Schultern, eine psychisch und physisch fulminante Leistung, die ihm den Darstellerpreis in Cannes, eine Oscar- und eine BAFTA-Nominierung einbrachte. Er verleiht dieser Mischung aus Charakterstudie und melancholischem Poem ein Gesicht, das man so schnell nicht vergisst. mk.

Biutiful

Darsteller:  Javier Bardem   als Uxbal
  Maricel Álvarez   als Maramba
  Hanna Bouchab   als Ana
  Guillermo Estrella   als Mateo
  Eduard Fernández   als Tito
  Cheikh Ndiaye   als Ekweme
  Diaryatou Daff   als Ige
  Tai Shen Cheng   als Hai
  Jin Luo   als Liwei
 
Regie:  Alejandro González Iñárritu  
Drehbuch:  Alejandro González Iñárritu  
  Armando Bo  
  Nicolas Giacobene  
Produzent:  Alejandro González Iñárritu  
  Fernando Bovaira  
  Jon Kilik  
Koproduzent:  Sandra Hermida  
  Anne Ruark  
Ausf. Produzent:  David Linde  
Kamera:  Rodrigo Prieto  
Schnitt:  Stephen Mirrione  
Musik:  Gustavo Santaolalla  
Produktionsdesign:  Brigitte Broch  
Casting:  Eva Leira  
  Yolanda Serrano  

Triumph des poetischen Kinos

Lange war gerätselt worden, welcher Film des Wettbewerbs dem diesjährigen Jurypräsidenten Tim Burton am besten gefallen könnte ...

Großansicht Goldene Palme für das meditative Kunstwerk "Uncle Boonmee" (Foto: Illuminations Films)

Goldene Palme für das meditative Kunstwerk "Uncle Boonmee" (Foto: Illuminations Films)

Würde er ein verspieltes Werk wählen, das seinen eigenen Filmen gleicht, oder würde als Kontrastprogramm eher ein knallhart-realistischer Film das Rennen machen? An letzteren herrschte im diesjährigen Cannes-Jahrgang kein Mangel. Politischer als in den Vorjahren präsentierte sich das Weltkino an der Croisette, mit Filmen über den Algerienkrieg, den islamischen Fundamentalismus, über Irakkriegs-Söldner und politische Kriegstreiber, den Überlebenskampf in den Metropolen oder in der postsowjetischen russischen Provinz.

Schließlich vergaben Tim Burton und seine acht Jurykollegen die Goldene Palme an einen poetischen Film aus Thailand: "Uncle Boonmee Who Can Recall His Past Lives" (auf deutsch: "Onkel Boonmee, der sich an seine vergangenen Leben erinnern kann") von Apichatpong Weerasethakul. Der Film folgt einem schwerkranken alten Mann in den Dschungel, wo er mit seinen Angehörigen in aller Seelenruhe seine letzten Tage verbringt, den Geist seiner verstorbenen Frau und ein freundliches Zottelmonster trifft. Ein traumtänzerischer Film, der den Zuschauer hinter die Dinge blicken lässt und dem Tod seinen Schrecken nimmt - Filmkunst im besten Sinne, die leider viel zu selten jenseits der Festivals zu sehen ist.

Der große Preis der Jury ging ebenfalls an einen wunderbar ruhigen Film mit starken und transzendentalen Bildern, die im Gedächtnis haften bleiben: "Des hommes et des dieux" ("Von Menschen und Göttern"). Xavier Beauvois zeichnet hier die wahre Geschichte einer kleinen Gruppe katholischer Mönche nach, die in den neunziger Jahren im Atlas-Gebirge in Algerien leben. Gezeigt wird der Alltag der Brüder, die ein harmonisches Miteinander mit den muslimischen Einheimischen führen. Bis eines Tages der Bürgerkrieg das verschlafene Dorf erreicht und die Mönche von islamischen Fundamentalisten bedroht werden. Nun ist die essentielle Frage: Bleiben oder fliehen? Die Brüder entschließen sich zum Bleiben und in einer erhebenden Szene, die an das letzte Abendmahl erinnert, fängt die Kamera - untermalt mit Tschaikowskis "Schwanensee" - noch einmal liebevoll jedes einzelne Gesicht des starken Ensembles ein.

 
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Verdient ist auch der Schauspielpreis an Penélope Cruz' bessere Hälfte Javier Bardem, für seine Rolle als krebskranker Drogendealer in Alejandro González Iñárritus düsterem Drama "Biutiful". Es bleibt das Geheimnis der Jury, warum Bardem sich diese Auszeichnung mit Elio Germano teilen musste. Letzterer gibt in dem beschwingten italienischen Beitrag "La nostra vita" überzeugend einen jungen Underdog, der sich nach dem Tod seiner Frau mit seinen drei Kindern allein durchschlagen muss, doch er kann Bardem nicht das Wasser reichen.

Bei den Damen machte Juliette Binoche als überspannte Antiquitätenhändlerin in "Copie conforme" ("Beglaubigte Kopie") das Rennen, Abbas Kiarostamis raffiniertem Vexierspiel über das Auseinanderleben eines Paares, das womöglich in Wahrheit gar keines ist, sondern die Ehekrise nur spielt.

Die große Sensation des in diesem Jahr mit vielen allzu mittelmäßigen Filmen bestückten Programms war indes "Carlos - Der Schakal", der außer Konkurrenz startete. Ein atemberaubender epischer Thriller über den Terroristen "Carlos" (großartig gespielt von Edgar Ramirez), der in den siebziger Jahren zweifelhaften Weltruhm erlangte. Selten wurde Zeitgeschichte so spannend aufbereitet, und dies auf fünfeinhalb Stunden. Wem dies zu lang erscheint, der kann sich ab Herbst in den deutschen Kinos auch eine auf 160 Minuten gekürzten Fassung ansehen.

Star

Javier Bardem

Entdeckt wurde der "macho iberico" Javier Bardem von Spaniens Erotikregisseur Bigas Luna, der den stämmigen Mimen mit dem kantigen Kinn und...

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