Winterreise (2006)

Winterreise Poster
Nicht mehr im Kino.
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Filmhandlung und Hintergrund

Winterreise: Bewegendes Drama und Porträt einer ungewöhnlichen Persönlichkeit von "Hierankl"-Regisseur Hans Steinbichler.

Seit geraumer Zeit nun schon ist mit Franz Brenninger (Josef Bierbichler) nicht mehr gut Kirschen essen. Nachdem sich der depressive Kleinunternehmer mit der Familie überworfen und seine Firma an die Wand gefahren hat, probiert er einen Befreiungsschlag. Er investiert die letzten, zum Teil von der Bank geliehenen 50.000 Euro in ein windiges Geschäft mit kenianischen Teilhabern. Als der Deal prompt platzt, macht sich Brenninger persönlich auf nach Nairobi, um zu retten, was nicht mehr zu retten ist.

Lieder aus Schuberts “Winterreise” und nach langer Zeit mal wieder ein Auftritt von Hanna Schygulla in einem einfühlsamen, lebensnahen Drama von “Hierankl”-Regisseur Hans Steinbichler.

Als sein Unternehmen vor der Pleite steht, lässt sich Franz Brenninger auf ein dubioses Geschäft mit kenianischen Geschäftsleuten ein – und verliert auch noch seine letzten Reserven. Im kleinen Heimatort isoliert, macht er sich auf die Reise nach Kenia, um sein Geld zurückzuholen. Begleitet wird er von der jungen Dolmetscherin Laila.

Unternehmer Franz Brenninger lässt sich auf ein dubioses Spiel ein, um sein marodes Geschäft zu retten. Dazu braucht der grantelnde Bayer ausgerechnet die Hilfe einer jungen Übersetzerin, denn er spricht nur wenige Worte Englisch. Und er hofft, in Nairobi sein investiertes Geld noch irgendwie retten zu können und einfach sein altes Leben hinter sich zu lassen, nämlich seine erblindende Frau und seine beiden erwachsenen Kinder, die dem psychisch Kranken einen Krankenhausaufenthalt nahe legen.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Gleich vorneweg: Das Zentrum des Films gehört Josef Bierbichler. Und nur ihm. Mit Herzenslust schreit und pöbelt er sich durch das Städtchen Wasserburg und weiter bis nach Kenia. Die zahlreichen politisch unkorrekten Ausfälle werden dabei mit einer so aufdringlichen Absichtlichkeit vorgeführt, dass man sich als Zuschauer kaum noch provoziert fühlt auch wenn darin wohl der Sinn gelegen haben dürfte. Doch muss man der Figur des Brenninger zugute halten, dass er sich letzten Endes dem Fremden gegenüber aufgeschlossener zeigt, als man es vielleicht von einigen, sich politisch korrekt artikulierenden Menschen, erwarten würde.

    Dass der Figur des Brenninger und damit dem Schauspieler Josef Bierbichler der Haupthandlungsraum überlassen wird, ist sicherlich nichts, das man einem Film vorwerfen könnte. Allerdings hat das auch zur Folge, dass andere Schauspieler in den Hintergrund gedrängt werden. Von Sibel Kekilli sieht und hört man nicht viel, man könnte sie auch einfach als Stichwortgeberin bezeichnen. Dieses Schicksal teilt sie mit Hanna Schygulla, die darüber hinaus auch als stumme Dekoration ins Bild eingefügt wird.

    Der Filmtitel „Winterreise“ stammt, wie uns der Film selbst mitteilt, aus Franz Schuberts gleichnamigen Liedzyklus. Darin geht es, wie dem Zuschauer ebenfalls mitgeteilt wird, um einen einsamen, armen, alten Mann, der am Ende dem Wahnsinn verfällt und stirbt. Das gleiche geschieht, es wird niemanden verwundern, auch mit dem armen, alten Franz Brenninger.

    Dieser steht scheinbar kurz vor der inneren Implosion. Laut, unverschämt und ruhelos, mit – wie die Kamera suggeriert – verschwimmendem und hektisch umherschweifendem Blick, klammert er sich an dem Rest Wirklichkeit fest, der ihm noch nicht entglitten ist. Kurz vor dem Bankrott, der Familie entfremdet, steht er vor den ruinösen Resten seines Lebens.

    Man merkt ihm dabei durchaus an, dass er eigentlich doch alles hätte besser machen wollen und dass all sein Tun nur dem Zweck dient, zumindest das Schlimmste doch noch zu verhindern. So richtig gelingt es dem Film aber nicht, dem Zuschauer die innere Zerissenheit und den aufkommenden Wahnsinn der Hauptfigur nahezubringen. Denn was das Innenleben Brenningers angeht, bleibt vieles entweder im Dunkeln oder aber wird derart plakativ angebracht, dass man dem nicht ganz trauen will.

    So ist die Rede vom Vater, der pleite ging und dessen Pferde sich beim Abtransport der beschlagnahmten Waren blutig scheuerten und schon scheinen im Lauf erstarrte Pferdeskulpturen den Film zu überfluten. Immerhin finden sie sich sowohl im Hof des Betriebes als auch in Brenningers Wohnung. Brenninger, in vollem Karrieregalopp von der übermächtigen Konkurrenz ausgebremst, hat nun „blutige Viecher“ im Kopf, die er einfach nicht mehr los wird.

    Daraufhin hört er übermäßig lauten Indie-Rock, in dem gebrüllt wird: „They say I’m going insane“ oder erstarrt theatralisch angesichts der Schubertschen Liedzeile: „Eine Straße muss ich gehen, die noch keiner ging zurück.“ Kann es das gewesen sein?

    Brenninger ist im Übrigen nicht die einzige Figur auf der Suche nach der eigenen Identität. Auf seiner „Winterreise“ trifft er nicht nur auf die traurige, vaterlose Leyla, die Ethnologie studieren will, um herauszufinden, was geschieht, wenn ein Volk einfach verschwindet, sondern auch auf einen mysteriösen Dauertouristen, der seit einundzwanzig Jahren in den chaotischen Straßen Nairobis nach seiner verschollenen Frau sucht.

    Zwar wird der ganze Film von einer schmerzhaften Sehnsucht nach Seelenruhe zusammengehalten, doch auch die Poesie, wie sie der Film sicherlich vermitteln will, kommt ein wenig zu gewollt daher, als dass man ihr eine wirklich tiefgehende Dimension zusprechen möchte. Es wirkt so, als würde der Film viele Ideen aufgreifen, aber keine richtig zuende denken. Angesichts der Ideen ist das ziemlich schade.

    Fazit: Ein Film über das allmähliche Zerbrechen einer Identität, deren Tiefendimensionen sich nicht erschließen lassen.
  • Eine Reise in den Tod begleitet von Schubert (und Rock) zwischen dem winterlichen Wasserburg am Inn und Nairobi, zwischen manischer und depressiver Phase, macht Josef Bierbichler als Franz Brenninger in diesem hochemotionalen Drama von Hans Steinbichler.

    Brenninger gets the Blues. Im Vorspann testet Bierbichler in aller Ruhe die Reißfestigkeit eines Strickes – und der Zuschauer weiß, wohin die Reise geht. Ab da ist es mit der Ruhe vorbei. Mit nervöser Kamera und Schnitt wird der Protagonist vorgestellt, ein Kleinunternehmer und ehemaliger Musikstudent vor der Pleite, Kette rauchend und fluchend, großspurig, aufgekratzt. Man sieht Rauchwolken, seine unstete Hand. Er erschimpft sich Kredit von seiner Sparkasse, schenkt seiner erblindenden Frau (Hanna Schygulla in ihrem ersten Kinoauftritt seit langem) Rosen, hört Rock (mit dem Refrain “I go insane”) in voller Lautstärke, geht zu den Huren. Am nächsten Tag liegt er, ein Häufchen Elend, bewegungslos auf der Couch, flüstert: “alles ist dunkel”. Seine erwachsenen Kinder (Philip Hochmair und Anna Schudt) wollen ihn überreden, ins Krankenhaus zu gehen. Auf das “du bist krank” seines Sohnes reagiert er mit “ich bin einfach gut drauf, du Arschloch” und findet nach dem Streit kaum zu seinem Auto. Als er sein letztes Geld und das seines Sohnes in einem dubiosen Geschäft mit Kenianern verliert, versucht er es sich in Nairobi zurück zu holen. Er bittet die junge Leyla (Sibel Kekilli begleitet erneut eine “Gegen die Wand” rennende Figur) , die für ihn die englischen Briefe übersetzte, mit zu kommen.

    Auf die in winterliches Weiß getauchten Bilder von der bayerischen Provinz folgen Bilder von in der Sonne gleißenden Hochhäusern und armseligen Blechhütten von Nairobi bzw. von gold-roter Steppen- und Berglandschaft. Wie der Protagonist ist auch Kamera und Musik ruhiger geworden. Bierbichler spielt und singt (in echt wie Schygulla “Gute Nacht”) “Der Leiermann” aus Schuberts Liederzyklus “Winterreise” in der Hotelbar und treibt mit seiner bewegenden Performance nicht nur Leyla und dem von André Hennicke gespielten Exil-Deutschen, sondern auch dem Kinopublikum die Tränen in die Augen. Bierbichler, der schon in Steinbichlers mit etlichen Grimme-Preisen, und dem Bayerischen Filmpreis ausgezeichneten Debüt “Hierankl” beeindruckte, trägt mit seiner Präsenz und gewaltigen schauspielerischen Bandbreite das von Drehbuchautor Martin Rauhaus und Steinbichler auf ihn zugeschnittene Drama, das den Namen emotional wirklich verdient hat. Die Kamera von Bella Halben (ihr gelingen tolle Bilder, ob nah an den Figuren oder die Weite der Landschaft einfangend, ob gestochen scharf oder gewollt unscharf) und die Musik (melodiöser Score und Songs) von Antoni Lazarkiwicz , beide übrigens aus dem “Hierankl”-Team, und selbst die Handlung ordnen sich der Darstellung eines psychischen Zustandes unter, nicht im klinischen Sinne, sondern künstlerisch überhöht – wie Schuberts titelgebender Liederzyklus. Der Krimiplot wird entsprechend nur angerissen, etliche Details bleiben ungeklärt und Hennickes Figur und noch mehr die eines blinden, alten Mannes sind keine echten Charaktere, Charons, die Brenninger auf seiner letzten Reise leiten, auf der “Straße, die noch keiner ging zurück”, wie es im Text aus dem ersten im Film erklingenden Schubert-Lied heißt. Steinbichlers Ballade ist keine psychologische Studie, sondern ein packendes Melodram, in dem die vorherrschende Melancholie, Wutausbrüche und Downs durch die beißend-bayerischen Kommentare Brenningers aufgelockert werden, so dass bestimmt kein Zuschauer das Kino mit einer Depression verlässt. hai.

Darsteller und Crew

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