Victoria (2015)

Victoria Poster
Nicht mehr im Kino.
Userwertung (15)
  1. Ø 3.8
Kritikerwertung (4)
  1. Ø 4.4

Filmhandlung und Hintergrund

Victoria: Quasi in Realzeit gedrehter Thriller-Drama-Mix in einer Berliner Nacht vom Regisseur von "Absolute Giganten".

Die junge Spanierin Victoria tanzt durch die Berliner Szene. Vor einem Club lernt sie vier Freunde kennen, die sich als Sonne, Boxer, Blinker und Fuß vorstellen. Man kommt ins Gespräch. Sonne und Victoria interessieren sich füreinander und setzen sich bald von der Gruppe ab. Ihr zarter Flirt wird jedoch jäh von den anderen unterbrochen, denn für die Kumpels ist diese Nacht noch lange nicht zu Ende. Um eine alte Schuld zu begleichen, müssen sie noch ein Ding drehen – und Victoria soll als Fahrerin fungieren.

Die Spanierin freundet sich vor einem Club mit vier Berliner Jungs an und wird in einen Banküberfall verwickelt. In Realzeit und ohne Schnitt gedrehter Thriller-Drama-Mix in einer Berliner Nacht vom Regisseur von “Absolute Giganten“.

Videos und Bilder

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Kritiken und Bewertungen

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So werten die Kritiker (4 Stimmen)
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  • „Besonders wertvoll”

    Es ist vier Uhr morgens. Auf der Straße stehen vier Jungs und wollen ein Auto knacken. Wenige Minuten vorher haben sie in einem Club ein Mädchen getroffen. Ihr Name ist Victoria. Victoria kommt aus Spanien, ist seit drei Monaten in Berlin. Sie kennt noch niemanden, hat keine Freunde. Aber sie will etwas erleben. Was genau, das kann sie nicht sagen. Doch heute Nacht, um vier Uhr, kann alles passieren. Und in den nächsten zweieinhalb Stunden wird alles passieren. Zu Beginn des Films fängt die Kamera Victorias Gesicht ein. Und von diesem Moment an wird sie die Hauptdarstellerin Laia Costa auch nie wieder wirklich verlassen. Regisseur Sebastian Schipper und die großartigen Bilder des Kameramanns Sturla Brandth Grøvlen begleiten Victoria auf ihrem Weg in eine Nacht, deren Ausgang der Zuschauer fürchtet, herbeisehnt, entgegenfiebert. Der Film erzählt in nur einer einzigen Einstellung in Echtzeit. Die Filmzeit im Leben der Figuren ist Realzeit, die der Zuschauer mitgeht und mitgehen muss. Denn nicht nur schauspielerisch und inszenatorisch ist die Geschichte, die sich im Laufe der Zeit immer dramatischer zuspitzt, eine wahre Tour-de-force, die auch beim Zusehen mitnimmt, berührt und fesselt. Die Kamera macht den Zuschauer zum Komplizen. Immer ist sie dicht dabei, zeigt, wie sich Victoria und der Anführer der Jungs, Sonne, annähern und verlieben, zeigt, wie die Jungs in einer Gang von Außenseitern als Brüder füreinander einstehen, zeigt die Unausweichlichkeit jeder Handlung. Die Szenerie ist authentisch, das nächtliche Berlin ist nicht nur Setting, sondern zusätzliche Hauptfigur. Das Spiel aller Darsteller ist überzeugend, glaubwürdig, ohne Zweifel wahrhaftig. Allen voran leisten Laia Costa und Frederick Lau als Sonne Unglaubliches. Der Film nimmt sich zu Beginn Zeit, um diese beiden Figuren umeinander kreisen zu lassen. Doch diese Zeit ist gefüllt von kleinen und feinnuancierten Gesten, Blicken und Momenten, die selbst in der Ruhe vor dem Sturm Großes entstehen lassen. Die Tonebene und die Musik von Nils Frahm tun ihr Übriges, um die Handlung anzutreiben, Stimmung zu setzen und dem Film zusätzlich poetische Kraft zu verleihen. VICTORIA ist Überwältigungskino, ein wilder und rauer Trip, aber gleichzeitig auch Film in seiner reinen Form. Sebastian Schippers mutiges Experiment ist aufgegangen. Denn er findet die perfekte Form, um diese Geschichte zu erzählen. Und erschafft so kraftvolles und innovatives deutsches Kino. VICTORIA ist ein intensives Filmerlebnis, das man nicht mehr vergisst.

    Jurybegründung:

    Stroboskobgewitter und wummernde Bässe. In einem diffus-nebligen Etwas zeichnen sich allmählich Gestalten ab. VICTORIA beginnt in einer Berliner Diskothek Die Spanierin Victoria ist gerade auf dem Weg nach Hause, als sie Sonne, Boxer, Blinker und Fuß kennen lernt. Vier Berliner Jugendliche, die es offensichtlich mit dem Gesetz nicht so genau nehmen und in dieser Nacht heftig dem Alkohol zugesprochen haben. Victoria folgt den Vieren auf einem nächtlichen Streifzug durch Berlin, der ein böses Ende nehmen wird.

    Wenn man hört dass VICTORIA in nur einer Einstellung, also ohne jeglichen Schnitt gedreht wurde, dann klingt das nach dem Purismus der dänischen Dogma-95-Filme. Von einem Dogma aber ist VICTORIA weit entfernt. Sebastian Schippers Film ist, da ist sich die Jury einig, ein unkonventioneller Thriller, eine irre Liebesgeschichte und ein rasanter Film Noir, der seine Zuschauer mit unglaublicher Wucht gefangen nimmt.

    Dass Victorias Episode mit den vier Berlinern nicht gut enden wird, war der Jury von vorne herein klar, allein die Frage "wie das passieren wird", war offen. Wer ein trauriges Kammerspiel mit vier kaputten Getto-Jugendlichen und einer unerfahrenen Berlinbesucherin erwartet, den wird "Victoria" positiv überraschen. Nicht nur, weil sich der Film über eine große Fläche von Berlin-Mitte und Kreuzberg erstreckt, sondern weil sich Schipper als ein phänomenaler Dramaturg erweist.

    Mit VICTORIA ist man auch als Berliner zu Gast in der eigenen Stadt. Der Film entführt in ein Milieu, das nur wenigen Kinogängern bekannt sein wird, in das der Jugendgangs. Der Film zeigt Sonne, Boxer, Blinker und Fuß nicht einfach nur als vier Nichtsnutze, sondern als Menschen, die Herz und Seele haben, und zwar so viel, dass die Spanierin Victoria Vertrauen entwickelt und sich völlig ungezwungen mit ihnen amüsieren kann. Und auch Victorias Motiv, die vier zu begleiten, wird deutlich herausgearbeitet.

    Allein bei der Frage, ob es in diesem extrem realen Film glaubhaft sei, dass Victoria bis zum bitteren Ende bei ihren nächtlichen Zufallsbekannten geblieben ist, haben sich in der anschließenden Diskussion unterschiedliche Meinungen ergeben.

    Letztlich fühlte sich die Jury aber, wie auch Victoria selbst, hinein gerissen in den Wirbel der nächtlichen Ereignisse. Sie konnte bestens nachvollziehen, wie aus den harmlosen Angebereien der Jugendlichen ernst wird und am Ende die nackte Angst ums Leben steht. Für diese Nähe zeichnet die bemerkenswerte Dramaturgie verantwortlich, aber auch die Kamera, die um die Darsteller tanzt und die Zuschauer vom ersten Moment an zu Mitspielern macht.

    Aber VICTORIA ist nicht nur ein technisch beeindruckender und extrem gut getimter Film. Ein mindestens genauso dickes Lob gilt auch Schippers Ensemble. Die Jury war sich einig, seine Akteure spielen nicht, sie vermitteln Lebensgefühl. Was Frederick Lau., Franz Rogowski, Burak Yigit, Max Mauff und natürlich Laia Costa zwischen 4:30 h und 7:00 h morgens auf Berlins Straßen zeigen ist atemberaubendes Improvisationstheater. Ihre Überschwänglichkeit, ihre Angst und ihre Verzweiflung sind greifbar und haben sich spontan auf die Jury übertragen.

    VICTORIA ist eine Tour de Force durch Milieu und Nacht, die man gerne auch ein zweites Mal anschaut. So viel Vehemenz, Mut und Kraft hat man selten auf der Leinwand erlebt, so dass die Jury dem Film gerne das Prädikat "besonders wertvoll" erteilt.

    Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)

Kritikerrezensionen

  • Neben der erfreulichen Tatsache, dass in „Victoria“ die bis zur Unkenntlichkeit verstümmelte Film-Liebe einem geradezu magischen Heilverfahren unterzogen wird, soll hier nicht unterschlagen werden, dass Regisseur Sebastian Schipper zudem ein überaus unterhaltsamer Berlinfilm gelungen ist. Es wird lebensecht gelabert, auf Hausdächern gekifft, vor dem Späti abgehangen und dann halt schön auf Polizisten geballert. Zwar ist die im letzten Drittel des Films stattfindende Exkursion ins Actiongenre nicht ganz so rund, wie der famose Rest, doch der für deutsche Verhältnisse angenehm lässige Umgang mit Schusswaffen, Geiselnahmen und  Bonnie und Clyde-Romantik groovt die kleineren Aussetzer von „Victoria“ charmant wieder weg.
  • Intensive Reise ans Ende einer Berliner Nacht, in der ein spanisches Mädchen sich verliebt und das Abenteuer seines Lebens erlebt.

    Die Reise ans Ende der Nacht liegt Sebastian Schipper im Blut. Schon in seinen beiden ersten Filmen, “Absolute Giganten” und “Ein Freund von mir”, ergründete der Wahlberliner das enge Band von Männerfreundschaften in nächtlichen Extremsituationen. Sein Film Nummer vier schlägt in dieselbe Kerbe, erzählt wieder von einer Jungsclique, von einer Extremsituation, von den Stunden, in denen das undurchdringliche Schwarz der Nacht den ersten Sonnenstrahlen weicht. Und doch ist “Victoria” ganz anders. Nicht zuletzt, weil “Victoria” erstmals in Schippers Werk eine Heldin im Mittelpunkt hat, vor allem aber, weil es sich um einen wirklich unerhörten 140-minütigen Husarenritt handelt: ein Film ohne einzigen Schnitt, eine Geschichte in Realzeit, die nicht nur ihrer Titelfigur, einem spanischen Mädchen, das unvermittelt ins Abenteuer ihres Lebens geschleudert wird, und dem Schmelztiegel Berlin huldigt, sondern eben auch dem Kino selbst. Die nicht nur vermeintlich ganz echte junge Menschen zeigt, wie sie sich in der deutschen Hauptstadt so durchschlagen und angetrieben werden von dem Versprechen, dass dies die Stadt ist, in der es gerade passiert, und doch auch schon realisiert haben, dass die richtige Party längst andere feiern. Sondern die über diese jungen Menschen, die sich vor einem Club kennenlernen und gemeinsam weiterziehen und sich vielleicht ineinander lieben, nach etwa einer Stunde unerwartet ein Genrekonstrukt stülpt, den Zuschauer live in einen Bankraub verwickelt und aus den beiden Liebenden aus der Außenseiterbande Bonnie & Clyde werden und dann die Sonne aufgehen lässt. Was für ein wilder Ritt!

    Klar, Schippers Film ist vielleicht ein bisschen zu lang. Und vielleicht ist er auch eine Zumutung – er mutet einem was zu. Aber er hat einen Puls, er hat eine Energie, er hat den wilden Schlag des Herzens, den das Kino braucht. Da schwingt nicht nur in der erzählerischen und formalen Radikalität ganz viel Nouvelle Vague mit – hatte Godard in “Atemlos” oder “die Außenseiterbande” nicht zuletzt auch einfach amerikanische Genrekino mit der eigenen Lebensrealität vermengt? Schipper lebt, träumt, atmet Kino. Er löst das Versprechen ein, einen zwei Stunden buchstäblich mitzunehmen, mit Bildern, wie man sie nicht jeden Tag sieht – und nicht mit konventionellen Kompositionen, Bravheit und Betulichkeit. Schipper tollschockt sein Publikum und erinnert daran, vom ersten Zucken der Stroboskopblitze in einem Kellerclub, in dem sich Victoria die Seele aus dem Leib tanzt, bis zum Aufblenden der Sonne, wenn sie wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt wird, und einer zarten Liebe und einem verrückten Bankraub und einer verzweifelten Schießerei dazwischen, wie irre es ist, wenn im Kinosaal zwei Stunden lange Gas gegeben wird. Seine Schauspieler, allen voran die Entdeckung Laia Costa und Berlin-Darsteller de jour, Frederick Lau, sind bedingungslos mit dabei, immer angetrieben vom eigentlichen Star des Films, Kameramann Sturla Brandth Grøvlen, der nicht eine Sekunde die Deckung sinken lässt. ts.
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