The Grandmaster (2013)

The Grandmaster Poster
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Filmhandlung und Hintergrund

The Grandmaster: Kampfkunst-Epos in atemberaubenden Bildern um den legendären Lehrer von Bruce Lee. Von Kinomagier Wong Kar Wai ("2046", "My Blueberry Nights").

Ip Man, aufgewachsen im Süden Chinas, nimmt von Kindheit an bei den Kung-Fu-Wettkämpfen im berühmten Goldenen Pavillon teil. Eines Tages taucht Meister Gong aus dem Nordosten auf, um das Ende seiner Laufbahn vor Ort zeremoniell zu begehen. Der eine hört auf, der andere setzt seinen Weg fort. Wem aber gebührt es fortan, sich Großmeister zu nennen? Ip Man? Meister Gongs Tochter Gong Er? Oder gar Yi Xian Tian, den es ins ferne Taiwan verschlagen hat? Einige wollen schützen, was ihnen gehört, andere suchen nach Erleuchtung und wieder andere nur den Kampf.

Ip Man wird zum Meister der Kampfkunst Wing Chun und eröffnet nach zahlreichen persönlichen Verlusten eine Kungfu-Schule in Hongkong. Drama über den Martial-Arts-Meister Ip Man, von Wong Kar Wai bildgewaltig realisiert.

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Kritikerrezensionen

  • Einst zählte das Hongkong-Actionkino zum festen Berlinale-Repertoire. Bei den Nachtvorstellungen im Delphi-Kino traf sich die gesamte chinesische Community, um die neusten Werke von Actionstars wie Jet Li oder Donnie Yen zu bejubeln. Abgesehen davon, dass die Nachtschiene längst gestrichen wurde, fuhren die Verantwortlichen im Laufe der Jahre den Hongkong-Programmanteil fast völlig herunter. In diesem Jahr blieb nur der lang erwartete "The Grandmaster" übrig, der schon deshalb die Berlinale eröffnete, weil Regisseur Wong Kar-wai ("In the Mood for Love", "Ashes of Time: Redux") der Wettbewerbsjury vorstand.

    Rund zehn Jahre zogen sich Vorbereitungszeit und Dreharbeiten seiner Biografie des legendären Bruce Lee-Lehrmeisters hin. Im gleichen Zeitraum entstanden gleich drei Filme mit Donnie Yen als Ip Man vor dem Wandel historischer Ereignisse, die stärker auf die furiosen Kampfkunsteinlagen abzielten. Die Trilogie schlug einen deutlichen anti-japanischen Tonfall an, was keine Seltenheit im kantonesischen Actionkino darstellt (etwa im Bruce Lee-Klassiker "Todesgrüße aus Shanghai"). Obwohl die japanische Invasion in "The Grandmaster" ein wichtiges Handlungselement darstellt und nicht auf die Darstellung der umgreifenden Missstände und der Bevölkerungsunterdrückung verzichtet wird, enthält sich Regisseur Kar-wai jedoch eines rassistischen Untertons.

    Im Gegensatz zur Trilogie greift er in seinem fragmentarischen, stilisierten Epos nur bestimmte biografische Stationen des berühmten Wing Chun-Spezialisten heraus und arbeitet ansonsten mit extremen Zeitsprüngen. Obwohl der Ip Man im Off-Kommentar seine Gedanken und Philosophie darlegt, stellt er nur einen der beiden gleichberechtigten Protagonisten dar und verschwindet im Mittelteil fast völlig aus der Handlung. Ebenso stark konzentriert sich die Inszenierung auf Gong Er, die Meisterin der "64 Hände", ihre Rachepläne und ihr Sehnen nach einem Wiedersehen mit ihrem ebenbürtigen Duellkontrahenten. Entsprechend wird beider Aufeinandertreffen im Bordell Goldener Lotus, dem Treffpunkt aller Kung Fu-Meister, wie ein erotisches Liebespiel, ein schwereloser Tanz in Szene gesetzt. Die Berührung ihrer Hände schwingt in Gong Ers wehmütiger Erinnerung wiederholt in Zeitlupe mit.

    Als Martial-Arts-Spektakel, für das der bewährte Kampfkunstspezialist und Regisseur Yuen-woo Ping ("Matrix", "Tiger & Dragon") gewonnen wurde, zeigt sich "The Grandmaster" trotz seiner atemberaubenden, sinnlich fotografierten Actioneinlagen antiklimatisch angelegt. Einige der furiosen Kämpfe finden in der ersten Hälfte statt, während sich das Finale auf die unerfüllte Liebe zwischen Gong Er und Yp Man konzentriert. Der melodramatische Aspekt zwischen unausweichlichem Verlust und heimlicher Anziehung, der dem Stoff einen melancholischen Unterton verleiht, mag aber einer der Gründe sein, warum sich Wong Kar-Wai überhaupt für das Sujet interessierte. Schon in seinem Fantasy-Drama "Ashes of Time” nahmen die Action-Sequenzen einen eher nebensächlichen Part ein.

    In "The Grandmaster" kommt den überhöhten Zweikämpfen ein wichtigerer Raum zu, bei denen regelmäßig das gesamte Mobiliar zerstört wird. Als ironische Replik darauf vereinbaren die Kontrahenten vor der Konfrontation, dieses Mal die ornamental verzierte Einrichtung zu schonen, weshalb ihr Duell weitgehend in der Luft stattfindet. Wie schon in Wong Kar-wais Meisterwerk "In the Mood for Love" symbolisieren Spiegel und Gitter dabei die Verlorenheit der Protagonisten und ihre Gefangenschaft in der Tradition.

    Ähnlich stilisiert wie das Dekor und die Kämpfe, die sich um Fragen der Ehre, Weisheit, Witz und Stärke drehen, wurden die Dialoge angelegt. Meistens drehen sich die philosophischen Diskussionen um chinesische Weisheiten und Weisungen wie eine unausgesprochene Kampfkunst-Regel, die es verbietet, gegen buddhistische Mönche, taoistische Priester, Kinder und Frauen anzutreten. Deshalb hat Ip Man zunächst Bedenken, die Fäuste gegen Gong Er zu erheben.

    Die unerfüllte Beziehung der beiden Kontrahenten, des angesehenen Geschäftsmanns mit weißem Hut als Markenzeichen, und der selbstbewussten, eigensinnigen Erbin der "64 Hände"-Technik, verläuft vor dem Hintergrund der chinesischen Geschichte: Ips Biografie entwickelte sich während der Qing-Dynastie, dem Kampf gegen die Japaner im 2. Weltkrieg und seinem Hongkong-Exil während des chinesischen Bürgerkriegs. Das erklärt auch die Existenz zweier Fassungen, denn die internationale Version wurde um 13 Minuten gekürzt und umstrukturiert. In einem Interview erklärt Regisseur Kar-wai dies mit zahlreichen Verweisen auf chinesische Eigen- und Begebenheiten, die dem ausländischen Publikum fremd seien und nur für Verwirrung sorgen würden.

    Trotzdem erscheint die Verknüpfung von kunstvollen Martial Arts-Einlagen, Repliken auf die unstete chinesische Historie und der unterkühlt melodramatischen Liebesgeschichte nicht in allen Momenten rund. Gerade das letzte Viertel kommt nicht ohne redundante Momente aus, wenn etwa ein einsamer Hund auf einer nächtlichen Straße als Sinnbild der Isolation des Protagonisten gleich dreimal in den Vordergrund gerückt wird. In Tonfall und Struktur bleibt "The Grandmaster" streckenweise uneinheitlich und sprunghaft. Nebenfiguren wie Ips unabhängige Frau Cheung Wing Ling erscheinen marginal ausgearbeitet, was Kürzungen der ursprünglich vierstündigen Version geschuldet sein mag. Vielleicht erstellt Wong Kar-wai wie bei "Ashes of Time: Redux" eines Tages eine neue Fassung nach seinem Wünschen. Bis dahin ist sein vorliegendes Werk ein Muss für Fans des stilisierten chinesischen Actiondramas.

    Fazit: "The Grandmaster" liefert eine eindrucksvolle Verbindung aus atemberaubender Action-Choreografie und unterdrückter Leidenschaft in einer sprunghaft entwickelten Dramaturgie.
  • Ein Hauch von Martial Arts: Wong Kar Wais Biopic über den legendären Kung-Fu-Lehrer Ip Man ist eine actionreiche Meditation über Haltung im Angesicht von Schmerz, Verlust und unausgesprochener Liebe.

    Knapp zehn Minuten kürzer als vom Festival angekündigt und noch einmal anders als die Fassung, die bereits zu Beginn des Jahres in China in den Kinos mit phänomenalem Erfolg angelaufen ist, ist die Version von Wong Kar Wais “The Grandmaster”, die die 63. Berlinale eröffnet hat und nun auch in die deutschen Kinos kommen wird. Das kann niemanden überraschen, der sich an das Drama um Wongs “2046″ in Cannes erinnern kann, der so spät fertig gestellt wurde, dass er während des Festivals noch einmal um zwei Tage nach hinten verlegt werden musste. Und so hat der Regisseur nun wieder bis zum letzten Moment gefeilt und geschnitten, um seinem Film den letzten Schliff zu verpassen, nach insgesamt sechs Jahren Arbeit an dem mit 40 Mio. Euro budgetierten Mammutprojekt, das Wong den Weg aus der kreativen Sackgasse von “My Blueberry Nights” weist und gleichzeitig näher an den Mainstream rückt.

    “The Grandmaster” erzählt, will man meinen, die Geschichte von Ip Man, jenen in China als Volkshelden gefeierten Kung-Fu-Lehrer, der Bruce Lee ausbildete und den Wing-Chun-Kampfstil weltweit berühmt machte. Er erzählt vom Werdegang des Mannes, von seiner Meisterschaft, von den harten Zeiten während der japanischen Besetzung, von Verlust und Schmerz und vom Neuanfang, als er verarmt seine erste Kung-Fu-Schule in Hongkong gründet. So weit, so Biopic. Der Film erzählt auch vom Bestreben eines in die Jahre gekommenen Großmeisters, die disparaten Kung-Fu-Stile zu einem zu vereinen, die im Norden und Süden des Landes gepflegt werden. Er erzählt, eigentlich ganz konventionell, von Machtkämpfen, vom Aufeinanderprall verschiedener Weltsichten, die sich meist handgreiflich manifestieren. So weit, so Martial-Arts-Film.

    Aber es ist ein Film von Wong Kar Wai, und deshalb sind Erzählkonventionen nur dazu da, missachtet zu werden. So bereitwillig der Regisseur das Genrespiel anfangs noch mitspielt, so sehr wird mit zunehmender Laufzeit klar, dass es nur den groben Rahmen vorgibt für die Dinge, die ihn wirklich interessieren. Je mehr der Fokus von Ip Man zu der Tochter des bisherigen Großmeisters Gong wandert, desto deutlicher wird, dass auch “The Grandmaster” eine Variation des Themas ist, das Wong Kar Wai mit “Happy Together” und “In the Mood for Love” zu einem der aufregendsten Regisseure der Gegenwart gemacht hat: Um Einsamkeit geht es, unausgesprochene Zuneigung und die Unmöglichkeit der Liebe, um zwei Menschen, die nicht zueinander kommen können, weil es ihre Welt nicht erlaubt und sie gezwungen sind, ihren Weg konsequent zu Ende zu gehen, während sie von den kleinen Gesten und Momenten zehren, die sie miteinander hatten.

    Wie sich diese Geschichte aus dem größeren Zusammenhang schält und aus einem Historienepos mehr und mehr ein Film von Wong Kar Wai wird, ist atemberaubend und herzzerreißend und, wie immer bei Wong, unfassbar schön anzusehen. Tony Leung und Zhang Ziyi sind wunderbar als die beiden Königskinder, die sich nicht finden können. Und sie sind auch großartig in den Martial-Arts-Szenen.

    Denn es wird viel gekämpft, buchstäblich vom ersten Moment an, wie man es erwarten durfte. Grandios choreographiert sind die Kämpfe von Yuen Wo-Ping und mit einzigartiger Innovation gefilmt aus einer Vielzahl schier unmöglicher Kamerawinkel. Und doch orientiert sich Wong bei der Umsetzung nicht an den auf diesem Gebiet Maßstäbe setzenden Filmen, Ang Lees “Tiger and Dragon” und Zhang Yimous “Hero” und “House of Flying Daggers“. Er ist hier zwar in the mood for action, aber doch nie so recht an der Dramatik der Kämpfe interessiert. So spektakulär das hier auch aussieht, der Blick richtet sich stets nach innen: Was fühlt man, was denkt man, was bedeuten die Bewegungen? In einer frühen Szene von Guy Ritchies “Sherlock Holmes” sieht man den Titelhelden, wie er den Faustkampf mit einem körperlich überlegenen Gegner en detail vor seinem geistigen Auge abspielen lässt. Wenn sich der Kampf daraufhin in Realgeschwindigkeit genauso abspielt wie kalkuliert, versteht man als Zuschauer jede Bewegung und Entscheidung im blitzschnellen Verlauf der Auseinandersetzung. “The Grandmaster” gelingt das Kunststück, jede Bewegung und Geste begreifbar zu machen, ohne dass er es davor erklären müsste. Es geht um Haltung, um Anschauungen und Philosophie. Anders als die beiden “Ip Man“-Filme mit Donnie Yen ist “The Grandmaster” nie verklärendes Heldenepos, sondern eine romantische Geste, die das Leben ihrer Figuren eng mit der zu Beginn des Films formulierten Idee hinter Kung Fu verknüpft: “Zwei Worte, eines horizontal, eines vertikal. Wer liegen bleibt, hat verloren. Wer am Ende aufrecht steht, ist der Gewinner.” ts.
  • In schönen, aber inhaltsleeren Bildern befasst sich Wong Kar Wai mit dem Wesen des Kung Fu und vergisst darüber hinaus, dass eine Geschichte Emotion benötigt, um mitreißen zu können.
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Darsteller und Crew

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