Paulette (2012)

Paulette Poster
Nicht mehr im Kino.
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Filmhandlung und Hintergrund

Paulette: Märchenhafte Sozialkomödie um eine Rentnerin aus der Banlieue, die ihre magere Rente aufbessert, indem sie Haschcookies verkauft.

Witwe Paulette lebt von einer kargen Rente in einem Vorort von Paris. Als ihre Möbel gepfändet werden, hat sie die Nase voll von Wohlanständigkeit und heuert bei einem Drogenboss an. Bald dealt sie in Bahnunterführungen und Hausfluren und macht den coolen Jungs mit ihrer karierter Einkaufstasche Konkurrenz. Die ehemalige Konditorin hat eine tolle Geschäftsidee, backt mit ihren drei Freundinnen zu Hause Hasch-Cookies statt Schwarzwälder Kirsch. Die süßen Leckereien gelten schnell als Geheimtipp in der Szene.

Eine Rentnerin aus der Banlieue bessert ihre magere Rente auf, indem sie Haschkekse verkauft. Märchenhafte Sozialkomödie, in der die 84-jährige Nouvelle-Vague-Ikone Bernadette Lafont die Herzen im Sturm erobert.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Die französische Komödie "Paulette" schwimmt mit dem Gegensatz ältere Mitbürger und Drogenhandel im Kielwasser des britischen Vorbilds "Grasgeflüster". Regisseur Jérome Enrico ("L'origine du monde") präsentiert eine anfangs unsympathische und rassistische Dame in der Titelrolle, die sich gegenüber jungen Kleindealern mit Migrationshintergrund behaupten muss. Zunächst machen der Humor und die gesellschaftskritischen Seitenhiebe der Geschichte einen vielversprechenden Eindruck. Aber dann reihen sich doch nur ziemlich platte Klischees aneinander.

    Eine alte Frau mit Handtasche irrt durch dunkle Unterführungen und raunt verständnislosen Passanten Worte zu, die wie „Shit" klingen. Die jungen arabischen Dealer in ihrem Block trauen ihren Augen kaum und machen der Witwe schnell klar, dass sie einen schweren Stand haben wird. Hauptsächlich aus diesem Kontrast zweier Altersgruppen und Milieus bezieht die Komödie Witz und ihre Spannung. Dabei wird nichts geglättet und geschönt: Das Verhalten der Kleinkriminellen Paulette gegenüber ist geringschätzig und bedrohlich.

    Paulette sichert sich als zielstrebiger Underdog einerseits die Sympathien des Publikums. Aber andererseits ist sie auch gemein: Wie sie mit ihrem kleinen Enkel Léo (Ismael Dramé) umspringt, nur weil er eine dunkle Hautfarbe hat, verlangt nach radikaler Besserung. Die stellt sich natürlich ein, aber so unglaubwürdig, dass man sich als Zuschauer nicht ernst genommen fühlt. Ein Wunder, dass Paulettes Schwiegersohn Ousmane (Jean-Baptiste Anoumon), der auch noch bei der Polizei arbeitet, ihr stets mit unerschöpflicher Liebenswürdigkeit und Nachsicht begegnet.

    Indem "Paulette" seine Hauptdarstellerin aufgrund ihrer Armut in Mülltonnen wühlen lässt, stellt der Film einen aktuellen Bezug zur Not vieler Rentnerinnen her. Und auch die Stichworte "wirtschaftliche Eigeninitiative" und "längeres Berufsleben" weiß er komödiantisch zu verbraten. Aber die erzählerische Umsetzung erinnert an TV-Unterhaltungsfilme, die auf unbedarfte Art nett sein wollen. Es gibt aus dem Ärmel geschüttelte Wendungen in Richtung "Crime" und wieder zurück, und die Charaktere werden wie Stehaufmännchen behandelt.

    Fazit: Eine Pariser Rentnerin verkauft Haschplätzchen: Die französische Komödie "Paulette" fährt klischeehafte Gegensätze auf, die anfangs witzig, dann aber zunehmend platt wirken.
  • Nouvelle Vague-Ikone Bernadette Lafont brilliert als mürrische Witwe, die durch innovative Drogengeschäfte ihre mickrige Rente aufbessert.

    Mit 80 gehört frau noch lange nicht zum alten Eisen. Bestes Beispiel ist Witwe Paulette, die nicht gerade dem Klischee der charmanten Französin entspricht, sondern mehr dem einer Hexe auf dem Besen. In der Hochhaussiedlung einer heruntergekommenen Pariser Vorstadt beobachtet sie Ausländer mit Misstrauen, ihr Enkelsohn ist ein “Bimbo” und der Schwiegersohn nur ein ungeliebter schwarzer Polizist. Als ihr die Möbel gepfändet werden, weil sie Strom, Miete und Telefon nicht zahlen kann, reicht’s der rüstigen Rentnerin, sie will ihre schmale Kasse als Haschisch-Dealerin aufbessern. Der örtliche Drogenboss findet die Oma skurril, gibt ihr eine Probezeit, die sie glänzend übersteht. Sie dealt unauffällig mit karierter Einkaufstasche und Kopftuch in Bahnunterführungen und Hausfluren, lässt die junge Konkurrenz in scharfer Lederjacke alt aussehen. Doch warum in der Kälte arbeiten, wenn es auch zu Hause geht? Die ehemalige Konditorin hat eine tolle Geschäftsidee, backt mit ihren Freundinnen Hasch-Cookies statt Schwarzwälder Kirsch. Bald gelten ihre bunten Leckereien als Geheimtipp in der Szene, zumal es auch “Spezialanfertigungen” für besondere Gelegenheiten gibt.

    “Paulette” ist ein wunderschönes unmoralisches Märchen, die Wandlung der Grantlerin zur liebevollen Großmama herzerwärmend und die 84jährige Bernadette Lafont als Kämpfernatur und vom Leben ruinierte Frau einfach umwerfend. Ihre Freundinnen (Carmen Maura, Dominique Lavanant, Françoise Bertin) stehen der Chabrol-Muse an Witz und (Alters)Weisheit nicht nach. Das Drehbuch von Regisseur und Koautor Jérome Enrico entstand in einem Schreib-Workshop an der Filmhochschule ESEC. Seine Sozialkomödie mit ernstem Hintergrund – Altersarmut, Rassismus, Einsamkeit – erinnert stellenweise an Ken Loach, strahlt aber mehr Leichtfüßigkeit aus und bietet eine Portion mehr Humor. Wenn die Hauptfigur ihre Sünden bei einem farbigen Priester beichtet und ihm sagt, er hätte es “verdient, weiß zu sein”, zeigt das die Ambivalenz eines selektiven Rassismus. Dass das Mietshaus, in dem Paulette wohnt, den Namen des Schriftstellers und Gesellschaftskritikers Victor Hugo trägt, ist kein Zufall. Und das nun gar nicht politisch korrekte Ende in Holland, wo die Ladies neue Kunden mit erfolgreichen Rezepten verwöhnen, tut so richtig gut. mk.

Darsteller und Crew

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