Melancholia (2011)

Melancholia Poster
Nicht mehr im Kino.
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Filmhandlung und Hintergrund

Melancholia: Lars von Trier inszeniert das Ende der Welt als intimes Drama über zwei unterschiedliche Schwestern, die ein auf die Erde zurasender Planet zwingt, Bilanz zu ziehen.

Justine feiert ihre Hochzeit im Landhaus ihrer älteren Schwester Claire. Kein schönes Fest: Erst bleibt die Stretch-Limo mit den Eheleuten stecken, die Mutter entpuppt sich als Furie, der Vater als Lustmolch, der Schwiegervater als korrupter Machtmensch, der stinkreiche Schwager als aufbrausendes Arschloch. Justine gibt sich auf dem Golfplatz einem Fremden hin. Claire versucht, Justine aus ihrer Depression zu befreien. Während der Planet Melancholia auf die Erde zurast und die Panik wächst, kommen die Schwestern einander näher.

Zwei Schwestern harren auf einem Landsitz dem Weltuntergang in Gestalt eines gewaltigen blauen Planeten namens Melancholia. Meisterwerk von Lars von Trier, der mit dieser Studie zweier Schwestern “einen schönen Film über das Ende der Welt” gemacht hat.

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Kritiken und Bewertungen

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    Auf der Hochzeitsfeier der erfolgreichen und selbstbewussten Justine im Landhaus ihrer Schwester Claire herrscht zunächst eitel Sonnenschein. Doch das Glück ist nur Fassade. Justine versinkt bereits auf dem Fest in tiefe Depressionen. Kurze Zeit später kehrt Justine zu Claire zurück, völlig ihrer seelischen Krankheit ergeben und überzeugt vom Untergang der Welt. Und über allem schwebt der Planet Melancholia, dessen Umlaufbahn der Erde gefährlich nahe kommt. Lars von Trier hat mit MELANCHOLIA ein apokalyptisches Meisterwerk geschaffen, voller Traurigkeit, poetischen Bildern und der absoluten Hinwendung zu tiefen Gefühlen. Die Darsteller, allen voran die in Cannes ausgezeichnete Kirsten Dunst und Charlotte Gainsbourg, liefern eine wahre Tour de Force ihres Spiels ab, die Kamera erschafft starke Bilder, die den Zuschauer gebannt durch die Handlung führen. Die Magie der Bildkomposition und das unausweichliche Ende der Erzählung halten dem Betrachter die eigene Vergänglichkeit vor Augen und berühren zutiefst, wozu auch die musikalische Untermalung durch Wagners "Tristan und Isolde" ihren großen Anteil beiträgt. Ein Meilenstein der modernen Kinogeschichte.

    Jurybegründung:

    Das Ende der Welt - nichts anderes hat sich der dänische Filmemacher Lars von Trier zum Thema seines neuen Films gemacht. Wie und auf welche Weise er dies tut, ist als großartig und als Höhepunkt in der Karriere seines bisherigen Regie-Schaffens zu bezeichnen.

    Eine wartende Hochzeitsgesellschaft, abgeschieden in einem herrschaftlichen Haus auf dem Land, das Hochzeitspaar ist auf dem Weg - und schon von Beginn an geht es nicht so recht weiter. Denn die Frischverliebten bleiben in der Stretch-Limousine, die sie auf dem viel zu schmalen Weg zur Feier bringen soll, immer wieder stecken. Nur mühsam geht es voran. Ein erstes, wenig erfreuliches Omen für den weiteren Verlauf des Abends. Denn die Braut, die sensible, schöne und kluge Justine (Kirsten Dunst), leidet unter Schwermut, die sich während ihres Festtages immer mehr Gehör verschaffen wird. Daran ändern auch ausgelassene, heitere Momente mit ihrem sich sehr um sie bemühenden Bräutigam Michael (Michael Skarsgård) nichts - immer wieder kommt es nun zu Misstönen, die Reden werden launischer, man merkt bald: mit ihr und mit den anwesenden Familien ist vieles nicht in Ordnung, ist vieles mehr Schein als Sein. Als Justine zwischenzeitlich verschwindet und immer merkwürdiger wird, was ihre Schwester Claire (Charlotte Gainsbourg), die das Fest organisiert hat, zunehmend nervt, mündet die Hochzeit schließlich in die Katastrophe ... doch das alles ist nur ein Vorgeschmack darauf, was in Folge passieren wird. Während sich Claire im Verlauf der Geschichte noch um ihre strauchelnde Schwester kümmert, nähert sich der Planet Melancholia immer schneller der Erde, anscheinend auf Kollisionskurs. Und wird die labile Justine immer ruhiger und klarer, gerät Claire zunehmend in Panik. Wer wird Recht behalten? Wer von beiden Schwestern wird stärker sein? Und was zählt am Ende wirklich?

    Überwältigende Augenblicke der Anmut und auch der Romantik; Zeitlupen-Sequenzen schon im Prolog, die wie feinste Gemälde daherkommen; die Beschreibung von Niedergang als eine Art Schönheit, stille Momente der bedrohlichen, reinen, "aufgeladenen" Natur, aber auch intensive Handkamera-Sequenzen, faszinierende Gesichter, eine Kirsten Dunst, wie sie dunkler und überwältigender nie zu sehen war: Lars von Trier ist mit MELANCHOLIA ein unbarmherziges, kaum vollständig zu erfassendes, atmosphärisch einzigartiges Werk gelungen, in dem man während des Betrachtens wie ein Süchtiger an der Nadel hängt. Dass dieses hohe Maß an Ästhetisierung, dieser Bilderrausch gleichermaßen auch gezielt auf eine physische Wirkung beim Betrachter abzielt, bei Wagner-Musik den Zuschauer psychologisch anführt und ihm somit keine andere Wahl als eine Überwältigung lässt, kann man dem Regisseur dabei gleichermaßen als ein Zuviel an Selbstreflexion (Filmemachen als Therapie), Manipulation und Provokation vorhalten - oder ihm wahlweise einen Geniestreich zusprechen.

    Wenn Unausweichliches beschrieben, wenn der Blick durch ein Teleskop zur Mutprobe wird, wenn am Ende existentielle menschliche Angst nur noch den (überraschend versöhnlichen) Ausweg in die Menschlichkeit als letzte Zuflucht zulässt, wenn man durch einen Film die eigene Vergänglichkeit so unvermittelt spüren kann, wenn aus Schauspielern das intensivste nur denkbare Spiel herausholt wird: dann, ja dann sind wir in einem Film von Lars von Trier. Dessen eigene, vielpublizierte Erkrankung an Depression / Melancholie, ja dessen eigener "Wahnsinn" lotet erneut die Grenzen des Filmeschaffens aus und macht von Trier zu einem der größten Regisseure aller Zeiten.

    Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)

Kritikerrezensionen

  • Der Anti-Emmerich: Lars von Trier inszeniert das Ende der Welt als intimes Drama über zwei unterschiedliche Schwestern, die ein auf die Erde zurasender Planet zwingt, Bilanz zu ziehen.

    “Ein schöner Film über das Ende der Welt”. Besser lässt sich Lars von Triers jüngste Regiearbeit nicht in einem Satz zusammenfassen. Der dänische Filmemacher schreckt nicht zurück vor apokalyptischen Bildern eines immer größer werdenden Planeten, der mit zunehmender Geschwindigkeit auf die Erde zustürzt und alles Leben auszulöschen droht, lässt aber auch keinen Zweifel daran, dass es ihm im Grunde doch um einen Geisteszustand geht. Nicht von ungefähr wurde dem Planeten der Name “Melancholia” gegeben. Nach “Antichrist” von Triers zweiter Film in Folge, der unmittelbar von seiner vielpublizierten Depression beeinflusst ist – und doch könnten sie unterschiedlicher nicht sein. Die alles überragende Wut des Vorgängers ist einer versöhnlichen, ungewöhnlich lebensbejahenden Perspektive gewichen. Gleich in seiner Ouvertüre, die aus gestochen scharfen Tableaux in Ultrazeitlupe besteht, in denen man begleitet von Musik aus Richard Wagners “Tristan und Isolde” betörend pittoreske Szenen des nahenden Weltuntergangs sieht, geht von Trier in die Vollen: Schwermütige Romantik bis zum Anschlag und große Geste. Zwei gleich lange Kapitel folgen, in deren Mittelpunkt zwei Schwestern stehen. “Justine” ist “Das Fest” im Teilchenbeschleuniger. Bösartiger als in diesen Szenen einer Hochzeitsfeier war von Triers Humor nie. Melancholia ist zu diesem Zeitpunkt ein rot leuchtender Stern in weiter Ferne. Die Hölle ist auch so los. Die Stretch-Limo mit den Eheleuten bleibt stecken, weil sie nicht um die engen Kurven auf den Weg zum Familienpalast kommt, der Hochzeitsplaner ist der Braut persönlich beleidigt, die Mutter entpuppt sich als ätzende Furie, der Vater als alter Lustmolch, der Schwiegervater als korrupter Machtmensch, der stinkreiche Schwager als aufbrausendes Arschloch. Justine, gespielt von der in Cannes ausgezeichneten Kirsten Dunst, als wäre sie in einem Zustand der Dauertrance, pinkelt auf den Golfkurs und hat am 19. Loch im Hochzeitskleid Sex mit einem Fremden, während dem Ehemann allein im Schlafzimmer klar wird, dass sie ihn überfordern wird. Nur Justines geerdete Schwester Claire, gespielt von Charlotte Gainsbourg, unternimmt Versuche, sie aus ihrer Depression zu befreien, während die Veranstaltung nach und nach aus den Fugen gerät. Das eigentliche Inferno folgt in “Claire”, wenn der titelgebende Planet in den Mittelpunkt rückt, der hinter der Sonne verborgen war und nun mit Macht auf die Erde zurast. Die Angst vor der Vernichtung lässt das Machtverhältnis zwischen den Schwestern kippen, um die beiden schließlich in den letzten Momenten zusammenzuführen, in einer Zärtlichkeit und lebensbejahenden Entschlossenheit, die für Lars von Trier ungewöhnlich ist, gerade angesichts des Nihilismus von “Antichrist “. Verbunden mit wunderbaren Schauspielerleistungen, einer regelrecht herausragenden Vision und Umsetzung ist “Melancholia” ein Höhepunkt des Kinojahres und im Schaffen des kontroversen Regisseurs – ein Anti-Emmerich, in dem der Einzelne über das Ende triumphiert, auch wenn er davon verschlungen wird. ts.

Darsteller und Crew

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