Melancholia (2011)

Filmhandlung und Hintergrund

Der Anti-Emmerich: Lars von Trier inszeniert das Ende der Welt als intimes Drama über zwei unterschiedliche Schwestern, die ein auf die Erde zurasender Planet zwingt, Bilanz zu ziehen.

“Ein schöner Film über das Ende der Welt”. Besser lässt sich Lars von Triers jüngste Regiearbeit nicht in einem Satz zusammenfassen. Der dänische Filmemacher schreckt nicht zurück vor apokalyptischen Bildern eines immer größer werdenden Planeten, der mit zunehmender Geschwindigkeit auf die Erde zustürzt und alles Leben auszulöschen droht, lässt aber auch keinen Zweifel daran, dass es ihm im Grunde doch um einen Geisteszustand geht. Nicht von ungefähr wurde dem Planeten der Name “Melancholia” gegeben. Nach “Antichrist” von Triers zweiter Film in Folge, der unmittelbar von seiner vielpublizierten Depression beeinflusst ist – und doch könnten sie unterschiedlicher nicht sein. Die alles überragende Wut des Vorgängers ist einer versöhnlichen, ungewöhnlich lebensbejahenden Perspektive gewichen. Gleich in seiner Ouvertüre, die aus gestochen scharfen Tableaux in Ultrazeitlupe besteht, in denen man begleitet von Musik aus Richard Wagners “Tristan und Isolde” betörend pittoreske Szenen des nahenden Weltuntergangs sieht, geht von Trier in die Vollen: Schwermütige Romantik bis zum Anschlag und große Geste. Zwei gleich lange Kapitel folgen, in deren Mittelpunkt zwei Schwestern stehen. “Justine” ist “Das Fest” im Teilchenbeschleuniger. Bösartiger als in diesen Szenen einer Hochzeitsfeier war von Triers Humor nie. Melancholia ist zu diesem Zeitpunkt ein rot leuchtender Stern in weiter Ferne. Die Hölle ist auch so los. Die Stretch-Limo mit den Eheleuten bleibt stecken, weil sie nicht um die engen Kurven auf den Weg zum Familienpalast kommt, der Hochzeitsplaner ist der Braut persönlich beleidigt, die Mutter entpuppt sich als ätzende Furie, der Vater als alter Lustmolch, der Schwiegervater als korrupter Machtmensch, der stinkreiche Schwager als aufbrausendes Arschloch. Justine, gespielt von der in Cannes ausgezeichneten Kirsten Dunst, als wäre sie in einem Zustand der Dauertrance, pinkelt auf den Golfkurs und hat am 19. Loch im Hochzeitskleid Sex mit einem Fremden, während dem Ehemann allein im Schlafzimmer klar wird, dass sie ihn überfordern wird. Nur Justines geerdete Schwester Claire, gespielt von Charlotte Gainsbourg, unternimmt Versuche, sie aus ihrer Depression zu befreien, während die Veranstaltung nach und nach aus den Fugen gerät. Das eigentliche Inferno folgt in “Claire”, wenn der titelgebende Planet in den Mittelpunkt rückt, der hinter der Sonne verborgen war und nun mit Macht auf die Erde zurast. Die Angst vor der Vernichtung lässt das Machtverhältnis zwischen den Schwestern kippen, um die beiden schließlich in den letzten Momenten zusammenzuführen, in einer Zärtlichkeit und lebensbejahenden Entschlossenheit, die für Lars von Trier ungewöhnlich ist, gerade angesichts des Nihilismus von “Antichrist “. Verbunden mit wunderbaren Schauspielerleistungen, einer regelrecht herausragenden Vision und Umsetzung ist “Melancholia” ein Höhepunkt des Kinojahres und im Schaffen des kontroversen Regisseurs – ein Anti-Emmerich, in dem der Einzelne über das Ende triumphiert, auch wenn er davon verschlungen wird. ts.

Justine feiert ihre Hochzeit im Landhaus ihrer älteren Schwester Claire. Kein schönes Fest: Erst bleibt die Stretch-Limo mit den Eheleuten stecken, die Mutter entpuppt sich als Furie, der Vater als Lustmolch, der Schwiegervater als korrupter Machtmensch, der stinkreiche Schwager als aufbrausendes Arschloch. Justine gibt sich auf dem Golfplatz einem Fremden hin. Claire versucht, Justine aus ihrer Depression zu befreien. Während der Planet Melancholia auf die Erde zurast und die Panik wächst, kommen die Schwestern einander näher.

Zwei Schwestern harren auf einem Landsitz dem Weltuntergang in Gestalt eines gewaltigen blauen Planeten namens Melancholia. Meisterwerk von Lars von Trier, der mit dieser Studie zweier Schwestern “einen schönen Film über das Ende der Welt” gemacht hat.

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