Imagine (2012)

Imagine Poster
Nicht mehr im Kino.
Userwertung (2)
  1. Ø 5
Kritikerwertung (2)
  1. Ø 3.5

Filmhandlung und Hintergrund

Imagine: Tragikomödie um einen Blindenlehrer mit unorthodoxen Methoden in Lissabon, der einer jungen Frau zu neuem Lebensmut verhilft.

Als der rätselhafte Lehrer Ian in Lissabon eintrifft, um an einer Privatklinik hinter Klostermauern den Unterricht für eine Klasse blinder Jugendlicher zu übernehmen, ahnt die humorlose Heimleitung nicht, mit welch unorthodoxen Methoden er ihre Mauern erschüttern wird. Ians experimentierfreudiges Ortungsverfahren ohne Blindenstock beschränkt sich nicht auf den Innenhof. Er unternimmt auch mit der menschenscheuen Eva eine gefährliche Exkursion in die Stadt, womit er ihre tiefe Zuneigung gewinnt, aber auch gehörigen Aufruhr an der Schule auslöst.

Videos und Bilder

Auf DVD & Blu-ray (1)

Kritiken und Bewertungen

So werten die User Ø
(2)
5
 
2 Stimmen
4
 
0 Stimmen
3
 
0 Stimmen
2
 
0 Stimmen
1
 
0 Stimmen
So werten die Kritiker (2 Stimmen)
5
 
0 Stimmen
4
 
1 Stimme
3
 
0 Stimmen
2
 
0 Stimmen
1
 
0 Stimmen

Wie wertest Du? Klicke auf einen der Sterne:

Kritikerrezensionen

  • Mit seinem Film "Imagine" setzt der polnische Regisseur, Drehbuchautor und Produzent Andrzej Jakimoswski - wie bei seinem Film "Kleine Tricks" - auf eine poetisch-magische Atmosphäre bei einem gleichzeitig realistisch gezeichneten Hintergrund. Erneut baut er auf das Spiel mit Fantasie und Vorstellungskraft, was schon der Titel verdeutlicht. Beiden Werken ist gemein, dass der Weg in eine imaginäre Welt mit Risiken verbunden ist. Diese brüchige Linie vermag der selbstbewusste blinde Lehrer Ian perfekt einschätzen, wenn etwa seinen Weg ohne Blindenstock durch den fließenden Verkehr wählt. Obwohl die Sympathien auf seiner Seite liegen, macht Jakimowski deutlich, dass seine Maxime für die weniger geübten Schüler nicht ungefährlich sein kann.

    Trotz des Misstrauens von Seiten der Klinikleitung und der Zweifel der Schüler hält der Protagonist an seiner Methode der "Echoortung" fest. Ians Sonar mittels Fingerschnippen oder Zungenschnalzen dient zur Positionsbestimmung von angrenzenden Objekten. Anhand von Schallwellen sollen Richtung und Größe der Hindernisse geortet werden, wobei sich der Lehrer auf seine Erfahrung und sein exaktes Gehör verlässt. Zunehmend zweifeln seine Schüler an seiner Blindheit, womit sich ein nicht ungefährliches Spiel aus täglichen Fallen und steten Herausforderungen entspinnt. Nicht allein an der sturen Vorschriftentreue seiner Vorgesetzten stößt sich Ian die Hörner an, sondern mit der Zeit zieht er sich immer neue Blessuren zu.

    Mitunter erinnert das Hauptthema – ein unkonventioneller Lehrer stößt aufgrund seiner Individualität und ungewöhnlichen Methoden auf Widerstand – an den Erfolgsfilm "Der Club der toten Dichter". Von den Klinikmitarbeitern verlangt der eigenwillige Dozent, der ohne schriftlichen Lehrplan auskommt, bei einer Teilnahme an seinem Unterricht, dass sie sich aus Gleichheitsgründen ebenfalls die Augen verbinden müssen. Ob er mit seinen Intentionen zumindest bei den Kindern eine bleibende Saat hinterlässt, lässt der Film allerdings offen.

    Wie schon bei "Kleine Tricks" inszeniert Jakimowski das Wechselspiel zwischen den Protagonisten in musikalischer Weise. Die meisten Szenen unterstreicht er mit einem unaufdringlichen Score, ohne damit, wie in manchen Großproduktionen, jede Nuance zuzukleistern. Wo der Vorgänger wie ein langes Jazzstück komponiert war, erinnert das Wechselspiel der Figuren nun an einen lateinamerikanischen Tanz. Nicht zufällig führt der Weg an einer Flamencoschule vorbei, woran das Klicken und Fingerschnippen Parallelen weckt.

    Erneut glänzt Jakimowski durch einen sorgsam komponierten Blick auf Details und ein ausgeklügeltes Sounddesign, mit dem das Fühlen, Tasten, Hören und Riechen der Charaktere verdeutlicht wird. Letztlich wirkt die Mischung aus Liebes- und Initiationsgeschichte aber konventioneller erzählt als der einfallsreiche, dutzendfach ausgezeichnete Vorläufer. Ein wenig tritt die Geschichte gegen Ende auf der Stelle und verlässt sich auf ihre malerischen Bilder und die zarte Romanze, doch insgesamt löst der polnische Regisseur das Versprechen seiner früheren Arbeiten ein. Teils behält die Synchronfassung die Mehrsprachigkeit des Originals, doch dass Alexandra Maria Lara eine deutsche Schülerin verkörpert, erfährt man hier nur anhand einer Dialogpassage.

    Fazit: Mit "Imagine" gelang ein poetisch-melancholischer Appell für die Kraft des Selbstvertrauens und der Phantasie, der durch ein Wechselspiel aus präziser Inszenierung, Musikakzentuierung und malerischer Fotografie für sich einnimmt.
  • Bedachtes Blindendrama, in dem eine Schülerin in Lissabon durch unorthodoxe Methoden neuen Lebensmut schöpft.

    Die in Portugal entstandene, europäische Produktion des polnischen Regisseurs Andrzej Jakimowski, bekannt für seinen Arthaus-Hit “Kleine Tricks”, konnte in dessen Heimat zahlreiche Preise einheimsen und bleibt auch vor der Kamera international: Edward Hogg (“Anonymus”) als revolutionärer Blindenlehrer Ian und die zuletzt in “Rush – Alles für den Sieg” aufgetretene Alexandra Maria Lara als seine menschenscheue Schülerin Eva, die ihm in einer diffizilen Beziehung vorerst verfällt. Auf faszinierende Weise lässt sich “Imagine” auf ihre Wahrnehmung ein, entfaltet eine Welt der Töne, was auch beim Zuschauer Vorstellungskraft herausfordert.

    Im sonnengetrockneten Innenhof einer Privatklinik hinter Klostermauern lehrt der Neuzugang einer ganzen Klasse Sehbehinderter (authentisch von Laien verkörpert) bislang ungekannte Orientierungsverfahren, sich auch ohne Blindenstock durch Echo-Ortung zurechtzufinden. Eine gefährliche Exkursion in die Stadt mit der verschlossenen Eva bringt die humorlose Heimleitung gegen den so selbstbewussten wie geheimnisvollen Ian auf. Der muss auch die Schüler davon überzeugen, seine Methode ohne Tricks zu beherrschen, was in Ansätzen einen Club der toten Dichter ergibt und darum kreist, ob man in Angst oder befreit leben will.

    Im Grunde entzieht sich Jakimowskis Drehbuch naheliegenden Kategorien wie der einer Underdog-Parabel oder eines Motivations-Dramas, sondern ist eine durchaus auch die Geduld testende, mäandernde Charakterstudie aus einer Fülle an Episoden. Vor allem aber reist er in ein Universum der Geräusche, die er spielerisch, nicht didaktisch erkundet und sich ganz fast kindlicher Experimentierfreude verschreibt. Was zugleich die emotionalen Höhepunkte eines entspannten Films sind, der mit smarten Bildbegrenzungen, Unschärfe und Sprachvielfalt die Fantasie anregt. Denn die erhält klar Priorität vor den Fragen, ob Ian ein Hochstapler und was genau nun Realität ist. Das stellt eine alternative Lebensphilosophie in dieser Stadt der Blinden vor. tk.

Darsteller und Crew

Kommentare