Im Schwitzkasten (2005)

Im Schwitzkasten Poster
Nicht mehr im Kino.
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Filmhandlung und Hintergrund

Im Schwitzkasten: Ein Saunavergnügen voller Überraschungen um Wellness-Anhänger , die von einer besseren Zukunft träumen.

Eine Art Selbsthilfegruppe trifft sich jeden Donnerstag in der Sauna von Jost und Nadine (Charly Hübner und Christiane Paul). Da geben der Langzeitarbeitslose Toni (Andreas Schmidt), die frisch vom Himmel ins Arbeitsamt gefallene Stewardess Dani (Esther Zimmering) und Monika (Laura Tonke), die promovierte Sozialhilfeempfängerin, einander Einkaufstipps. Stammgast Norbert (Edgar Selge) darf immerhin noch für seine Frau Reden schreiben, und nur Karin (Steffi Kühnert) glaubt, dem Kapitalismus in seiner vollen Pracht gewachsen zu sein.

Mit lakonischem Humor und einer gesunden Prise Sex nähert sich der in Berlin ansässige irische Filmregisseur Eoin Moore (“Pigs will fly”) dem vom Kino eher selten behandelten Thema Arbeitslosigkeit.

Vor der sozialen Kälte flüchten sich jeden Donnerstag in die Sauna “Schwitzkasten” – eine entlassene Stewardess, eine Ich-AG-Frau, die jedem eine Versicherung andrehen will, eine Birkenstockträgerin, die nicht weiss, ob sie ihren Freund heiraten oder als Entwicklungshelferin in Afrika arbeiten soll, und ein Professor, der für seine Bundestagsgattin Reden schreibt.

Ein bunt gemischtes Völkchen aus Akademikern, Arbeitslosen, Flugbegleitern und unverdrossenen Ich-AGlern trifft sich allwöchentlich in Jost und Natascha Molinskys Saunaparadies “Schwitzkasten”. Die “Donnerstagsgruppe” ist über die Jahre zu einer eingeschworenen Gemeinschaft herangewachsen, vereint in der Hoffnung, durch Transpiration Inspiration zu erlangen. Denn die Saunainhaber und ihre sechs Mitstreiter plagen berufliche und manchmal auch private Sorgen ganz unterschiedlicher Art.

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Kritikerrezensionen

  • Alles geht den Bach runter, Deutschland im Schwitzkasten. Die Wirtschaft stagniert, die Menschen sind deprimiert. Ein kleines Grüppchen trifft sich am Abonnementsdonnerstag in der Sauna, ein Mikrokosmos der Gesellschaft, die nicht ergriffen ist von Erfolgsmeldungen aus der Politik, die Wachstum versprechen und einen Weg aus der Krise. Eine kleine Gruppe, der das Wasser bis zum Hals steht. Die Sauna, wo alle mit heruntergelassener Hose ins Schwitzen geraten, das ist die Grundmetapher dieser Komödie über den desolaten Zustand Deutschlands.

    Was zu bekritteln wäre, ist die schlechte Bildqualität des offenbar digital gedrehten Films. Ansonsten ist alles sehr schön beobachtet, Charaktere, die zwischen Hartz IV und Ich-AG, Arbeitslosigkeit, Minijob und hochfliegenden Träumen kein Bein auf den Boden bekommen. Satirisch überspitzt das alles, und dabei (meistens) treffend.

    Ein Ensemblefilm (mit vielen bekannten Schauspielern) in der Sauna, wo sich verschiedene Lebenswege und verschiedene Lebensanschauungen begegnen, aufeinanderprallen, sich aneinander reiben, sich gegenseitig befruchten – hier, wo jeder nackt ist, ist auch jeder gleich. Und man kommt sich näher, der Langzeitarbeitslose, der fast kriminell wird aus Not, und die erst seit kurzem Entlassene, die noch alle Hoffnung besitzt. Oder Jost und Norbert, die ein utopisches Projekt gemeinsam planen und dabei ziemlich auf die Schnauze fliegen.

    Jost, der Saunabesitzer, träumt nämlich von einem Wellnessland – und hat dabei seine Finanzen nicht im Griff. Er deklariert billigen Tetra-Pak-Saft zum Bioprodukt um und holt mit dem Spaten den Fangoschlamm aus einem versumpfenden See. Seine Schwester und Teilhaberin bemerkt all dies nicht, sie geht auf ihn einem fast esoterischen, wirklichkeitsfremden Begriff von Wellness. Norbert, der politische Redenschreiber, schleudert neoliberale Euphemismen von Selbstverantwortung, von Arbeitslosigkeit als Chance, von der Möglichkeit individueller Freiheit bei Freistellung von Arbeit um sich, und immer wieder Zitate aus „Faust“, dem Urtyp des strebenden Tatmenschen. Später sieht man ihn, zusammen mit seiner Frau, der Politikerin, in blau-gelben FDP-Farben beim Walking im Park. Von ihr, der Powerfrau, will er sich emanzipieren, indem er ganz alleine ein weltfremdes und ziemlich abwegiges Projekt finanziert, doch das will nicht gelingen.

    Viele ähnliche kleinen Geschichten, viele komische Momente birgt der Film, genau pointiert, mal subtil, mal deutlich. Dabei nimmt er nicht einfach Stellung zugunsten der sozial Schwachen, verurteilt nicht einfach die Herren Politiker da oben. Eoin Moore, der irischer Abstammung ist und vielleicht deshalb einen genaueren Blick auf den Zustand Deutschlands hat, weiß, dass die Dinge komplizierter liegen, der Zustand der Gesellschaft ist das Ergebnis komplexer Ereignisse. Die Satire hat damit keine positives Ziel. Aber die schonungslose Bestandsaufnahme in Form einer witzigen Komödie reicht auch aus: Bebildert sie doch das Gefühl absoluter Hilflosigkeit, das in Deutschland herrscht, gegenüber Wirtschaft und Politik, gegenüber den Entscheidungen und Aufgaben, denen man ausgesetzt ist.

    Fazit: Satirische Komödie über ein Deutschland in der Depression.
  • Ein Saunavergnügen voller Überraschungen bietet der irische Regisseur Eoin Moore. Beim gemeinsamen Schwitzen kommen sich die unterschiedlichsten Wellness-Anhänger näher, träumen von einer besseren Zukunft und ärgern sich mit der grässlichen Gegenwart herum.

    Einem Nackten kann man zwar nicht in die Tasche langen, aber ins Herz gucken. Und dazu gibt es Gelegenheit genug. Vor der sozialen Kälte flüchten sie sich jeden Donnerstag in die heiße Sauna – die entlassene Stewardess, die immer noch auf erfolgreich macht, die Ich-AG-Frau, die jedem eine Versicherung andrehen will und Ex-Frau des nicht gerade dynamischen Langzeitarbeitslosen, der seinem Sohn ein Rad zum Geburtstag klaut, die idealistische Birkenstockträgerin, die nicht weiss, ob sie ihren Freund heiraten oder lieber als Entwicklungshelferin in Afrika Abenteuerluft schnuppern soll, und ein veritabler Professor, der für seine pragmatische Bundestagsgattin gefällige Reden schreibt und gerne von Eigeninitiative und Aufschwung faselt. Während draußen Hartz IV tobt, sitzt drinnen das Grüppchen und wärmt Körper und Seele auf. Die kleine verschworene Gemeinschaft schließt vor der Wirklichkeit die Augen und wird dennoch von ihr eingeholt. Zwischen Farce und Drama haben die Schwitzenden beim Gebirgslatschenkiefernaufguss nichts zu lachen, auch wenn platte Witze die Runde machen und man unter als indische Fango-Packungen deklariertem billigen Havelmatsch lustvoll stöhnt. Wenn dann der Gerichtsvollzieher im “Schwitzkasten”, so der Name des Etablissements, wegen unbezahlter Rechnungen die Stereoanlage pfändet, das Telefon nicht mehr klingelt und die Rohrleitungen den Geist aufgeben, eine zu entsorgende Leiche in der Sauna liegt, scheint der wöchentliche Treffpunkt gefährdet.

    Nach seinem harten Drama “Pigs will fly” über Gewalt in der Ehe zeigt sich Eoin Moore von einer ungewöhnlich schwarz-humorigen Seite, auch wenn einem das Lachen schon mal im Halse stecken bleibt. Da kehren die Protagonisten ihr Inneres nach Außen, kämpfen mit den Widrigkeiten des Alltags und entpuppen sich als Meister einer geschickten Überlebensstrategie. Dabei sitzen die Pointen punktgenau. Mit einem Budget von nur 640 000 Euro und in nur 20 Drehtagen entstand ein vergnügliches Kino-Meisterstück mit einem exzellenten Darsteller-Ensemble, allen voran Christiane Paul, Edgar Selge und Andreas Schmidt. Nichts wie rein ins Sauna-Vergnügen. Tragik und Komik – selten lagen sie in einem deutschen Film so nahe beieinander. mk.

Darsteller und Crew

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