Im Nebel (2012)

Im Nebel Poster
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Filmhandlung und Hintergrund

Im Nebel: Drama um den Überlebenskampf eines von den Nazis als Kollaborateur stigmatisierten Bahnhofsvorstehers in Weißrussland.

Weil er zur falschen Zeit am falschen Ort war, verhaften die deutschen Besatzer 1942 in Weißrussland den unschuldigen Gleisvorsteher Sushenya und hängen drei seiner Kollegen, die einen Zug zum Entgleisen brachten. Ihn lassen sie schwer gezeichnet laufen, weshalb er fortan als ehrloser Kollaborateur gilt. Nachts klopfen zwei Partisanen, einer davon sein befreundeter Nachbar Burov, an die Tür des Familienvaters, um den vermeintlichen Verräter im Wald zu exekutieren. Obwohl er Burov das Leben rettet, will keiner seinen Beteuerungen glauben.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Der in Kiew aufgewachsene Regisseur Sergei Loznitsa kratzt in seinem philosophisch angehauchten Drama "Im Nebel" am Denkmal des heldenhaften Weltkriegspartisanen. Der Film, der auf einer Novelle von Vassily Bykow basiert, bekam in Cannes 2012 den Preis der internationalen Filmkritik. Waren die Handlungen der Partisanen immer richtig, nur weil sie die Wehrmacht bekämpften? Was geschah mit jemandem wie dem Eisenbahner Sushenya (Vladimir Svirski), der sich weigerte, die vom Krieg aufgezwungene Skrupellosigkeit zu entfalten?

    Der Titel „Im Nebel“ ist durchaus moralisch zu verstehen, denn der Filmheld Sushenya und die beiden Partisanen geraten nicht nur äußerlich ins Dickicht. Schon als Sushenya zu seiner Hinrichtung in den Wald gebracht wird, wehrt sich der Familienvater gegen den Verdacht, er habe drei Arbeitskollegen an die Deutschen verraten. Aber er muss erkennen, dass er keine Möglichkeit hat, die Partisanen zu überzeugen: Weil die Deutschen ihn laufen ließen und die anderen aufhängten, sind sie sich absolut sicher, dass er sich die Freiheit vom Feind erkaufte. Als er dann den von einer Kugel getroffenen Burov (Vlad Abashin) auf dem Rücken weiterschleppt, immer auf der Hut vor den Soldaten und ihren weißrussischen Helfern, zweifelt der Partisan jedoch an seiner Gewissheit. Noch während Sushenya ihm alles erzählt, stirbt Burov.

    Die Odyssee durch den Wald wird unterbrochen von drei Rückblenden, die jeden der drei Männer an einen Punkt zurück begleitet, an dem er eine wichtige Entscheidung traf. Burov rächte sich an seinem Nachbarn, der zur örtlichen Polizei ging mit ihren Armbinden, auf denen „Im Dienst der Deutschen Wehrmacht“ stand und ihn mit seiner neuen Macht demütigte. Voitik (Sergei Kolesov), der zweite Partisan, entpuppt sich in der Rückblende als opportunistischer Verräter. Und Sushenya weigerte sich, bei der Sabotageaktion der Eisenbahner mitzumachen, aus Angst davor, dass die Deutschen dann die Dorfbewohner erschießen würden. Genauso wenig wollte er nach der Festnahme das Angebot des Nazioffiziers annehmen und sich als Spitzel zu den Partisanen einschleusen lassen. Aber nun muss er feststellen, dass er auch damit seiner Familie vielleicht keinen Gefallen tat. Die Nazis hängten seine Kollegen und schickten ihn nach Hause, um ihn den öffentlichen Meinung zu überlassen. Jetzt weiß er nicht, wohin er gehen soll.

    Wie auf einer Theaterbühne schauen die Protagonisten oft tief in Gedanken versunken in die Ferne. Die Kamera filmt sie wie scheues Wild durch das Dickicht der Bäume. Jeder, der auftaucht, kann den Tod bringen. Auf der Landstraße fahren die Männer mit den Armbinden. Sushenya wehrt sich gegen Voitiks Ansicht, der Krieg verändere die Menschen. Er habe sich nicht verändert, sei immer noch derselbe wie früher, und doch glaube man dem Feind eher als ihm.

    Loznitsa zieht eine düstere Bilanz: Zwischen den Fronten des Krieges gibt es keine individuelle Integrität, die überlebensfähig wäre. Oder vielleicht doch, wenn jemand genauer hinschaut, sich mit schnellen Gewissheiten nicht zufrieden gibt. Allerdings ist Sushenya, der gerade nicht der Ansicht der Partisanen ist, dass der Zweck die Mittel heilige oder dass Kollateralschäden in Kauf genommen werden müssten, allzu deutlich und makellos zum Helden stilisiert.

    Fazit: Sergei Loznitsas Weltkriegsdrama "Im Nebel" unterzieht die moralische Selbstgewissheit zweier weißrussischer Partisanen einer philosophisch angehauchten Prüfung.
  • Stilles Drama über die Schrecken des Krieges und wie er selbst Unschuldigen seine tödliche Logik aufzwingt.

    Auch Sergei Loznitsas zweiter Cannes-Beitrag war dieses Jahr für die Goldene Palme nominiert und wurde schließlich mit dem Kritiker-Preis bedacht. Wie im Vorgänger “Mein Glück” seziert der ehemalige Dokumentarfilmer eine Gesellschaft am Abgrund, in der der Ehrliche keine Chance hat. Diesmal führt ihn die Abmessung der moralischen Apokalypse ins Jahr 1942, als die Wehrmacht die westlichen Gebiete Russlands besetzt hält. Nach dem gleichnamigen Roman des weißrussischen Kriegsveterans Wassil Bykau, der bereits die Vorlage zu Larissa Schepitkos erschütterndem “Aufstieg” verfasste (Goldener Bär 1977), entstand eine Meditation über (Un)Schuld und den moralischen Bankrott in Zeiten des Krieges.

    Kriegshandlungen wie in “Komm und sieh” finden keine statt, die Front ist fern und doch stecken alle im “Fog of War”, wo Wahrheit, Recht und Gesetz verloren gehen. Eine lange Kamerasequenz – es gibt spektakulär wenig Schnitte im gesamten Film – beobachtet gleichgültig, wie drei Partisanen gehängt werden, weil sie einen Zug sabotiert haben. Nur Gleisvorsteher Sushenya (Vladimir Svirskiy aus “4 Tage im Mai“) wird, nachdem er mit den Deutschen trotz Folter nicht kollaborieren wollte, freigelassen. Nach der Logik der Widerstandskämpfer muss er deshalb ein Verräter sein. Erst verliert der Familienvater seine Ehre, dann klopft ein Hinrichtungskommando zweier Partisanen an seine Pforte. Der herzlose Anführer Burov kennt ihn seit Kindertagen und will ihn erschießen, nachdem er ihn nachts sein eigenes Grab im Wald hat schaufeln lassen. Als Burov von Landsern verwundet wird und sein feiger Partner Voitik flieht, trägt Sushenya den Mann, der ihn gerade noch ermorden wollte, selbstlos durch die Wälder zu dessen Gefolgsleuten. Ein Opferlamm, dessen Beteuerungen niemand hören will, trägt seinen Schlächter wie eine Jesus-Figur sein Kreuz. Einer der sich in sein Schicksal fügt, weil es – trotz der weiten Wälder, in denen das mitunter sehr gemächliche Drama spielt – keinen Ausweg gibt.

    Wieder bricht bei Loznitsa ein gutmütiger Protagonist durch die dünne Decke der Zivilisation, ein Prügelknabe, dessen friedfertige Einstellung ihn automatisch zum Feind aller befördert. Auf drei Personen fokussiert, deren Schicksal Rückblenden anreißen, ist “Im Nebel” ein einziger langer Gang zum Schafott. Im Rauschen der Wälder, wo keinerlei Filmmusik erklingt, sondern nur die Laute der Natur, findet eine Odyssee, respektive ein Leidensweg statt, auf dem die Perfidie und Abgestumpftheit von selbsternannten Henkern und brutalen Kollaborateuren frappiert. So bukolisch die Landschaft anmutet, es ist Feindesland in jeder Hinsicht, wo Tugend und Menschlichkeit zum Sterben verurteilt sind. Ein minimalistisches Werk über moralische Grauzonen auf den Spuren von Michail Kalatosows “Wenn die Kraniche ziehen“. tk.

Darsteller und Crew

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