4 Tage im Mai (2011)

4 Tage im Mai Poster
Nicht mehr im Kino.
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Filmhandlung und Hintergrund

4 Tage im Mai: Bewegendes Antikriegsdrama an der deutschen Ostseeküste mit von Achim von Borries genau gezeichneten Figuren.

Vier Tage vor Ende des Zweiten Weltkriegs besetzen ein sowjetischer Hauptmann und sein Spähtrupp ein Kinderheim an der Ostseeküste, am Strand lagert eine deutsche Wehrmachtseinheit, die nach Schweden übersetzen und sich den Engländern ergeben will. Beide Parteien sind kampfesmüde. Nur ein 13-Jähriger glaubt noch an den Endsieg und versucht, die beiden Gruppen gegeneinander aufzuhetzen, und ist doch nur ein Kind. Zwischen Russen und Heimbewohnern entsteht so etwas wie Alltag, bis unerwartet nach der Kapitulation noch Gefahr droht.

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Kritikerrezensionen

  • „Vier Tage im Mai“ erzählt eine unglaubliche Geschichte, die sich tatsächlich am Ende des Zweiten Weltkriegs irgendwo an der deutschen Ostseeküste abgespielt hat. Der russische Schauspieler und Produzent Aleksei Guskov, der den Hauptmann im Film darstellt, hörte im Jahr 2005 in einer russischen Radiosendung davon. Die kleine Begebenheit am Rande der historischen Ereignisse von 1945 passte so gar nicht in das übliche Heldenschema, das die östliche Siegermacht gerne von ihrer damaligen Armee pflegt. Guskov trat mit der Idee für eine Verfilmung an den deutschen Regisseur Achim von Borries heran, der das Drehbuch schrieb und den wahren Kampf um das Kinderheim mit der fiktiven Geschichte des 13-jährigen Peter anreicherte.

    Der Junge, gespielt von Pavel Wenzel in seiner ersten Filmrolle, wird zur zentralen Figur des gefühlvollen Dramas. Er hat seinen Vater im Krieg in Russland verloren und möchte selbst um jeden Preis gegen die einmarschierenden Russen kämpfen. Mit pubertärer Dringlichkeit verschreibt er sich dieser Mission und riskiert dafür fast sein Leben. Ein Glück für ihn, dass der sowjetische Hauptmann Sympathien für ihn hegt, weil er sich durch Peter an seinen eigenen, im Krieg gefallenen Sohn erinnert fühlt. So wird diese ungewöhnliche Vater-Sohn-Ersatzbeziehung zu einem Katalysator für die Normalisierung und Befriedung der Soldaten, die in den Kriegsjahren nichts anderes kannten, als den Feind zu töten.

    Vom Krieg bekommt man in der ruhigen Geschichte nicht viel mit, denn die deutschen Soldaten, die am Strand auf die Überfahrt nach Dänemark warten, sind des Kämpfens müde und legen trotz ihrer Überzahl keinen Wert darauf, das Kinderheim zu stürmen. Die Kamera hat Sinn für die landschaftliche Schönheit, blickt in die Wipfel der Föhren oder folgt dem Zug der Wildgänse. Im Kinderheim haben die Soldaten und die Bewohner Muße, sich aneinander zu gewöhnen.

    Pavel Wenzel stattet den schmächtigen Jungen mit ernsten Zügen aus, die an Verstörung grenzen und die Orientierungslosigkeit dieses einsamen Kindes spiegeln. Peter spielt sich zum Beschützer des jungen Kindermädchens Anna – dargestellt von Angelina Häntsch – auf, die in großer Gefahr ist, von den Soldaten vergewaltigt zu werden. Der Hauptmann, in dem Peter die meiste Zeit über einen Feind sieht, erhält durch die Erzählungen seiner Soldaten das Gesicht eines unbeugsamen Armeeangehörigen, der bei seinen eigenen Vorgesetzten wiederholt in Ungnade fiel.

    Der Film verschreibt sich der Botschaft der Versöhnung, der individuellen Menschlichkeit, die selbst am Ende jenes Krieges hier und dort Großes bewirkte und sich dabei der Truppenhierarchie nicht blindlings unterordnete. Mit ihrer poetisch-gefühlvollen Note wirkt die Geschichte allerdings auch wie ein Fremdkörper im historischen Geschehen jener Tage und es stellt sich die Frage, ob das fiktive persönliche Drama des Jungen der beste Weg gewesen ist, um die zweifelsfrei bemerkenswerte wahre Begebenheit dahinter zu erzählen.

    Fazit: Der gefühlvolle Film nimmt eine wahre Begebenheit aus den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs zum Anlass, das starre Freund-Feind-Schema der geschichtlichen Betrachtung zu durchbrechen.
  • An der idyllischen deutschen Ostseeküste kommt es kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs zum letzten Kampf und zu neuen Allianzen.

    Der Zweite Weltkrieg, nicht mehr der monströse Aufmarsch auf dem Schlachtfeld, sondern als Schicksal für den Einzelnen in der Zivilbevölkerung: Wie schon Chris Kraus’ “Poll” konzentriert sich Achim von Borries (“Was nützt die Liebe in Gedanken”) auf das Individuum im Strom geschichtlicher Ereignisse.

    Vier Tage vor Ende des Zweiten Weltkriegs besetzt ein sowjetischer Hauptmann mit seinem kleinen Spähtrupp ein Kinderheim am Meer, die Männer sind ausgelaugt wie auch die Soldaten der Wehrmacht am Strand, die nicht mehr kämpfen, sondern nur noch nach Dänemark übersetzen und sich den Engländern ergeben wollen. Die “Russen” arrangieren sich mit der Leiterin des Hauses, nur der 13jährige Peter (eine wahre Entdeckung Pawel Wenzel), der sich mit Uniformjacke, Mütze und Gewehr eines toten Wehrmachtssoldaten noch für die verlorene Sache einsetzt, glaubt weiterhin an den Endsieg. Für die Russen ist er nur ein Kind. Genau das will er aber nicht sein.

    Die Figuren sind mit großer Genauigkeit gezeichnet, der Kommandant, der seinen Sohn an der Front verlor und in dem vaterlosen Jungen einen Ersatz sieht, die resolute Heimleiterin, die von der Revolution aus St. Petersburg vertrieben wurde, das schöne Kindermädchen, das Peter “beschützt” und dabei eifersüchtig ihre keimende Schwärmerei für einen musikalischen Funker betrachtet, der kriegsmüde deutsche Oberstleutnant. Wenn es nach der Kapitulation zu einer überraschenden Allianz kommt gegen den wirklichen Feind, verläuft die Grenze nicht mehr zwischen Russen und Deutschen, sondern zwischen Gut und Böse.

    Mag die Fraternisierung auf verschiedenen Ebenen vielleicht in sehr mildem Licht erscheinen, verliert von Borries in diesem bewegenden Drama nie den Fokus aus dem Auge – den Wahnsinn eines jeden Krieges, der Menschen zu Marionetten macht. Wenn der Zuschauer – wie der junge Peter – begreift, dass es im Krieg keine Helden, sondern nur Opfer gibt, ist mehr als eine Schlacht gewonnen. mk.

Darsteller und Crew

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