Enter the Void (2009)

Enter the Void Poster
Nicht mehr im Kino.
Userwertung (3)
  1. Ø 3.7
Kritikerwertung (2)
  1. Ø 3.5

Filmhandlung und Hintergrund

Enter the Void: Extremer Filmtrip über die halluzinatorischen Erlebnisse eines Sterbenden in einer von Albträumen und Chaos bestimmten Halbwelt.

Oscar lebt mit seiner Schwester Linda in Tokio. Er hält sich mit kleinen Drogendeals über Wasser, sie arbeitet als Stripperin in einem Nachtklub. Bei einem Zusammenprall mit der Polizei wird Oscar von einer Kugel getroffen und schwer verletzt. Im Todeskampf erinnert er sich an ein Versprechen an Linda, sie niemals allein zu lassen, und kämpft sich in eine Halbwelt zurück, die sich in zunehmend chaotischeren und albtraumartigen Visionen manifestiert. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft fallen ineinander.

Videos und Bilder

Auf DVD & Blu-ray (2)

Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Mit seinem neusten Werk „Enter the Void“ wird Gaspar Noé erneut dem Ruf sowohl als Enfant Terrible des französischen Kinos als auch als einer der innovativsten Regisseure gerecht. Seine cineastische Reise durch die Gedankenströme des Protagonisten wirkt wie ein unendlicher psychedelischer Drogentrip, der Zeiten, Impressionen und Welten miteinander verknüpft. Da die Kamera stets den Blickwinkel des Protagonisten Oscar einnimmt, bekommt man Darsteller Nathaniel Brown nur in wenigen Einstellungen zu Gesicht, während er in den Spiegel blickt. Dieses Prinzip erinnert an Robert Montgomerys Chandler-Adaption „Die Dame im See“ und an den Prolog des Bogart-Klassikers „Das unbekannte Gesicht“. In der Tat wurde Noé sogar von dem Montgomery-Detektivfilm inspiriert, den er einst angeblich im Drogenrausch sah. Wie ein Rausch zieht gleichfalls das düster-transzendente Drama mit wilden Stroboskop-Einlagen vor den Augen des Betrachters vorbei, aus dem es 162 Minuten lang kein Entrinnen gibt.

    Schon mit seinen ersten Kurzfilmen erwies sich Noé als unberechenbarerer, experimentierfreudiger Filmemacher, der auf Publikumserwartungen keine Rücksicht nahm. Gewisse Elemente wiederholen sich in seinem Werk. Wie in dem längeren Kurzfilm „Carne“ der namenlose Metzger für den Angriff auf seine Tochter einen Unschuldigen verstümmelt, wiederholt sich dieser Akt in Noés zweitem, rückwärts erzähltem Langfilm „Irreversible“ nach einer furchtbaren Vergewaltigung. Wie in der „Carne“-Fortsetzung „I Stand Alone/Seul contre tous/Menschenfeind“ der aus dem Gefängnis entlassene Fleischer dem Zuschauer seine hasserfüllten, verqueren Gedanken in nicht enden wollendem Stakkato um die Ohren (und Augen) schlägt, bevor er mit seiner Tochter schläft, variieren sich in „Enter the Void“ sowohl Inzestmotiv als auch die Form des Stream-of-Consciousness, die Zeit und Empfindung verbindende Gedankenwelt des Protagonisten – hier allerdings ohne innere Erzählstimme.

    „Ohne einen einzigen Schnitt“ verspricht der Verleih, was natürlich so nicht ganz stimmt, aber dank Computertechnik wird man der Szenenübergänge nicht mehr so bewusst wie einst in Hitchcocks „Cocktail für eine Leiche“. Etwa Oscars mittels Schwarzblenden simuliertes Blinzeln konnte für Cuts genutzt werden. Aber es stimmt durchaus, dass Noé im Gegensatz zu den schnellen Gedankensprüngen von „Seul contre tous“ wie in „Irreversible“ schwebende Plansequenzen verwendet, um sowohl die Räume als auch die Befindlichkeit seines Zentrums zu durchmessen. Völlig aus der Sicht des Protagonisten schildert der Prolog dessen Alltag im Drogenrausch, bevor das Schicksal gnadenlos zuschlägt und er im Leichenschauhaus landet. Da Oscar zuvor seiner geliebten Schwester die tibetanische Widergeburt näher brachte und sie ohnehin nie verlassen wollte, gleitet seine Seele weiterhin unruhig durch das dunkle Tokio, das kein Tageslicht zu kennen scheint.

    Im Schnelldurchlauf schlängelt sich der zweite Abschnitt durch Oscars und Lindas Biografie, wobei der blutige Autounfall ihrer Eltern, den die beiden Kinder im Schock überlebten, in immer neuen Varianten während der assoziativen Reise wiederkehrt. Im langen Mittelteil verlässt sein Geist den toten Körper und folgt dem Weg der Schwester, die sich mit einem zwielichtigen Nachtclubbesitzer einließ, seines Freundes Alex auf der Flucht vor der Polizei oder eines Ex-Kumpans, der ihn an die Polizei verriet. Dabei gleitet die Kamera in Lichtquellen sowie absonderlichste Öffnungen wie einen Aschenbecher oder Oscars klaffende Schusswunde, wobei sein Geist in der Lage ist, Verhöre im Polizeirevier oder eine Abtreibung zu beobachten. Im puzzlehaften Finale verbinden sich die verschiedenen Ebenen, und Vergangenheit, Gegenwart und Traumvisionen verschmelzen zu einem halluzinatorischen Bildersturm.

    „Betritt das Nichts“ – der Name eines der Hauptschauplätze, ein in knalligen Neonfarben blinkender Discotempel und Nightclub, gilt auch als Motto der bizarren Nirwanafahrt. Doch am Ende steht ein Neuanfang an der Seite der verehrten Schwester, wobei Oscars Geist schon zuvor mehrfach in den Körper ihrer Liebhaber fuhr. Provokateur Gaspar Noé lässt mit Motiven wie Inzest erneut kein Tabu aus, doch stärker als früher fließen bei seiner Kombination aus Blut, Verbrechen und Sex gelegentlich poetische Momente ein. Wer sich auf die existenzialistische Fahrt einlassen will, erfährt einen durchaus faszinierenden Bilderrausch, teils mit exstatischen Technobeats, teils mit klassischer Orchesterklängen untermalt. Durch die Überlänge wandelt sich der surreale Trip aber bald ins Ermüdende. Gegen Ende hätte man von dem radikalen Bilderreigen, der bei uns leider nur digital und in wenigen Kopien startet, einige Straffungen gewünscht, aber einfache, angenehme Kost war eben nie Gaspar Noés Sache.

    Fazit: Esoterisch-spiritueller Totentanz als (alb-)traumhafte Reise durch Tokios Nachtwelt mit zahlreichen Wiederholungen im Finale.
  • Eine Achterbahnfahrt der Gefühle über den Dächern von Tokio. Gaspar Noé lädt in seinem Mix aus Liebes- und Experimentalfilm zu einem cineastischen Drogentrip.

    Eine andere Karte der Klänge von Tokio, eine bildbestimmte, neongleißende, in Szene gesetzt vom Franzosen Gaspar Noé, dem Provokateur des Arthouse-Kinos. “Enter the Void” heißt es sieben Jahre nach seinem Skandalfilm “Irreversible”. Auf Stars hat der in Argentinien geborene Skandal-Regisseur diesmal verzichtet und auch auf vordergründige Schockmomente. Dennoch ist er sich treu geblieben, beschäftigt er sich doch wieder mit der Gnadenlosigkeit des Schicksals, der Konfrontation des Menschen mit der eigenen Sterblichkeit. Das Jenseits erforscht er mit dem radikal subjektiven Blick seines Helden, die titelgebende “Leere”, nach der auch eine Bar im Film heißt.

    Als Dealer schlägt sich Oscar in der japanischen Metropole durch, seine Schwester Linda arbeitet als Stripperin. Früh haben die beiden ihre Eltern bei einem Autounfall verloren, damals haben sie sich geschworen, einander nie zu verlassen. Da gerät Oscar in eine Razzia, wird auf einer schmuddeligen Toilette erschossen. Er haucht sein Leben aus. Die Seele verlässt seinen Körper – gottgleich schwebt er jetzt über den Dingen und Noé kann so Vergangenheit und Gegenwart spielerisch leicht miteinander in Verbindung bringen. Von oben betrachtet Oscar Tokio nun, dringt in Gedanken ein, darf sogar mit der eigenen Schwester schlafen. “Come inside me” haucht sie ihm ins Ohr und Oscar erlebt seine eigene Wiedergeburt.

    Wie ein überlanger Drogentrip mutet die Arbeit an, ein radikaler Mix aus Experimental- und Liebesfilm. Nachtschwarz, flimmernd, unscharf sind die Bilder, triste Hinterzimmer, Tanzschuppen, Bars, Discos und ein Love Hotel die Schauplätze. Der Zuschauer ist das Alter Ego von Oscar, mit ihm taumelt er durch die Nacht. Die Sonne gibt es kaum zu sehen. Von der Tonspur dröhnen die Bässe, treiben einem förmlich das Blut durch die Adern. Es geht scheinbar um nichts mehr als das bloße Überleben. Linda fürchtet sich vor dem Tod. Ihr Bruder tröstet sie: “Wir werden nie sterben”. “Aber wir sind doch sterblich” antwortet sie. Bleibt die Frage ob das Leben in einer Welt ohne Perspektive überhaupt noch lohnt.

    Radikal auf allen Ebenen ist dieser Film, kompromisslos, visionär, packend. Nur David Lynch schafft ähnliche cineastische (Alb-)Träume – minus die Computeranimationen, die die Surrealität dieses Werks zusätzlich verstärken. Eine 145 Minuten lange Reise durch die Nacht gilt es hier zu durchstehen. Nicht jedermanns Sache. Doch wer sich darauf einlässt, erlebt hier (Gefühls-)Kino von einem anderen Stern – ästhetisch, konzeptionell und inhaltlich. geh.

Darsteller und Crew

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