Der Staat gegen Fritz Bauer (2015)

Der Staat gegen Fritz Bauer Poster
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Filmhandlung und Hintergrund

Der Staat gegen Fritz Bauer: Drama um den hessischen Generalstaatsanwalt Fritz Bauer, der sich in der NS-Verbrechensaufklärung verdient gemacht hat.

Es ist das Jahr 1957. Der Zweite Weltkrieg ist vorbei und auch wenn Deutschland vom Nationalsozialismus erlöst ist, bekommt es die Folgeschäden immer noch zu spüren. Besonders die Korruption des NS-Regimes ist weiterhin allgegenwärtig, und längst sind nicht alle Verbrecher zur Rechenschaft gezogen worden. Während der Großteil der Bevölkerung die Schreckenszeit einfach nur vergessen möchte, ist der Generalstaatsanwalt Fritz Bauer (Burghart Klaußner) darauf erpicht, die Verantwortlichen der NS-Verbrechen vor Gericht zu stellen. Für seinen konsequenten Aufklärungswillen bekannt, wird dem Hessen bald eine Information zugesteckt, die auf den Aufenthaltsort des SS-Obersturmbannführers Adolf Eichmann (Michael Schenk) hinweisen. Dieser soll sich demnach in Südamerika, genauer Argentinien, aufhalten. Gemeinsam mit Staatsanwalt Karl Angermann (Ronald Zehrfeld) begibt sich Bauer auf die Spur. Allerdings gibt es unverhofften Widerstand aus dem eigenen Umfeld. Die Behörden scheinen nicht nur nicht an einem Erfolg Bauers interessiert zu sein, verschwinden doch plötzlich wie von Zauberhand wichtige Dokumente. Sie scheinen Bauers Mission vielmehr bewusst zu sabotieren, was besonders in Person von Oberstaatsanwalt Ulrich Kreidler (Sebastian Blomberg) und BKA-Mitarbeiter Paul Gebhardt (Jörg Schüttauf) offensichtlich wird. Bauer und Angermann wollen sich davon nicht unterkriegen lassen und kämpfen weiter, doch dass der Feind in den eigenen Reihen sitzt und nicht als solcher zu identifizieren ist, macht das Unterfangen zu einem Drahtseilakt, bei dem unsicher ist, wem man trauen kann und wem nicht. Die Initiative Fritz Bauers kann historisch nicht hoch genug eingeschätzt werden, scheint es doch fraglich, ob die Ausschwitzprozesse auch ohne ihn stattgefunden hätten. Folglich entstanden im Laufe der Jahrzehnte verschiedene Preise, Institutionen und Gebäude, die Bauers Namen tragen.

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Kritiken und Bewertungen

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    Kurtztext:

    Als Fritz Bauer in den 1950er Jahren zum hessischen Generalstaatsanwalt berufen wird, setzt er sich große Ziele: Er will nicht nur die Verbrecher der NS-Zeit anklagen, sondern vor allem dafür sorgen, dass Deutschland die Verbrechen anerkennt und sich mit seiner Vergangenheit auseinandersetzt. Jahrelang arbeitet Bauer, zusammen mit einem Team aus Staatsanwälten, daran, die Funktionäre des Dritten Reiches, die ins Ausland geflohen waren, zu verhaften, um ihnen in Deutschland den Prozess zu machen. Vor allem Adolf Eichmann, den ehemaligen SS-Obersturmbannführer, will er zur Verantwortung ziehen. Dafür arbeitet er eng mit dem israelischen Geheimdienst zusammen. Immer stärker wird Bauer beherrscht von diesem Ziel. Und immer stärker zieht sich das Netz von Intrigen um ihn zusammen. Denn die Arbeit, die Fritz Bauer macht, sieht nicht jeder im Deutschland der Nachkriegszeit gern. Es gibt viele, die noch alten Idealen und Ideologien verhaftet sind und Bauer als Unruhestifter und Landesverräter ansehen. Und somit als Staatsfeind. Es hat viele Jahre gedauert, bis die unermesslich wichtige Arbeit Fritz Bauers, der die Auschwitzprozesse in den 1960er Jahren nicht nur leitete, sondern sie überhaupt erst möglich machte, anerkannt und aufgearbeitet wurde. Und noch immer sind die Umstände ungeklärt, die zu seinem Tod im Jahr 1968 führten. In seinem Spielfilm nähert sich Regisseur Lars Kraume der Figur Fritz Bauer an, zeigt private Facetten, ohne spekulativ vorzugehen, und beschreibt sein berufliches Wirken anhand wichtiger historischer Eckpunkte. Im Fokus stehen die Suche nach Eichmann und der stete Kampf gegen die Feinde in der eigenen Behörde, die sich gegen den aufrührerischen und unkorrumpierbaren Geist Bauers stellte. Schier phänomenal ist die darstellerische Leistung Burkhart Klaußners als Fritz Bauer. Mit seiner Sprache, seiner Gestik, seiner Mimik verkörpert er Bauer so gekonnt und glaubhaft, dass man den Schauspieler hinter der historischen Figur vergisst. Auch Götz Schubert als hessischer Ministerpräsident und enger Vertrauter sowie Ronald Zehrfeld als junger Staatsanwalt, der durch seine Zusammenarbeit mit Bauer selbst zur Zielscheibe der Intrigen wird, überzeugen. DER STAAT GEGEN FRITZ BAUER ist eine genau beobachtete und perfekt ausgestattete Studie über Deutschland in der Zeit nach dem Krieg. Und gleichzeitig ein bis zur letzten Minute hochspannender Politthriller über den Kampf eines einzelnen Mannes gegen das Vergessen einer Nation.

    Jurybegründung:

    Lars Kraumes Film bewegt sich zwischen Politthriller und Zeitdokument der deutschen Nachkriegszeit. Die Ereignisse um den Generalstaatsanwalt Fritz Bauer und sein Engagement für die Ergreifung Adolf Eichmanns durch den israelischen Geheimdienst Mossad im Jahre 1960 ist ein gutes Beispiel dafür, dass die Bundesrepublik alles andere als entnazifiziert war. In seinem Bemühen, Naziverbrecher vor Gericht zu stellen, bewegte er sich außerhalb seines Dienstzimmers auf Feindesland, wie er selbst einmal gesagt haben soll. Diese Geschichte erzählt der Film historisch ziemlich genau. Eine wichtige Veränderung besteht in der Einführung einer fiktiven Figur, Staatsanwalt Karl Angermann. Es handelt sich um den einzigen Mann, dem Bauer trauen kann. Um dieses Vertrauen auf einer weiteren Ebene zu motivieren, ist die Figur, wie Fritz Bauer selbst, homosexuell. Damit wird die Vermutung einer tatsächlichen Homosexualität des historischen Fritz Bauer aufgegriffen und ein weiteres Spannungselement etabliert, denn die sexuellen Neigungen dürfen nicht an die Öffentlichkeit dringen. Dem kann indes eine weitere hochinteressante Bedeutung zugewiesen werden. Denn auf einer politischen Interpretationsebene ließe sich diese Zusammenführung der Geheimhaltung einer damals stigmatisierten geschlechtlichen Identität mit der Geheimhaltung der Verfolgung eines Naziverbrechers als Parallelisierung von Judenhass und Homophobie lesen.
    DER STAAT GEGEN FRITZ BAUER ist ein gut inszenierter und spannender sowie solide ausgestatteter Film über ein Kapitel deutscher Geschichte, das bisher kaum erzählt wurde. Am Überzeugendsten sind die darstellerischen Leistungen, allen voran Burghart Klaußner als Fritz Bauer, der viele Elemente des realen Fritz Bauer übernimmt (etwa dessen Sprachgestus) und diese mit eigenen Interpretationen kombiniert, so dass ein sehr dreidimensionaler Charakter in Erscheinung tritt. Auch in den anderen Rollen ist der Film hervorragend besetzt.

    Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)

Kritikerrezensionen

  • Videokritik anzeigen
  • Am Anfang steht eine Original-Aufnahme von Fritz Bauer, der glaubt, junge Menschen in Deutschland seien bereit, die ganze Wahrheit zu erfahren. Die Wahrheit über das dunkelste Kapitel deutscher Geschichte, die Nazi-Zeit und ihren Terror. Aber in den 1950er Jahren wollen die meisten Bundesbürger moderne Küchen und neue Kühlschränke. Da steht der hessische Generalstaatsanwalt allein mit seinem Ziel, die Nazi-Täter vor Gericht zu bringen. In Ministerien, BKA und Justiz versucht man, die einstige braune Brut zu protegieren, in seiner eigenen Behörde werden Intrigen gegen ihn gesponnen, Ermittlungen lasch geführt, verschwinden Akten. Nach einer Fernsehsendung erhält er gar Morddrohungen. Aber Bauer gibt nicht auf, es gelingt ihm sogar, Adolf Eichmann in Argentinien aufzuspüren, durch die Zusammenarbeit mit dem Mossad (gilt als “Landesverrat”) wird der “Buchhalter des Todes” nach Israel entführt und dort zum Tode verurteilt. An Bauers Seite kämpft der engagierte junge Staatsanwalt Karl Angermann.

    Im Gegensatz zu Giulio Ricciarellis “Im Labyrinth des Schweigens” steht bei Lars Kraumes bis zur letzten Sekunden politisch und emotional spannendem Drama, das sich auf die Jagd nach Eichmann fokussiert, nicht der junge Mann im Mittelpunkt, sondern der kompromisslose zornige alte Mann, der den Finger auf die Wunde legt. Bauer wird hier als Humanist geschildert und nicht als Rachegott, er ist eine gebrochene Figur und ein einsamer Held. Es ist auch die Erlösungsgeschichte eines Mannes, der als jüdischer Sozialdemokrat nach dem Exil ins Land der Täter zurück kehrt und erhobenen Hauptes sich nicht noch einmal demütigen lassen will. Nicht nur Personenzeichnungen und Sprachduktus stimmen, auch das Ambiente und die Ausstattung – wie Kettenrauchen, Cognac im Büro, die adrette Vorzimmerdame oder die von Le Corbusier gestaltete berühmte Schwarz-Weiß-Tapete sowie eine Uralt Propeller-Maschine. Der größte Trumpf dieses intensiven Zeitbildes ist die bis in die kleinste Nebenrolle optimale Besetzung. Die Performance – von Burghart Klaußner als typisch deutscher Intellektueller, der als Holocaust-Überlebender seine Bestimmung im Kampf gegen Verdrängen und Vergessen findet, und von Ronald Zehrfeld als junger Staatsanwalt mit Seitenscheitel und einer neuen Körperlichkeit – ist im deutschen Film einzigartig. mk.

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