Das Pferd auf dem Balkon (2012)

Das Pferd auf dem Balkon Poster
Nicht mehr im Kino.
Userwertung (3)
  1. Ø 4.3
Kritikerwertung (1)
  1. Ø 4

Filmhandlung und Hintergrund

Das Pferd auf dem Balkon: Abenteuer um einen zehnjährigen Jungen aus Wien mit Asperger-Syndrom nach Motiven des gleichnamigen Romans von Milo Dor.

Der zehnjährige Mika kann keine Witze erzählen, ist ein Mathegenie und muss stets um 14 Uhr 17 sein Mittagessen bekommen, sonst wird er unausstehlich. Mika leidet am Asperger Syndrom, einer Form des Autismus. Das macht es nicht gerade leicht, Freunde zu finden. Doch als er eines Abends auf dem Balkon gegenüber ein leibhaftiges Pferd erblickt, ändert sich sein Leben radikal. Denn der Hengst namens Bucephalus soll zum Schlachter. Das kann Mika keinesfalls zulassen, und schnell sind ein paar Gleichgesinnte gefunden, die seinen Rettungsplan unterstützen.

Videos und Bilder

Auf DVD & Blu-ray (1)

Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Der österreichische Kinderfilm "Das Pferd auf dem Balkon" ist ein spannendes Abenteuer, das mit schrägem Humor und einer außergewöhnlichen Hauptfigur punktet. Der deutschtürkische Regisseur Hüseyin Tabak ("Kick Off", "Deine Schönheit ist nichts wert..."), der an der Wiener Filmakademie studiert hat, stattet es mit eigenwilligem Charme aus. Damit hebt sich der auf dem gleichnamigen Kinderbuch von Milo Dor basierende Film wohltuend von stromlinienförmigen Produktionen aus Deutschland ab. Er erlaubt sich ein wenig mehr Ecken und Kanten, aber auch eine Vorliebe für das Einfache und Naive und setzt auf Witz statt auf Spezialeffekte.

    Liebenswerter Mittelpunkt der Geschichte ist Mika, der als Ich-Erzähler gleich zu Anfang klarstellt: „Man sagt, ich sei anders." Einmal stellt seine Mutter das Abendessen eine Minute zu spät auf den Tisch, und er bekommt einen Schreianfall. Wenn er das Pferd besucht, stürmt er an Sascha vorbei, als wäre er Luft. Aber Mika muss, nur weil er Autist ist, in diesem Film kein Mitleid erregen. Vielmehr wird seiner Andersartigkeit viel Situationskomik abgewonnen, weil er die Überzeugungen seiner Mitmenschen in Frage stellt. Auch die gewählte Sprache dieses altklugen, unbeirrbaren Burschen ist köstlich. Einmal betet er zu Gott und schließt mit den Worten: „Danke im Voraus." Der junge Darsteller Enzo Gaier leistet wirklich Erstaunliches, er stattet Mika sogar mit ein wenig augenzwinkerndem Humor aus.

    Der Film kann spannend werden wie ein richtiger Krimi, denn die Männer, denen Sascha Geld schuldet, verstehen keinen Spaß. Hier mutet man Kindern auch negative Erlebnisse zu, zum Beispiel schreit Sascha Mika einmal ziemlich rabiat an. Es gibt eine herausragende Casino-Sequenz, in der das Roulettespiel geknackt werden soll: Hier gibt es wegen des jungen Publikums keinerlei Abstriche in der Qualität. Mikas mutige und gewitzte Freundin Dana kann ihn jederzeit begleiten, weil sie sich den ganzen Tag selbst überlassen bleibt. Das wird aber nicht problematisiert, die Familie aus einem anderen Kulturkreis wirkt in der Schlussszene sogar ausgesprochen integer.

    Fazit: Der spannende Kinderfilm "Das Pferd auf dem Balkon" überzeugt mit seinem eigenwilligen Charme, der kernigen, aber unbeschwerten Geschichte und natürlich wirkenden Charakteren.
  • Die Adaption des gleichnamigen Kinderbuchs von Milo Dor vermengt auf wunderbare Weise warmherziges Außenseiter-Drama, skurrile Komödie und witzigen Rififi-Krimi.

    Hüseyin Tabak, in Deutschland geborener Sohn türkischer Gastarbeiter, zeigt bei seiner Adaption des aus den Siebzigerjahren stammenden, gleichnamigen Kinderbuchs von Milo Dor, dass er auf der Wiener Filmakademie einiges gelernt hat. Denn seine filmische Umsetzung von “Das Pferd auf dem Balkon” sprüht nur so von visuellen Einfällen, bietet bis in die Nebenrollen hinein feinste Schauspielkunst und behandelt das Asperger-Syndrom so beiläufig wie einen Schnupfen. Verharmlost wird hier jedoch gar nichts, nur die Dinge beim Namen genannt, vor allem vom Protagonisten selbst, dem zehnjährigen Mika, der es trocken auf den Punkt bringt: “Ich kann sehr schnell wütend werden.” Das erleben wir in diesem Film gottlob selten. Denn Mika hat das Glück, eines Abends auf dem Balkon gegenüber ein leibhaftiges Pferd zu entdecken. Und dieses Tier namens Bucephalus wird dafür sorgen, dass der kleine Junge über sich hinauswachsen, neue wahrhaftige Freunde finden und sich auch ein bisschen selbst entdecken wird.

    Das Schöne an dem Kinderfilm ist, dass es eigentlich gar keiner ist. Man kann aus ihm ein ganz undramatisches Familiendrama über eine schwierige Mutter-Kind-Beziehung herauslesen – Nora Tschirner kämpft hier erfolgreich gegen ihr eindimensionales “Keinohrhasen”-Kindergärtnerinnen-Image an. Gleichzeitig ist Tabaks Werk aber auch beschwingte Komödie mit wunderbar absurden Szenarien (wie etwa einer Chaplin-Hommage, in der ein Schuh verspeist wird), die sich mit klassischen Slapstick-Nummern abwechseln. Und schließlich verbirgt sich dahinter noch ein augenzwinkernder Rififi-Krimi mit einem kuriosen Casino-Coup, der Soderberghs Gauner aus “Ocean’s Eleven” wie Amateure aussehen lässt. Relevant ist das alles nicht, was wir da zu sehen bekommen, aber äußerst unterhaltsam. Und trotzdem hat man am Ende – ganz ohne erhobenen Zeigefinger – sehr viel gelernt, über Freundschaft (nicht nur die zwischen Mensch und Tier) und Vertrauen, über Ehrlichkeit und den Mut, auch mal einen Fehler zuzugeben, und über das Asperger Syndrom, bei dem Pünktlichkeit und mathematisches Geschick, Humorlosigkeit und Ehrlichkeit irgendwie zusammen gehören. lasso.

Darsteller und Crew

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