Das Leben der Anderen (2005)

Das Leben der Anderen Poster
Nicht mehr im Kino.
Userwertung (5)
  1. Ø 3.2
Kritikerwertung (1)
  1. Ø 5

Filmhandlung und Hintergrund

Das Leben der Anderen: Ein menschliches Drama mit politischem Hintergrund aus jüngster Deutscher Geschichte: Bewegend und brisant.

Im Osten des geteilten Berlins wird der Stasi-Hauptmann Gerd Wiesler (Ulrich Mühe) damit beauftragt, den Theaterschriftsteller Georg Dreyman zu überwachen (Sebastian Koch). Wiesler und sein Team verwanzen daraufhin die Wohnung des Künstlers, errichten auf dem Dachboden eine Abhörstation und beginnen damit, die Aktivitäten von Dreyman aufzuzeichnen. Der gefeierte Schriftsteller gibt sich nach außen hin betont sozialistisch, was der Stasi-Hauptmann gerade verdächtig findet. Bald findet der Staatsdiener jedoch den wahren Grund für seinen Auftrag heraus: Der Kulturminister Bruno Hempf (Thomas Thieme) hat sich in Dreymans Freundin, die Schauspielerin Christa-Maria Sieland (Martina Gedecke), verliebt und möchte seinen Konkurrenten aus dem Weg räumen. Sein Vorgesetzter preist ihm dies als Chance zu einer Beförderung an, doch der Idealist Wiesler ist empört und beginnt, die Operation zu sabotieren. So lässt er unter anderem Dreyman die Information zukommen, dass Hempf sich mit Sieland trifft und ermutigt sie wiederum, bei ihrem Freund zu bleiben. Bei Dreyman kommt es anschließend zu einem Gesinnungswandel, nachdem sich ein befreundeter Regisseur umgebracht hat und er schreibt für die Zeitschrift „Der Spiegel“ einen Artikel über den kaltherzigen Umgang des SED-Regimes mit Selbstmördern. Wiesler hat inzwischen durch die Überwachung Einsicht in die liberale Haltung der kulturell anspruchsvollen Theaterwelt und entwickelt Achtung für den Schriftsteller. Als er jedoch herausfindet, dass Dreyman den DDR-kritischen Bericht geschrieben hat, muss er sich zwischen seiner Pflicht und seinen Gefühlen entscheiden.

„Das Leben der Anderen“ ist ein deutsches, historisches Drama, bei dem Florian Henkel von Donnersmarck Drehbuch und Regie übernahm. Das Werk gewann internationales Ansehen und wurde mit einem Oscar als Bester fremdsprachiger Film ausgezeichnet.

Videos und Bilder

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Manchmal schrammt Florian Henckel von Donnersmarck ganz knapp am Klischee vorbei: wenn Ulrich Mühe mit Notizblock in einem dunklen Hauseingang steht, um sein Zielobjekt zu überwachen, oder wenn die Stasi, in langen, einheitlich grauen Mänteln gewandet, sich mit brachialer Gewalt Einlass verschafft in eine Wohnung.

    Aber dann: Der Film schafft es immer, das Ausgelutschte zu vermeiden, er verweigert sich der Abstempelung seiner Figuren als klar definierte, einfache Charaktere genauso wie einer Abstempelung der DDR als absoluten, verabscheuungswürdigen Überwachungsstaat oder, andersherum, als Material für die nostalgische Komödie um den kultigen Osten. Das differenzierte Bild, das der Regisseur von einem Staat und seinen Bürgern zeichnet, lässt vielmehr „Das Leben der anderen“ zu einem der reichsten Filme werden, die in letzter Zeit entstanden sind, nicht nur aus deutscher Produktion.

    Große Wahrhaftigkeit strahlt der Film aus, vielleicht nicht dem genauen historischen Detail nach, dafür dem Geist, der in einer großflächig überwachten DDR herrschte. Und gleichzeitig gelingt Henckel von Donnersmarck die Umsetzung seiner Geschichte ins Filmische, nicht als Lehrstück, nicht als bloße Emotionsmaschinerie, nicht als hohles Bebildern längst vergangener Historie, sondern in zwingende, aber nicht gezwungene Dramaturgie, in starke Bilder und starkes Schauspiel. Die erste Garde der deutschen Schauspielerriege: Ulrich Mühe, Sebastian Koch, Ulrich Tukur und Martina Gedeck, schafft es, ihren Figuren auf ganz subtile Weise die geheimsten Facetten des Charakters zu entlocken, ohne durch Überstrapazierung an Glaubwürdigkeit zu verlieren.

    Dem Regisseur und seinen Darstellern gelingt es, eine ganze Weile im ersten Drittel des Films ein einfaches Nichts darzustellen, ohne dass es je langweilig würde: Autor Dreymann und seine Freundin, die Schauspielerin Sieland, leben ihr unauffälliges Leben, und Stasioffizier Wiesler belauscht sie dabei. Nichts passiert äußerlich – doch durch das Zusammenspiel der Charaktere und ihrer Geschichten entwickelt sich ein Drama, das die Spannung eines Thrillers enthält.

    Der Lauscher an der Wand verändert sich, wenn er das Leben der anderen ausspioniert – aber gegen den Strich gebürstet geht diese Veränderung im Denken und Handeln nicht mit einem einfachen Wandel zum moralisch Guten einher, sondern sie beruht, zunächst zumindest, vor allem darauf, dass Wiesler sich hauptsächlich der Reinheit des Sozialismus verpflichtet fühlt. Nun, in einem Staat, der kaltes Karrieredenken fördert, in dem Denunziation anderer die eigene Machtfülle steigert, in dem hohe Parteimitglieder unangreifbar werden, wenn sie ihre Macht gebrauchen, ist Wiesler zu einem Mittel, zu einem Werkzeug in einem Privatspiel des Ministers geworden. Die von Wiesler als richtig erkannten Mittel, die die sozialistische Republik schützen sollen, werden zweckentfremdet – und Wiesler handelt, indem er nicht handelt, indem er sein Observierungsobjekt deckt. Eine hochkomplexe Frage wirft der Film hier auf, ohne sie direkt zu thematisieren: Ist Wiesler ein „guter“ Mensch, wenn das „Gute“, das er bewirkt, aus seiner eigenen, puristischen Anhängerschaft am Unrecht erwächst? Indem er wider seine Befehle handelt, unterstützt er – unter persönlichem Opfer – den Geist dessen, was aus heutiger Perspektive als richtig angesehen wird – doch der Beweggrund liegt in der ergebenen Anhängerschaft ans „Falsche“.

    Auf der anderen Seite: Wie weit soll, darf Dreymann gehen in der Anpassung an einen „bösen“ Staat? Er, der Stücke schreibt, die ideologiekonform sind und – darauf ist die Führungsriege der Partei stolz – dabei der einzige DDR-Autor ist, der auch im Westen gelesen wird: Hat seine Freundin recht, wenn sie ihm vorwirft, genauso mit denen da oben im Bett zu liegen wie sie, wenn sie jeden Donnerstag dem Minister zu Willen ist? Auf präzise und unaufdringliche Weise stellt der Film die Ergebenheit an die Macht mit Prostitution gleich: ein weiterer Punkt, an dem der Film die Gegebenheiten der DDR zu einer Parabel allgemeinen menschlichen Verhaltens erweitert. Wie das Wechselverhältnis zwischen den Mächtigen und den Machtlosen sich verändert, wenn ein Rädchen des Systems sich plötzlich weigert, Machtmissbrauch zu unterstützen: auch darum geht es, und es ist dies beileibe kein auf die DDR beschränktes Phänomen.

    Einmal sitzen Wiesler und sein Vorgesetzter Grubitz in der Kantine des Ministeriums für Staatssicherheit und hören mit, wie ein niederer Dienstgrad einen Witz über Honecker erzählt. Während Wiesler, der Sozialismusgläubige, starre Empörung ausstrahlt, lacht Grubitz jovial mit, droht dann dem Witzbold in plötzlichem Umschwung mit Degradierung, lacht dann wieder über dessen betroffenes Gesicht, war ja nur ein Witz seinerseits, allgemeine Erleichterung – am Ende des Films sehen wir, dass der Witzerzähler sich doch nie von seinem Scherz wiederholt hat, er muss im Keller der Stasi die eintönige Arbeit des Briefeaufdampfens verrichten. Der Vorgesetzte unterscheidet sich hier kaum von einem kapitalistischen Karrieristen wie die TV-Figur Stromberg – nur dass alles gar nicht zum Lachen ist.

    Fazit: Spannender, komplexer, inszenatorisch und darstellerisch herausragender Film über Macht und Mitläufer und das richtige und falsche Leben, nicht nur in der DDR.
  • Ein menschliches Drama mit politischem Hintergrund aus jüngster Deutscher Geschichte: Bewegend und brisant.

    Nicht kuschelige DDR-Wärme, sondern harte DDR-Realität steht im Mittelpunkt dieses Dramas um Macht und Ohnmacht des Individuums im totalitären Staat. 1984, fünf Jahre vor seinem Ende, steht vor allem die Künstlerszene und ihr lebenslustiges Völkchen in Ost-Berlin unter Beobachtung der Stasi. Ein ganz scharfer Hund ist Stasi-Hauptmann Gerd Wiesler, der bei Verhören kein Druckmittel auslässt und sogar an der Stasi-Hochschule als unmenschlich verschrien ist. Als er auf den Theater-Regisseur Georg Dreyman angesetzt wird, dessen schöne Lebensgefährtin und Schauspielerin beim Kulturminister Hormonalarm auslöst, scheint das einer dieser üblichen Jobs zu sein – Wohnung verwanzen, Nachbarn einschüchtern, observieren, einen dunklen Punkt finden. Doch das übliche Spiel entgleitet dem sonst so gefühlsmäßig imprägnierten unscheinbaren Mann. Die fremde Welt der Kunst und Literatur, freies Denken und Reden, Liebe und Leidenschaft fasziniert ihn, immer mehr dringt er in “Das Leben der Anderen” ein, schreibt nach Lustschreien akribisch ins Protokoll “vermutlich Geschlechtsverkehr”. Irgendwann macht der sonst so trockene Technokrat nicht mehr mit, schützt die ahnungslosen Opfer, die er zu “Staatsfeinden” stempeln sollte – lässt sogar Beweisstücke wie eine Schreibmaschine, auf der Dreyman einen Artikel über die Selbstmordrate in der DDR für den SPIEGEL geschrieben hat, verschwinden. Florian Henckel von Donnersmarcks sauber recherchierter Blick in Grenzbereiche der Seele verzichtet auf sacharinsüße Ostalgie mit falschen Tönen, trifft immer den richtigen Ton. Er entlarvt die Mechanismen eines monströsen Überwachungssystems mit der Zerstörung jeglicher Individualität, demaskiert die Verantwortlichen, die im Dunstkreis von Ideologie ihre persönlichen Ziele verfolgen, zeichnet Brüche in den Biografien, seismografische Erschütterungen im Räderwerk der Macht. Der Film wirft Fragen auf, die weit über die sozialistische Ideologie hinausgehen, übertragbar sind auf jede Form des Fundamentalismus, sei es in Religion oder Politik. Ausstattung, Visualität, Stilisierung, Ensemble – besser geht’s nicht. Mir Martina Gedeck als psychisch zerbrechliches Objekt der Begierde, Sebastian Koch als visionärer Theatermann, Ulrich Tukur als widerlicher Karrierist. Wenn “Observateur” Ulrich Mühe, eingezwängt im engen Wams, ohne große Gesten oder Worte seinem Selbstzweifel Ausdruck verleiht und sukzessive seine eiskalte Präzision verliert, ist das größte und subtile Schauspielkunst. mk.

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