Comedian Harmonists (1997)

Comedian Harmonists Poster
Nicht mehr im Kino.
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Filmhandlung und Hintergrund

Comedian Harmonists: Hommage an die dreißiger Jahre A-Capella-Formation. Success-Story und feinfühliges Zeitporträt.

Berlin 1927: Die amerikanische A-Capella-Formation “Revellers” im Kopf sucht sich der arme Arrangeur und Statist Harry seine Vokalartisten. Fündig wird er bei Bass-Biberti und seinen Freunden. Auch wenn ihr erster Auftritt vor einem Agenten ein Reinfall wird, geben sie nicht auf. Ihr Höhenflug führt sie sogar nach Amerika. Zu Hause in Nazideutschland erwartet das halb jüdische Ensemble keine Lorbeeren…

Fasziniert von der amerikanischen A-Capella-Formation The Revellers beschließt der 20jährige Schauspielschüler Harry Frommermann 1927 auch in Berlin ein ähnliches Ensemble auf die Beine zu stellen. Dank einer Zeitungsannonce hat er schon bald ein schlagkräftiges Sextett zusammengestellt, das mit seinen flotten Liedern und frechen Texten schnell zu einem Begriff in ganz Deutschland wird. Ihr großer Erfolg macht die jüdischen Mitglieder der Gruppe allerdings blind für die Gefahr, die vom Nationalsozialismus ausgeht…

Musiker Harry hat im Berlin des Jahres 1927 die Idee, mit einer A-capella-Formation die Massen zu begeistern. Doch nicht nur die Agenten sind skeptisch, auch seine Mitsänger sind von den Erfolgsaussichten der Gesangsgruppe nicht vollkommen überzeugt. Doch dann wendet sich das Blatt. Die “Comedian Harmonists” gehen in die Geschichte ein. Starbesetzte Hommage von Josef Vilsmaier.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Das ist bisher Vilsmaiers bester Film. Er setzt einer renommierten Gesangstruppe ein eindrucksvolles Denkmal und verbindet das mit einem Zeitkolorit aus den Anfängen der Naziherrschaft. Und das tut er durch eine detaillierte und historisch durchaus fundierte Darstellung der Einzelschicksale. Ende der 20er Jahre ist es eine lebenswichtige Frage, ob man Jude ist oder nicht. Dennoch ist die erste Hälfte ein reiner Wohlfühlfilm. Hier wird die musikalische Entwicklung des Quintetts aufgezeigt, als der Blues noch die Szene beherrschte, die nicht nationalistisch gesinnt war. Allein ihr Name war für diese Kreise eine Provokation. Auch der Hinweis auf die Schizophrenie der Mächtigen ist gelungen. Das zeigen Rolf Hoppe als Julius Streicher und Parteigenosse Jürgen Schornagel, der trotz Berufsverbot ein Autogramm will. Wir sehen eine sensible Hinführung zur Naziproblematik: Hitlerrede, Pogrom, öffentliche Schreihälse, Polizei schaut weg!
    Aber auch die menschlichen Auseinandersetzungen innerhalb der Gruppe sind dramatisch. Hier steht Erna (Meret Becker) zwischen Robert (Ben Becker) und Harry (Ulrich Noethen). Und drei jüdische stehen drei nicht-jüdischen Landleuten gegenüber. Auch das Drehbuch hat ein Lob verdient. Da wird eine Melodie durch eine ‘Synkope‘ verändert und es wird erklärt, was es bedeutet, wenn ‘der Spargel wächst‘ oder der ‘Kaktus sticht‘. Die Musik ist extrabreit angelegt. Ein Genuss! Die Songs sind inhaltlich gut eingepasst. Beim letzten Auftritt kann man sogar zum Taschentuch greifen. Bei der langen finalen Stille vor den stürmischen Standing Ovations zittert die Luft. Hier zieht noch einmal vor dem geistigen Auge des Zuschauers die ganze tragische Dramatik erneut vorbei. Ganz großes Kino!
  • Wo “Comedian Harmonists” draufsteht, sind auch komödiantische Harmonien drin. Mit Spannung erwartet, ist Joseph Vilsmaiers Verbeugung vor dem berühmten Vokalsextett aus den dreißiger Jahren ein handwerklich wie immer makelloser, wunderschön altmodischer Film geworden, der eine fröhlich-überbordende Aufsteiger-Geschichte mit feinfühligem Zeitporträt verbindet und vor allem in der zweiten Hälfte auch melodramatische Züge annimmt.

    Schuhe werden auf Hochglanz poliert, Frisuren und Schnurrbärte in Form gezwirbelt, als die noch nicht glorreichen Sechs sich während der Anfangstitel auf ihren ersten Auftritt vorbereiten. Mit einer Rückblende setzt die Handlung dann ein: wie in Carl Spitzwegs “Armer Poet” haust Arrangeur Harry Frommermann (Ulrich Noethen meistert seine erste bedeutende Kinorolle mit Bravour) in einer Dachwohnung, in der auch die Talentsuche stattfindet. Dort stellt sich der Statist Robert Biberti (Ben Becker als großspurig-sympathischer “Manager”) in seinem Mönchskostüm vor und läßt seinen Bass im Brustton erklingen. Die restlichen vier bringt Biberti schnell ins (Sing-)Spiel: der sich vor schmachtenden Frauen als trällernder Kellner verdingende Bulgare Ari Leschnikoff (Max Tidof aus “Abgeschminkt” fröhlich überdreht) begrüßt alle mit schmatzendem Mundkuß. Den verschlafenen Klimperer Erwin Bootz (Kai Wiesinger sehr zurückgenommen als moralisch schwaches Glied der Truppe) holen sie aus dem Bett seiner Freundin. Der Dandy mit Monokel, Erich Collin (vom Außerirdischen Heinrich “Harald” Schafmeister ein wenig blaß dargestellt) und der hyperkorrekte, immer freundliche Roman Cycowski (Heino Ferch konträr zu seiner Rolle in “Winterschläfer”) komplettieren das Sextett, das sich mit “Veronika, der Lenz ist da” fröhlich ans Proben macht und Vilsmaier in den zahlreichen Playback-Musikszenen ausreichend Gelegenheit für Referenzen an den deutschen Revuefilm der fünfziger Jahre gibt. Das ist auch der Startschuß für eine vielversprechende Karriere, die im klassischen Zeitraffer in überblendeten Zeitungsschlagzeilen, Plattencovern und Pressefotos anrollt – inklusive obligatorischer Fahrt nach Amerika. Diese hätte auch fast die Freiheit für das Sextett bedeutet, das in seiner Heimat trotz aller Popularität mehr und mehr Schwierigkeiten mit den Nazis bekommt. Eine beim Musikdirektor erwirkte Gnadenfrist für das zur Hälfte jüdische Sextett ist nicht von Dauer. In München gibt die A-capella-Formation in der anrührendsten Szene des Films mit Tränen in den Augen ihr Abschiedskonzert.

    Der gelernte Musiker Joseph Vilsmaier versuchte mit seinem jahrelang gehegten und gepflegten Projekt um die legendären Vokalartisten, sechs Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Klar, daß im Rahmen eines zweistündigen Films nicht alle Figuren gleich komplex ausgearbeitet sein können. Also konzentriert sich Vilsmaier auf das Freundes-Rivalen-Duo Harry und Berti und deren gemeinsame Geliebte Erna (von Ben Beckers Schwester Meret natürlich-frisch gespielt), während die erotischen Eskapaden der anderen Figuren zum Teil nur angerissen werden. Bei der authentischen Atmosphäre und dem großzügigen Produktionsdesign der frühen Dreißiger konnte sich Vilsmaier voll und ganz auf den Oscar-Preisträger Rolf Zehetbauer (“Cabaret”) verlassen, der bereits “Schlafes Bruder” ausstattete. Der ehrgeizige Regisseur, Kameramann und Produzent in Personalunion lieferte mit seiner Hommage ein Stück Kino, das alles hat: Witz, Dramatik, Glamour und Historie, auch wenn bei der schieren Masse des Materials das eine oder andere dramatische Detail untergehen muß. Eine Oscar-Nominierung mag “Comedian Harmonists” durch die Lappen gegangen sein, die Aufmerksamkeit des deutschen Publikums ist ihm indes sicher. hai.

Darsteller und Crew

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