Landgericht - Geschichte einer Familie

  1. Ø 5
   2017
Landgericht - Geschichte einer Familie Poster

Handlung und Hintergrund

Landgericht - Geschichte einer Familie: Zweiteilige TV-Verfilmung des gleichnamigen Romans von Ursula Krechel.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Das historische Drama erzählt vom Trennungstrauma einer jüdisch-christlichen Familie und der Rückkehr ins Nachkriegsdeutschland.

    In seinem 1947 uraufgeführten Drama „Draußen vor der Tür“ erzählt Wolfgang Borchert von einem Kriegsheimkehrer, dem es nicht gelingt, sich wieder in die Gesellschaft einzugliedern. Ursula Krechels Roman „Landgericht“ handelt von einer ähnlichen Geschichte, wenn auch unter ganz anderen Vorzeichen. Heide Schwochow (Buch) und Mathias Glasner (Regie) beleuchten mit ihrer Adaption ein Kapitel der deutschen Nachkriegshistorie, das zumindest im Fernsehfilm bislang nur selten thematisiert worden ist: die Rückkehr der ins Exil geflüchteten Juden. Die Handlung beginnt im Dezember 1938: Das jüdisch-christliche Ehepaar Richard und Claire Kornitzer (Ronald Zehrfeld, Johanna Wokalek) hat sich entschlossen, seine Kinder nach England zu schicken. Die Abschiedsszene am Bahnhof ist herzzerreißend; es werden noch viele weitere folgen. Richard ist bereits 1933 seines Richteramts enthoben worden. Kurz vor Kriegsbeginn ergattert er ein Visum nach Kuba. Schweren Herzens lässt er Claire zurück, die fortan von den Faschisten schikaniert wird, und auch die Kinder fristen bei ihrer Gastfamilie zunächst kein schönes Dasein. Einzig Richard hat kaum Grund zur Klage: Er verliebt sich in eine kubanische Lehrerin, die beiden bekommen eine Tochter. Nach Kriegsende kehrt er heim, wird Richter am Mainzer Landgericht und sieht sich von Männern umgeben, die ihr Fähnchen flugs nach dem neuen Wind gerichtet haben. Überzeugt, dass er ein Recht auf Gerechtigkeit habe, verbeißt er sich in einen Wiedergutmachungsprozess, was der Ehe nicht gut tut, aber die einstige Innigkeit ist ohnehin dahin. Auch die familiäre Wiedervereinigung scheitert: Die Kinder wollen nicht mehr nach Deutschland zurück.

    Gerade der zweite Teil ist voller Verbitterungen, weil sich die Hoffnungen, an die sich Richard und Claire so viele Jahre lang geklammert haben, nun endgültig zerschlagen. Einige Szenen wären dennoch verzichtbar gewesen, aber schon allein Ronald Zehrfeld ist es wert, sich diesen überlangen Zweiteiler anzuschauen: Weder die Nazis noch das Exil konnten den stolzen Mann brechen; das schafft erst sein vergeblicher Kampf gegen die Windmühlen der Nachkriegsjustiz. Zehrfeld, äußerlich ein Kraftpaket, spielt auch diese Momente ganz vorzüglich. Ähnlich herausragend ist die Bildgestaltung durch Jakub Bejnarowicz; einige Aufnahmen verströmen exakt die Melancholie und Einsamkeit der Gemälde von Edward Hopper. Für den Justizapparat haben Glasner und Bejnarowicz ein besonders bemerkenswertes Bild gefunden: Als Richard nach Mainz kommt, scheint das Landgerichtsgebäude unversehrt; erst als die Kamera hochfährt, sieht man, dass die oberen Stockwerke zerstört sind. Die Musik von Lorenz Dangel ist der Größe dieses Werks ebenfalls angemessen. Dessen Qualität zeigt sich nicht zuletzt in den Leerstellen: Der Film verzichtet völlig auf den für Produktionen dieser Art eigentlich unvermeidlichen NS-Bombast. Das mag eine Frage des Budgets gewesen sein, aber die entsprechenden Aufnahmen sind ohnehin in allen Köpfen präsent. Dazu passt die Rolle des jüdischen Geschäftsmanns Roth, in der Christian Berkel bis zur Unkenntlichkeit verschwindet. Was dem Mann und seinem Laden angetan worden ist, zeigt Glasner nicht, dafür aber Roths Gesicht, das innerhalb eines Zeitsprungs von wenigen Jahren um zwei Jahrzehnte gealtert ist. Immerhin beenden Schwochow und Glasner die Geschichte versöhnlich: Nach all den Abschieden gibt es zum Schluss ein Wiedersehen. Davon abgesehen ist „Landgericht“ nicht zuletzt dank der Themen Flucht und Vertreibung von erstaunlicher Aktualität.

    Fazit: Mit über 200 Minuten ist Glasners Film zwar zu lang, aber dank der vorzüglichen Darsteller, der bemerkenswerten Bildgestaltung und des selten beleuchteten Themas gleichwohl sehenswert. tpg.

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