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Zweiteiliger TV-Thriller mit Tobias Moretti als Wiener Polizist im Kampf gegen einen Serienmörder.

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Kritikerrezensionen

  • Das jüngste Gericht: Zweiteiliger TV-Thriller mit Tobias Moretti als Wiener Polizist im Kampf gegen einen Serienmörder.

    Nach dem „Papst-Attentat“ vertraut RTL erneut auf das Genre Thriller. Schon lange war ein TV-Krimi nicht mehr derart düster und grausam. Gerade in ästhetischer Hinsicht setzt der Film Maßstäbe.

    Das Grundmuster und die Bestialität der Verbrechen erinnern an David Finchers verstörendes Werk „Sieben“, doch es gibt einen entscheidenden Unterschied: Die Bildgestaltung von Martin Kukula orientiert sich am Konzept des Comic-Romans. Speziell der Einfluss der „gothic novel“ ist unübersehbar, zumal die Skizzen des renommierten österreichischen Zeichners Chris Scheuer immer wieder in die Bildfolgen integriert werden. Die Idee hatte Drehbuchautor Don Bohlinger, dem der Film auf diese Weise einen ganz eigenen Stil zu verdanken hat.

    Die entsprechende Düsternis passt perfekt zu einer Geschichte, wie es sie als Fernsehfilm nur selten gegeben hat: Wien wird von einer mysteriösen Mordserie heimgesucht. Die vermeintlichen Ritualtaten sind in Wirklichkeit Bestrafungen: Ein offenbar geistesgestörter christlicher Fundamentalist fordert auf diese Weise Buße für den Verstoß gegen eines der Zehn Gebote. Als Kriminalkommissar Thomas Dorn (Tobias Moretti) das Motiv durchschaut, ist es schon zu spät: Längst hat die Vergeltungswut des Killers auch die Ermittler erreicht.

    Neben einem komplexen Drehbuch, der optischen Gestaltung und der jederzeit fesselnden Inszenierung durch Urs Egger sind die drei Hauptfiguren und ihre Darsteller das größte Kapital dieses Zweiteilers. Im Zentrum der Handlung steht Dorn, ein Getriebener, dessen Privatleben ein Scherbenhaufen ist und der dem Recht gern auch mal mit illegalen Methoden zur Geltung verhilft. Während Moretti der Action-Star ist, der in Verfolgungsjagden und Prügeleien vor allem physisch gefordert wird, gestaltet Christoph Waltz seine Figur konsequent als Gegenentwurf: Toni Peters, wie Dorn Kriminalkommissar, ist ein streberhafter, überkorrekter Typ, der unbedingt Polizeichef werden will. Kein Wunder, dass die Dritte im Bunde, eine junge Kriminologin (Silke Bodenbender), zwar zunächst mit Peters das Bett teilt, später aber auch dem temperamentvollen Dorn nicht abgeneigt ist.

    Schon allein dieses Trio macht „Das jüngste Gericht“ zu einem herausragenden Film, zumal die Ermittler mitunter mehr gegen- als miteinander arbeiten. Imposant ist aber die Kongenialität aller Bereiche. Großen Anteil an der verstörenden Wirkung haben auch Sounddesign (Thomas Szabolcs) und Musik (Ina Siefert, Nellis du Biel) sowie die Ausstattung (Florian Reichmann). Letztlich aber machen Eggers rasante Inszenierung und vor allem Bohlingers facettenreiche Vorlage die herausragende Qualität dieses Thrillers aus, der mitunter wirkt, als habe ein Autor seine sinistren Fantasien ausgelebt. tpg.

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