Filmhandlung und Hintergrund

Eine Frau, die sich in einer von Männern dominierten Welt durchsetzt, und das zudem in einer Zeit des Aufbruchs: erstaunlich, dass die Geschichte von Anna Burda, genannt Aenne, nicht schon längst verfilmt worden ist. Als wär’s eine Erfindung des Drehbuchs, war der erste Schritt zu ihrem Aufstieg im Jahr 1949 ausgerechnet ein Fehltritt ihres Mannes: Als sie erfährt, dass der Gatte (Fritz Karl) nicht bloß eine Zweitfrau...

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  • Eine Frau, die sich in einer von Männern dominierten Welt durchsetzt, und das zudem in einer Zeit des Aufbruchs: erstaunlich, dass die Geschichte von Anna Burda, genannt Aenne, nicht schon längst verfilmt worden ist.

    Als wär’s eine Erfindung des Drehbuchs, war der erste Schritt zu ihrem Aufstieg im Jahr 1949 ausgerechnet ein Fehltritt ihres Mannes: Als sie erfährt, dass der Gatte (Fritz Karl) nicht bloß eine Zweitfrau hat, sondern der Dame auch eine eigene Modezeitschrift finanziert, ist Anna (Katharina Wackernagel) zutiefst empört, denn das Konzept war ihre Idee. Also droht sie Franz Burda mit der Scheidung und zwingt ihn, ihr den Verlag zu überschreiben, nicht ahnend, dass sie auf diese Weise auch Schulden in Höhe von 200.000 Mark übernimmt; 1949 eine ungeheure Summe.

    Das ist ein dankbarer Spielfilmstoff, keine Frage, aber dennoch wirkt der aufwändige Zweiteiler, als habe die Handlung nicht für 180 Minuten gereicht. Würde man „Aenne Burda“ um all‘ jene Szenen kürzen, die nichts zur Geschichte beitragen, wäre das Ergebnis vermutlich ein spannender zweistündiger Fernsehfilm. Zu den überflüssigen Szenen gehören zum Beispiel die ständigen Autofahrten, die Anna Burda gerade im ersten Teil unternimmt, auch wenn es Wackernagel sicher Spaß gemacht hat, in dem extravaganten schwarzroten Käfer-Cabrio aus der Hebmüller-Serie unterwegs zu sein; vorausgesetzt, sie ist überhaupt selbst gefahren. Inhaltlich stimmig, aber in der Umsetzung (Regie: Francis Meletzky) nicht überzeugend ist auch ein Gespräch zwischen Burdas Faustballkumpanen, die sich darüber wundern, dass ihr Mitspieler seiner Frau derartige Alleingänge erlaubt. Deutlich unsympathischer sind allerdings die Ehefrauen, die sich über Aenne das Maul zerreißen. Beide Szenen verdeutlichen natürlich den Geist einer Zeit, in der sich der Status eines Mannes auch darin zeigte, dass die Gattin nicht arbeiten musste; ohne seine Erlaubnis durften Frauen nicht mal ein eigenes Konto eröffnen.

    Ungleich gelungener sind trotzdem jene Momente, die Aenne Burda als unabhängige „Selfmade“-Frau feiern, weil sie sich von Rückschlägen nicht unterkriegen lässt und ihren Schmuck versetzt, um ihre Angestellten bezahlen zu können (Buch: Regine Bielefeldt). Nicht weniger bewundernswert ist ihre unerschütterliche Überzeugung, dass sich ihre Zeitgenossinnen nach Sinnlichkeit und Eleganz sehnen. Katharina Wackernagel ist eine treffende Besetzung für die Verlegerin, vermittelt aber zu oft das Gefühl, die Rolle nicht verinnerlicht, sondern wie ein Kostüm übergestreift zu haben; viele Dialoge klingen deklamiert. Sehenswert ist allerdings die oftmals opulent wirkende Bildgestaltung (Kamera: Bella Halben). Das dank der diversen Modenschauen überaus vielfältige Kostümbild (Katharina Ost) und die Ausstattung (Knut Loewe) sind ebenfalls sehr eindrucksvoll, selbst wenn Meletzky die entsprechende Sorgfalt mitunter allzu gebührend würdigt.

    Trotzdem bleibt als Manko, dass neben dem Tempo auch ein gewisser Biss fehlt. Natürlich ist „Aenne Burda“ weder ein Krimi wie Meletzkys ausgezeichneter Doppel-„Tatort“ über Zwangsprostitution („Wegwerfmächen“/“Das goldene Band“, NDR 2012) noch ein Drama wie „Nur eine Handvoll Leben“ (2016) über eine Mutter, deren Kind einen schweren Gen-Defekt hat. Dennoch wirkt „Aenne Burda“ gerade im ersten Teil über weite Strecken wie einer jener öffentlich-rechtlichen Themenfilme, in denen Beiläufigkeit verpönt zu sein scheint. Teil zwei ist deutlich dichter erzählt und entsprechend kurzweiliger. tpg.

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