Zielfahnder: Flucht in die Karpaten

  

Filmhandlung und Hintergrund

Dominik Grafs Auftakt zu einer möglichen neuen ARD-Krimireihe fängt stark an, lässt aber in der zweiten Hälfte nach. Seit knapp dreißig Jahren gilt Dominik Graf als bester deutscher Thriller-Regisseur. Gerade seine Polizeifilme sind dank verschiedener Charakteristika unverwechselbar. Das gilt zunächst auch für „Zielfahnder: Flucht in die Karpaten“. Der Auftakt einer potenziellen neuen ARD-Reihe basiert wie Grafs...

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Kritikerrezensionen

  • Dominik Grafs Auftakt zu einer möglichen neuen ARD-Krimireihe fängt stark an, lässt aber in der zweiten Hälfte nach.

    Seit knapp dreißig Jahren gilt Dominik Graf als bester deutscher Thriller-Regisseur. Gerade seine Polizeifilme sind dank verschiedener Charakteristika unverwechselbar. Das gilt zunächst auch für „Zielfahnder: Flucht in die Karpaten“. Der Auftakt einer potenziellen neuen ARD-Reihe basiert wie Grafs ARD-Serie „Im Angesicht des Verbrechens“ auf einem Drehbuch von Rolf Basedow und stellt eine polizeiliche Berufsgruppe vor, die bislang im Fernsehen unterrepräsentiert ist: Zielfahnder sind unabhängig agierende Spezialisten, die unter Umständen jahrelang mit der Suche nach bestimmten Verbrechern beschäftigt sind; zur Not auch im Ausland. Basedow bezeichnet die Zielfahndung als „Königsdisziplin der Polizeiarbeit.“ Beste Voraussetzungen also, um typische Krimielemente mit reizvollen Schauplatzen zu kombinieren. Im Gegensatz zu den familientauglichen Donnerstagskrimis, die wohlgeordnete und übersichtliche Geschichten erzählen, setzen Graf und Basedow ganz andere Akzente. Deshalb erfordert der fast zwei Stunden lange Auftakt gerade in der ersten Hälfte hohe Konzentration: Die Nachtaufnahmen sind der Bildqualität von Überwachungs- oder Wärmebildkameras nachempfunden und entsprechend düster, unscharf und grobkörnig.

    Der Film beginnt mit dem Ausbruch zweier rumänischer Schwerverbrecher aus einem Gefängnis. Das nordrhein-westfälische LKA und verschiedene Landesministerien sind bei der Jagd bis an die polnische Grenze per Telefon- und Videokonferenz zusammengeschaltet, weshalb mitunter alle durcheinander reden. Trotzdem ist diese fast dokumentarisch anmutende lange Sequenz spannend und typisches Graf-Niveau; dank der raschen Schnittfolge wirkt die erste Stunde optisch überaus aufwändig und ungemein dicht inszeniert. Das Zusammenspiel von Bildgestaltung und Tonebene entfaltet eine derartige Dynamik, dass Graf seinem Ruf vollauf gerecht wird. Dazu zählen auch der unverblümte Sex und die Gewaltdarstellungen.

    Während der eine Ausbrecher geschnappt wird, kann der andere seine Verfolger abschütteln. Als sich rausstellt, dass er in seine Heimat geflohen ist, reisen zwei Zielfahnder (Ulrike C. Tscharre, Ronald Zehrfeld) nach Bukarest. In dieser zweiten Hälfte beginnt der Film quasi von vorn. Die Suche nach dem Verbrecher in der Nachtclubszene ist zwar noch abwechslungsreich, aber gerade die ausführlichen Revierszenen sind eher ermüdend, weil sämtliche Dialoge übersetzt werden müssen. Als sich die beiden Deutschen und ihre einheimischen Kollegen dann tatsächlich in die titelgebenden Karpaten begeben, wo der Flüchtige angeblich die Hochzeit seiner Schwester besuchen will, erlebt der Film einen im Vergleich zur fesselnden ersten halben Stunde fast schon dramatischen Spannungsabfall und wirkt nun wie eine Dokumentation über die Sitten und Gebräuche bei einer Eheschließung auf dem Lande. Vermutlich war es nicht zuletzt der Kontrast, der Basedow und Graf gereizt hat: In Deutschland ist die Fahndung technikdominiert, in Rumänien spielt der menschliche Faktor eine ungleich größere Rolle; kein Wunder, dass sich das gemischte Zielfahnderdoppel hier auch viel stärker als Team präsentiert. Es macht ohnehin Spaß, Tscharre und Zehrfeld, der auch schon Star von „Im Angesicht des Verbrechens“ war, zuzuschauen. Spätestens bei der Verfolgung des Verbrechers in die Berge, die Graf zum Teil wie einen Italo-Western inszeniert, kann man den Film allerdings kaum noch ernst nehmen. Sollte das Publikum dies wider Erwarten anders sehen, wird man bei ARD und Degeto über eine Fortsetzung nachdenken. tpg.

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