Zappelphilipp

  1. Ø 0
   2012
Zappelphilipp Poster
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Filmhandlung und Hintergrund

Zappelphilipp: TV-Drama über ein als "hyperaktiv" wahrgenommenes Kind, auf dessen Mutter und Lehrerin der Druck zur Anpassung durch Medikamente wächst.

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Kritikerrezensionen

  • Das ausgezeichnet gespielte und mitunter fast dokumentarische Drama beschreibt, wie das Bildungssystem an Kindern scheitert, die nicht der Norm entsprechen

    Früher nannte man Jungs wie Fabian „Zappelphilipp“, heute ist man rasch mit einer griffigen medizinischen Diagnose zur Hand: Das hyperaktive Kind bekommt Tabletten, der Fall ist erledigt. Silke Zertz („Wir sind das Volk“) zeigt, dass solche „Fälle“ ungleich komplexer sind. Connie Walther ist die richtige Regisseurin für den Stoff; im Mittelpunkt ihrer herausragenden Dramen („12 heißt: Ich liebe dich“, „Frau Böhm sagt nein“) stehen immer wieder Menschen, die aus dem Rahmen fallen. Zentrale Figur von „Zappelphilipp“ ist Grundschullehrerin Hannah Winter (Bibiana Beglau), die es sich zur Aufgabe macht, Fabian auch ohne medizinische Hilfe in den Klassenverband zu integrieren. Dass sie am Ende scheitert, ist paradoxerweise ausgerechnet ihrem Engagement geschuldet.

    Das Drehbuch verzichtet auf schlichte Erklärungsmuster für Fabians Verhalten, bietet allerdings Hinweise an: Die Mutter ist zum zweiten Mal verheiratet und erwartet ihr zweites Kind, dem Stiefvater ist Fabian eher lästig. Mit ihren unkonventionellen Methoden und der Bereitschaft, sich auch in ihrer Freizeit um den Jungen zu kümmern, hat Hannah zunächst Erfolg. Doch dann kommt es zu einem Eklat, den sie zumindest indirekt verschuldet hat. Auch darin liegt ein Reiz dieses Films: Im Grunde handelt die Lehrerin vorbildlich, aber mit ihrem Verhalten verstößt sie gegen die üblichen Konventionen. Als sie schließlich ungewollt ihre Kompetenzen überschreitet, ist sie für den Schulbetrieb nicht länger tragbar.

    Trotz aller Sympathie für ihre Heldin verzichten Zertz und Walther darauf, Hannah Winter zu heroisieren. Jenseits der Arbeit gibt es nicht viel in ihrem Leben, wie der Film mit einer brillanten Idee verdeutlicht: Ein paar Botschaften auf dem Anrufbeantworter fassen ihr Dasein in wenigen Worten zusammen. Ohnehin sorgt die Draufsicht aus einer extremen Vogelperspektive immer wieder dafür, dass „Zappelphilipp“ Züge einer Fallstudie annimmt. Dies sind allerdings auch die einzigen Momente, in denen sich die Bildgestaltung (Birgit Gudjonsdottir) eine gewisse Extravaganz gönnt, ansonsten konzentriert sich Walther ganz auf Geschichte und Schauspieler. Ausgesprochen bemerkenswert ist dabei die Führung des Hauptdarstellers. Mit dessen Leistung, das war klar, steht und fällt das gesamte Unternehmen; ist er nicht glaubwürdig, funktioniert der ganze Film nicht. Aber der junge Anton Wempner macht seine Sache derart fabelhaft, dass „Zappelphilipp“ zwischenzeitlich fast dokumentarisch wirkt. tpg.

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