Filmhandlung und Hintergrund

Leises Familien-Drama um ein lange geschiedenes Paar, das gemeinsam den Sohn im Krankenhaus besuchen will.

Telefonisch erfährt Lise, dass ihr erwachsener Sohn Jack nach einem Skiunfall im Krankenhaus liegt. Höchst besorgt holt sie seinen Vater Frans ab, von dem sie seit 15 Jahren getrennt lebt. Gemeinsam fahren sie von Brüssel mit dem Auto in die französischen Alpen, nur um festzustellen, dass Jack mit Gipsbein und seiner neuen Freundin Allison bereits die Klinik verlassen hat. Schließlich treffen sie ihn im ausgebuchten Skimekka Savoyen. Nachdem sich Lise weigert, über Nacht mit Frans ein Doppelbett zu teilen, überführen sie Jacks Wagen samt ihm selbst nach Belgien.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

    1. Seit rund 30 Jahren zählt Marion Hänsel ("Dust", "Der Teufel und die tiefe blaue See") zu Belgiens wichtigsten Arthaus-Regisseurinnen. Weiterhin arbeitet sie stets mit einem bewährten Team zusammen, darunter die Frankfurter Firma "Neue Pegasos" als Co-Produzent, und immer noch verweigert sie sich, von wenigen Ausnahmen abgesehen, einer stringenten Dramaturgie. Im Grunde besteht ihr aktueller Film "Zärtlichkeit", benannt nach einem Chanson, nur aus beiläufig beobachteten Alltagsszenen ohne dramaturgische Zuspitzung. Auf eine minimale Handlung setzend, schlägt Hänsel mit dem Road Movie dieses Mal einen eher heiteren, leichten Tonfall an.

      Wo sich der Vorgänger "Schwarzer Ozean" um Atombombenversuche im Südpazifik drehte, konzentriert sich der Nachfolger lediglich auf die Folgen einer unvorhergesehenen Familienzusammenführung. Gemeinsam haben beide Werke nicht nur Hauptdarsteller Adrien Jolivet, Sohn des Regisseurs Pierre Jolivet ("Fred"), sondern ebenso das Reisemotiv. Während sich auf dem Militärschiff von "Schwarzer Ozean" allmählich Differenzen zwischen der Besatzung und den unterschiedlichen Rängen abzeichneten, entwirft Hänsel in "Zärtlichkeit" die Skizze zweier reichlich verschiedener Ex-Partner sowie das Aufbrechen vertrauter Emotionen, Erinnerungen und Wunden.

      Längst lebt der pedantische Frans in einer neuen Beziehung, während seine Ex-Frau, die verträumte, eher spontane Ex-Schauspielerin Lisa, keinen festen Partner hat. Obwohl unter der heiteren Oberfläche alte Risse erkennbar werden und deutlich wird, warum ihre Ehe auf Dauer keinen Bestand haben konnte, begegnen sich beide Charaktere mit gegenseitiger Wertschätzung. Die Erinnerung an die positiven Seiten ihrer Zweisamkeit überwiegen dem Rückblick auf frühere Krisen und Streitigkeiten. Allerdings belässt es Hänsel bei Andeutungen zum Scheitern ihrer Ehe, wobei lediglich erwähnt wird, dass Frans einst die Familie verließ.

      Dank der Leistung von Marilyne Canto und dem viel beschäftigten Oliver Gourmet ("Der Aufsteiger") erweckt das ältere Paar weitaus größeres Interesse als das jüngere, bestehend aus ihrem Sohn Jack und dessen neuer Freundin Alison (Margaux Chatalier), auf die sich der Film in der zweiten Hälfte konzentriert. Wenn gegen Ende Gaststar Sergi Lopez ("Tango Libre") als Anhalter auftritt und seiner zeitweiligen Chauffeurin Lisa ein Kompliment macht, besitzt diese Sequenz letztlich genauso wenig dramatisches Gewicht wie die restliche Handlung. Stärkeren Wert legt Hänsel auf die nuancierten Darstellerleistungen und den Wechsel aus Nahaufnahmen und Totalen, wobei die Natur wieder als Kommentar des Geschehens dient. Das zeugt zwar von ihrem subtilen Gespür für Details, aber etwas zu beliebig wirkt "Zärtlichkeit" auf Dauer schon.

      Fazit: "Zärtlichkeit" bietet ein leichtfüßiges Familienporträt, das sich bewusst einer bewährten, stringenten Dramaturgie verweigert.
    2. Zärtlichkeit: Leises Familien-Drama um ein lange geschiedenes Paar, das gemeinsam den Sohn im Krankenhaus besuchen will.

      Marion Hänsels Familienbegegnung on the road ist liebenswert, ehrlich - und auf ihre Weise zärtlich.

      15 Jahre sind Lise (Marilyne Canto) und Frans (Olivier Gourmet, „Der Aufsteiger„) schon getrennt, da bringt sie der Skiunfall ihres erwachsenen Sohns Jack (Adrien Jolivet, wie Canto in „Der Schnee am Kilimandscharo„) kurzfristig zusammen: Sie fahren von Brüssel aus mit dem Jeep in die französischen Alpen. Beide tragen einander nichts nach, obwohl Frans Lise verlassen hatte. Während der Fahrt sprechen sie über Erinnerungen und wie ihr Sohn die Trennung verwand. Nicht nur an Frans‘ Machomentalität lassen sich die Bruchlinien ihrer Beziehung erahnen.

      Die erfahrene belgische Regieveteranin Marion Hänsel („Schwarzer Ozean„, „Als der Wind den Sand berührte“) wählt kein klassisches Drama, sondern den zurückgelehnten Tonfall einer unaufgeregten, subtilen wie leise komischen Beobachtung, die ohne Ballast in wenigen Strichen das Porträt einer ganzen Familie zeichnet. Hänsel geht damit so leise wie ihre musikalische Begleitung vor. Sensibel, aber nicht süßlich (wenn, dann bittersüß) registriert sie die Eigenheiten der Charaktere, manche typisch männlich oder weiblich, doch nie konstruiert, sondern wie aus dem Leben gegriffen.

      Scheinbar zwanglos, aber mit einem sehr genauen Blick zeigt sie keineswegs humorlos Alltagsprobleme und Missgeschicke, kleine Fehler und Eigenarten, die echte Menschen ausmachen. Es ist kein Zufall, dass die Eltern den Sohn zunächst knapp verpassen, weil der mit seiner neuen, ihnen noch fremden Freundin Allison (Margaux Châtelier aus „Belle und Sebastian“) bereits ins Skimekka Savoyen zurückgekehrt ist. Dort wartet auf die Eltern ein Doppelbett - alle anderen Zimmer und Hotels sind ausgebucht.

      In großen Teilen ein Roadmovie, verzichtet der Film über eine separierte Familie auf eine Wiedervereinigung - es ist lediglich ein kurzes Miteinander, dennoch sind alle auf ihre Art sympathisch (besonders Protagonistin Lisa) und gefühlsfähige Wesen, die einem irgendwie an Herz wachsen. Was man erst bemerkt, als sie sich wieder voneinander trennen. Zurück bleibt die wohlig-wehmütige Erinnerung an eine kleine Gemeinschaft, deren Mitglieder längst eigene Lebenswege gehen.

      tk.

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