Filmhandlung und Hintergrund

Drama über Kinder, die nach dem Zweiten Weltkrieg im Baltikum ums Überleben kämpfen müssen.

1946. Ein ehemals ostpreußisches Dorf unter sowjetischer Besatzung. Als die Mutter des 14-jährige Hans und seines neunjährigen Bruders Karl den Hungertod stirbt, versuchen die beiden sich nach Litauen durchzuschlagen, wo einige Bauern deutschen Kindern wohl gesonnen sind. Auf ihrer Flucht geraten die Brüder unter Beschuss und werden voneinander getrennt. Der Beginn einer Odyssee, bei der sich Hans getrieben von der Suche nach seinem Bruder einer Gruppe Kinder anschließt, um gemeinsam mit ihnen in einem fremden Land gegen Hunger, Wetter und Krankheit zu kämpfen.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

    1. In seinem Langfilmdebüt "Wolfskinder" schildert Regisseur und Autor Rick Ostermann das Schicksal mehrerer allein gelassener Kinder in den Wirren der ostpreußischen Nachkriegszeit. Damit will der Filmemacher, häufig Regieassistent bei Matthias Glasner und Lars Kraume ("Meine Schwestern"), auf ein weitgehend unbekanntes Kapitel in der deutschen Geschichte aufmerksam machen. Am Anfang informiert ein knapper Text über die Situation der heimat- und familienlosen Kinder, wobei nähere Kenntnisse zum Eroberungsfeldzug der roten Armee und zur ausweglosen Lage der deutschen Bevölkerung in Ostpreußen letztlich nicht notwendig sind. Im Grunde spricht der Überlebenskampf der Kinder für sich.

      Schon als Hans und Fritzchen zu Beginn ein Pferd der Sowjetarmee stehlen und töten, ohne von Mitgefühl oder Skrupeln gebremst zu werden, beweist dies, wie sich die beiden Kinder inzwischen mit ihrer ausweglosen Lage arrangiert haben. Auch Regisseur Ostermann verzichtet im Verlauf bewusst auf Sentimentalitäten. Nüchtern verfolgt er den Überlebenskampf der Flüchtenden, was die Geschichte plausibel und nachvollziehbar erscheinen lässt. Auf Szenen allmählicher Annäherung der einander fremden Kinder folgt unweigerlich der nächste unerwartete Schicksalsschlag. Zugleich erwächst eine unterschwellige Bedrohung aus dem Umstand, dass die Zwangsgemeinschaft nie genau weiß, wem sie von ihren erwachsenen Zufallsbekanntschaften überhaupt trauen kann..

      Daher verwundert es nicht, dass die Kinder auf ihrem Weg zunehmend verrohen. Emotionen und Empathie können ihnen beim Überlebenskampf nur im Wege stehen. Von liebgewonnenen Dingen oder Menschen müssen sie sich unweigerlich trennen können, wie Christel etwa von ihren langen Zöpfen. Ostermann belegt, dass die Fluchtchancen in der Gruppe größer sind als allein, doch beim etwaigen Abschiednehmen können sie sich nicht von Gefühlen leiten lassen. Ein wenig erinnert die Dramaturgie an die längst verblichenen "Ten Little Indians"-Bilderbücher, in der die Gemeinschaft allmählich auseinander bricht. Der entscheidende Unterschied liegt darin, dass es am Ende nicht zur glücklichen Wiedervereinigung kommen kann.

      Das auf reduzierte Dialoge setzende Drama muss sich zwar an dem thematisch stark verwandten "Lore" messen, der einem ähnlichen Konzept folgt, nimmt aber durch seine realistische Erzählweise, die überzeugenden Darsteller und eine bestechende Scope-Fotografie für sich ein. Ein beachtlicher Teil der Wirkung erzeugen die poetischen Bilder von Leah Striker, die bislang vornehmlich als Kameraassistentin/-operateurin bei internationalen Projekten wie "Inglorious Basterds" oder "Wer ist Hanna?" beteiligt war. Ihre stimmigen Impressionen vermitteln einen bleibenden Eindruck der düsteren Situation. Schönheit und Schrecken liegen hier stets beieinander. Für die Kinder kann der undurchdringbare Wald sowohl einen wirksamen Schutz als auch eine Quelle neuer Gefahren bieten.

      Mit "Wolfskinder glückte Rick Ostermann ein bemerkenswertes Debüt, in dem er biografische Details der eigenen Familiengeschichte aufgriff. Sein Werk erinnert daran, dass heute immer noch Kinder im Spielball der politischen Interessen leiden müssen und verfolgt werden.

      Fazit: "Wolfkinder" schildert einen so nüchternen wie packenden Überlebenskampf ganz aus Kinderperspektive, der zudem von einer stimmigen Kameraarbeit und den glaubwürdigen jungen Darstellern lebt.
    2. Wolfskinder: Drama über Kinder, die nach dem Zweiten Weltkrieg im Baltikum ums Überleben kämpfen müssen.

      Dialogarm und mit starken Bildern umgesetztes Spielfilmdebüt um eine Gruppe Kinder, die nach dem Zweiten Weltkrieg im Baltikum ums Überleben kämpft.

      „Die Entwurzelung ist bei Weitem die gefährlichste Krankheit der menschlichen Gesellschaft. Wer entwurzelt ist, entwurzelt. Wer verwurzelt ist, entwurzelt nicht. Die Verwurzelung ist vielleicht das wichtigste und meistverkannte Bedürfnis der menschlichen Seele“. Dieses Zitat der französischen Philosophin Simone Weil passt perfekt auf „Wolfskinder“ von Rick Ostermann zu, der in seinem Drama ein weitgehend unbekanntes, tragisches Kapitel deutscher (Nach-)Kriegshistorie erzählt und dabei auf eine Verklärung dieser Opfer des Zweiten Weltkrieges verzichtet.

      Um den archaischen Aspekt seiner Geschichte im Zentrum zu halten, spart der Spielfilmdebütant geschichtliche wie politische Zusammenhänge weitgehend aus und richtet sein Augenmerk auf das physische Erleben und Leiden seiner jungen Helden. Im Jahr 1946 müssen sich der 14-jährige Hans und dessen neunjähriger Bruder Karl nach dem Hungertod der Mutter – Jördis Triebel besticht in einem kleinen, anrührenden Kurzauftritt – vom sowjetisch besetzten Ostpreußen nach Litauen durchschlagen. Hier hoffen sie, bei einem befreundeten Bauern Unterschlupf zu finden.

      Auf ihrem beschwerlichen Weg, immer auf der Hut vor marodierenden, gesichtslos bleibenden Soldaten, treffen die beiden auf andere Kinder, werden getrennt, leiden Hunger und Durst. Auf sich alleine gestellt führen sie einen Überlebenskampf, dem sie eigentlich (noch) nicht gewachsen sind. Emotional, gnadenlos und direkt, nie jedoch überhastet, treibt Ostermann seinen Plot voran. Pointiert hat er sein Drehbuch, das von den Erlebnissen seiner Mutter inspiriert ist, mit sparsamen Dialogen versehen, spekulative oder melodramatische Momente spart er ganz aus.

      Der zweite „Hauptdarsteller“ ist die Natur. Sie bietet den Flüchtenden Schutz und Trost, manchmal sogar Nahrung und Momente des Vergessens – zum Beispiel wenn sie unbeschwert in einem idyllischen Weiher baden. Ungekünstelte, pastorale Bilder gelingen Kamerafrau Leah Striker („Stiller Sommer„), die die unzähligen Grüntöne der Wälder gekonnt einfängt, ohne Fokusverschiebungen oder Unschärfen arbeitet und so die Schauplätze stets mit den Kindern in Einklang bringt. Die werden (fast) alle von Laien gespielt, was zusätzlich zur Authentizität des Filmes beiträgt. geh.

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