Winterdieb

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   2012

Winterdieb: Starkes und sensibles Drama um einen Zwölfjährigen auf der Suche nach ein bisschen Zärtlichkeit - angesiedelt in einem alpinen Touristenort.

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Filmhandlung und Hintergrund

Winterdieb: Starkes und sensibles Drama um einen Zwölfjährigen auf der Suche nach ein bisschen Zärtlichkeit - angesiedelt in einem alpinen Touristenort.

Ein Zwölfjähriger fährt jeden Tag vom Tal hinauf ins verschneite Bergmassiv, um Touristen zu bestehlen. Nicht, um sich irgendwelche PC-Games zu kaufen, sondern um vom Verkauf des Diebesguts banale Dinge wie Milch, Brot und Klopapier zu bezahlen. Er lebt in einem unwirtlichen Hochhaus zusammen mit seiner jungen Mutter, die sich bei ihren Lovern als seine Schwester ausgibt und für deren Unterhalt er sorgt. Seine Sehnsucht nach ein bisschen Zärtlichkeit und Zuneigung bleibt unerwidert.

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Kritikerrezensionen

  • Ursula Meier beschreibt ihn ihrem Film "Winterdieb" mit virtuoser Detailliertheit das Oben und das Unten: das helle Weiß, die Sonne, die Urlaubsfreuden, der Luxus der Reichen und unten die bedrückende Enge des Tales, das Braun des schneearmen Winters; die Erbärmlichkeit des Lebens. Simon wohnt dort in einer kleinen Wohnung mit seiner viel älteren Schwester, die als Nichtsnutz in den Tag lebt und die Verantwortung für Finanzen, Haushalt und tägliche Organisation an sich gern an den zwölfjährigen Simon weitergibt - er bringt seine Protofamilie durch.

    Diese Zweierbeziehung hat ihre eigene Dynamik, das Kind erzieht die Erwachsene, die Rollen sind verkehrt; und zugleich ist Simon ein Kind geblieben, er sehnt sich nach Zuwendung. Er will seine ältere Schwester lieben, damit sie ihn wiederliebt. Und sieht dabei ihre Unzulänglichkeiten, ihre Anomalie. Als wir Louise das erste Mal sehen, hockt sie sich hinter einen kümmerlichen Busch, um zu pinkeln. Später lässt sie Simon diesen Busch absägen, es ist schließlich Weihnachten, da muss ein Baum her. Später, in einer intensiv berührenden Szene, bittet Simon Louise um ein klein wenig Zärtlichkeit, will nachts in ihr Bett kuscheln – und bietet Geld, Geld, das er nur für sie, für die Zweisamkeit der Familie zusammengeklaut hat: 150 Franken; und sie verlangt 200!

    Simon-Darsteller Kacey Mottet Klein war zur Drehzeit 13 Jahre alt und Laiendarsteller, als ihn Ursula Meier für ihren Debütfilm "Home" im Jahr 2008 entdeckte. Nun schafft er es, den Mittelpunkt eines ganzen Filmes zu bilden - eine große Leistung. Unterstützt wird er von Léa Seydoux, die sich derzeit vom Geheimtipp zum Star hocharbeitet in Filmrollen, die unterschiedlicher kaum sein könnten – hier spielt sie überzeugend die apathische Unterschichtlerin, die vom Leben nichts mehr erwartet. In einer Nebenrolle: Gillian Anderson, von den "X-Files" ins Charakterfach gesprungen. Sie spielt eine Mutter, die mit ihren Kindern auf Skiurlaub ist – und an die sich Simon zeitweilig anhängt, auf der Suche nach familiärem Feeling.

    Dies ist einer der Ansätze, an denen der Film "Winterdieb" so etwas wie eine durchgehende, stringente Handlung entwickeln könnte. Ein anderer findet sich, als Simon einmal erwischt wird, in den Keller eines Restaurants gesperrt wird – und im schottischen Küchenjungen unerwartet einen Hehler für seine gestohlenen Skier findet. Doch solche Handlungsrudimente bleiben Episode, Meier hat kein Interesse an einer durchgehenden Geschichte. Das freilich lässt den Film mitunter etwas zäh wirken – trotz seiner Qualitäten –, zumal Meier andererseits eben auch nicht an überraschenden Wendungen spart.

    Am Ende dann gibt sie ihrem Film eine neue, irreale Qualität, wenn alles vorbei ist, wenn die Touristen weggefahren sind, das Restaurant geschlossen ist, der Schnee auch oben auf dem Berg schmilzt. Simon wandert durch die verlassenen Gebäude, über die abgetaute Berglandschaft - er ist verloren in einer Leere, die nichts bietet. Die Saison ist vorbei, auch für Simon, der ein bisschen älter, ein bisschen erwachsener geworden ist. Und für den sich doch auf absehbare Zeit nichts ändern wird.

    Fazit: "Winterdieb" ist ein einfühlsam geschildertes Porträt einer verelendeten Kleinfamilie, das den Kontrast zwischen der Armut im Tal und dem Reichtum oben auf dem Berg, bei den Skifahrern, herausarbeitet. Trotz seiner Qualitäten bei den Schauspielern, leidet der Film darunter, dass zu viele Handlungsansätze und Wendungen zu nichts führen.
  • Die Suche eines Zwölfjährigen nach ein bisschen Zärtlichkeit und Zuneigung in der nicht ganz so heilen Schweizer Bergwelt.

    Mit ihrem Spiefilmdebüt „Home“ führte Ursula Meier in eine Familie, deren Domizil an der lärmenden Autobahn sich in eine Hölle verwandelt, in ihrem zweiten Werk „L’enfant d‘ en Haut“ sind es die leisen und verzweifelten Töne, die die innere Hölle eines Kindes erahnen lassen, dessen stummer Schrei nach Liebe wie ein Echo an der Felswand verhallt.

    Der zwölfjährige Simon fährt jeden Tag mit dem Lift vom Tal nach oben auf den Berg. Nicht um die Pisten herunter zu brettern oder die Sonne zu genießen, sondern um zu klauen. Ob Skihelm oder Skier, Anorak oder Mütze, Schal oder Sandwich – er nimmt alles mit. Und als ihn mal ein Kellner erwischt, sagt er auch warum. Ganz einfach, er verscherbelt das Diebesgut, um die notwendigen Dinge des Alltags zu kaufen – Milch, Klopapier oder Brot. Mit einer jungen Frau, die sich vor ihren diversen Liebhabern als seine Schwester ausgibt, aber in Wirklichkeit seine Mutter ist, wohnt er in einem unwirtlichen Hochhaus. Er trägt Verantwortung und sorgt für sie, er schleppt die Betrunkene nach Hause, er zahlt in einem bitteren Moment sogar in bar für eine paar zärtliche Gesten und dafür, dass er sich in ihrem Bett an sie kuscheln darf. Aber wenn seine Freunde die „Schwester“ als Nutte bezeichnen, verteidigt er sie vehement.

    Wie Kacey Mottet Klein den coolen Jungen mimt, der mit großen und sehnsuchtsvollen Augen zuguckt, wie eine Mutter ihren Kinder das Gesicht eincremt, das tut fast physisch weh und man leidet mit ihm. Wenn Léa Seydoux auf hohen Absätzen durchs Leben stiefelt und dabei nicht merkt, wie sie eine Kinderseele irreparabel schädigt, ihrem Sohn ins Gesicht schleudert, sie habe ihn eigentlich nicht gewollt, dann ist das so schrecklich und so kalt, das einem fast der Atem stockt. Ohne sich in plakative Bilder zu verlieren, zeigt dieses sensible Drama die Kehrseite der properen Schweiz, wo oben auf glitzernden weißen Berghängen sich die Reichen und Schönen vergnügen, während unten im grauen Tal andere ums Überleben kämpfen. Im emotionalen Stil der Dardenne-Brüder gelingt der französisch-schweizerischen Filmemacherin ein starkes Stück Kino, nicht zuletzt auch wegen der HD Kamera von Agnès Godard, die mal mit der Steadycam hastig ihrem Protagonisten folgt, dann wieder in festen Einstellungen das Alpenpanorama einfängt. Das präsentiert sich schroff und unzugänglich. Metapher für die sozialen Mauern der Gesellschaft. mk.

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