Filmhandlung und Hintergrund

Wilsberg“ ist ein Phänomen: Während rundherum seit Jahren die Quoten bröckeln, haben die Filme über den zerknautschten Privatdetektiv aus Münster mehr Zuschauer als je zuvor. Das ist kein Zufall, wie auch Folge Nummer sechzig mit dem schönen Titel „Die Nadel im Müllhaufen“ belegt. Der Film ist innerhalb der Reihe gar nicht mal hochklassig, aber er entspricht einem Standard, der das Ergebnis eines fast 25 Jahre...

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Kritikerrezensionen

  • Wilsberg“ ist ein Phänomen: Während rundherum seit Jahren die Quoten bröckeln, haben die Filme über den zerknautschten Privatdetektiv aus Münster mehr Zuschauer als je zuvor.

    Das ist kein Zufall, wie auch Folge Nummer sechzig mit dem schönen Titel „Die Nadel im Müllhaufen“ belegt. Der Film ist innerhalb der Reihe gar nicht mal hochklassig, aber er entspricht einem Standard, der das Ergebnis eines fast 25 Jahre währenden Prozesses ist. Bestes Beispiel für die amüsierte Grundhaltung, mit der die Krimis entstehen, ist diesmal der Abspann mit der berühmten Titelmelodie aus Francis Ford Coppolas Mafia-Klassiker „Der Pate“; Kriminaloberkommissar Overbeck (Roland Jankowsky) war ohnehin die ganze Zeit überzeugt, die Mafia habe ihre Finger im Spiel. Aber der Reihe nach: Eine Frau bittet den Privatdetektiv (Leonard Lansink), ihren Ex-Gatten zu suchen. Er arbeitete bei der Müllabfuhr und war einer „üblen Schweinerei“ auf der Spur, wie er ihr geschrieben hat; kurz drauf wird er tot in einem Müllcontainer gefunden. Weil in seiner Mitteilung von „der Familie“ die Rede ist, zählt Overbeck eins und eins zusammen: Müll plus Familie gleich Mafia.

    Es hat in letzter Zeit deutlich ungewöhnlichere „Wilsberg“-Themen gegeben; auf den ersten Blick schildert „Die Nadel im Müllhaufen“ eine ganz normale Krimihandlung. Der Reiz liegt darin, wie diese Geschichte erzählt wird. Als erstes sorgt Wilsberg dafür, dass sich der verblüffte Ekki im Rahmen einer „Resozialisierungsmaßnahme“ bei der Müllabfuhr wiederfindet. Immerhin erfüllt er dem braven Finanzbeamten auf diese Weise einen Kindheitstraum. Dank eines leitmotivischen ZZ-Top-Songs wirkt der Job in der Tat ziemlich cool; so gesehen ist der Film auch eine Verbeugung vor den Müllmännern. Ekki empfindet ohnehin eine kindliche Freude an seiner neuen Rolle, spielt gleichzeitig jedoch den vermeintlichen Schwerverbrecher derart überzeugend, dass ihn Schichtführer Klaschka (Timo Jacobs) prompt zu einem krummen Ding einlädt.

    Das Drehbuch schrieben Duo Sönke Lars Neuwöhner und Natalia Geb, Regie führte Martin Enlen; von dem Trio stammt auch die ungewohnt ernste „Wilsberg“-Folge „Kein Weg zurück“ (2015). Diesmal signalisiert schon das Titelwortspiel eine gewisse Unbeschwertheit. Es gibt zwar die üblichen Spannungsszenen, aber die Grundstimmung des Films ist gerade auch dank der amüsanten Dialoge eher heiter: weil der gegen Ironie immune Overbeck seine Chefin Anna Springer (Rita Risseks) mit ständigen Hinweisen auf die Mafia nervt oder weil Anna und Ekki trotz jahrelanger leidvoller Erfahrung immer wieder auf Wilsbergs kleine Tricks reinfallen. Keine Witzfigur ist dagegen die Frau, die alles ins Rollen bringt: Elena, die Ex-Gattin des toten Müllmanns, ist eine radikale Aussteigerin, die von weggeworfenen Lebensmitteln lebt und sämtlichen Repräsentanten der Staatsmacht mit tiefem Misstrauen begegnet. Alle anderen sparen zwar nicht mit Seitenhieben auf diese Frau, aber der Film macht sich nie über sie lustig, im Gegenteil: Anne Kanis versieht die sanfte Elena zwar mit einer anrührenden Fragilität, verkörpert sie aber gleichzeitig würdevoll als Persönlichkeit mit konsumkritischen Prinzipien. Auch das ist ein sympathisches „Wilsberg“-Merkmal: Figuren werden nur dann der Lächerlichkeit preisgegeben, wenn sie es nicht anders verdient haben. Die Frauen kommen in dieser Geschichte ohnehin gut weg. Auch Isabell (Genija Rykova), die Chefin von Münster Müll, ist nicht unsympathisch. Das hindert Overbeck nicht daran, sie als regionale Repräsentantin der Mafia zu betrachten. Deshalb hat er immer wieder Albträume, in denen Isabell ihn ermorden will. Enlen inszeniert diese Nachtmahre mit viel Augenzwinkern und als Hommage an klassische Abenteuerfilme. tpg.

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