Filmhandlung und Hintergrund

Die Geschichte ist so absurd, dass sie als Drehbuchidee vermutlich keine Chance gehabt hätte, wenn sie nicht wahr wäre: 1993 ist es einem Nachwuchsjournalisten gelungen, das einzige Interview mit Erich Honecker in dessen chilenischem Exil zu führen. Um das Vertrauen des ehemaligen Staatschefs zu gewinnen, hat sich der junge Mann als glühender Verehrer ausgegeben, der mit seinem fiktiven „Bund der Jungkommunisten“...

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Kritikerrezensionen

  • Die Geschichte ist so absurd, dass sie als Drehbuchidee vermutlich keine Chance gehabt hätte, wenn sie nicht wahr wäre: 1993 ist es einem Nachwuchsjournalisten gelungen, das einzige Interview mit Erich Honecker in dessen chilenischem Exil zu führen. Um das Vertrauen des ehemaligen Staatschefs zu gewinnen, hat sich der junge Mann als glühender Verehrer ausgegeben, der mit seinem fiktiven „Bund der Jungkommunisten“ das Erbe der DDR pflegen will. Honecker ist beeindruckt und empfängt ihn; aber die Begegnung fällt ganz anders aus, als Johann Rummel (Max Bretschneider) sich das vorher ausgemalt hat.

    Der junge Mann hieß in Wirklichkeit Mark Pittelkau. „Willkommen bei den Honeckers“ erzählt seine Geschichte, und die ist eigentlich nicht komisch, auch wenn Matthias Pacht (Buch) und Philipp Leinemann (Regie) daraus eine Komödie gemacht haben; zumindest zunächst. Die Handlung beginnt 1991 in Frankfurt an der Oder. Johann ist Kellner, träumt aber von einer Karriere im Journalismus. Zusammen mit seinem Freund Maik (Maximilian Mauff) hat er schon ein paar kleine Treffer gelandet, etwa ein Interview mit Heino bei dessen erster Tour durch den Osten, aber der unerfahrene junge Mann verliert die Story an die abgebrühten Kollegen vom „Tagesboten“. Der Lokalchef (Godehard Giese) ist trotzdem beeindruckt von Johanns Entschlossenheit. Er verspricht, ihn zu unterstützen, wenn er ihm einen echten Knüller bringt; und nun kommt Honecker ins Spiel.

    „Willkommen bei den Honeckers“ ist Leinemanns erste Komödie, aber davon ist nichts zu spüren. Gerade zu Beginn erzählt er die Geschichte mit lakonischem Witz, was der haarsträubenden Handlung große Glaubwürdigkeit verleiht. Anfangs ist Johann bloß ein großer Junge, der einem völlig unrealistisch erscheinenden Traum nachjagt. Seine Hartnäckigkeit zahlt sich aus, aber sie hat auch ihren Preis: Freundin Jenny (Cornelia Gröschel), deren Bruder beim Fluchtversuch erschossen wurde, hat keinerlei Verständnis dafür, dass Johann unbedingt ein Interview mit einem Mann führen will, der den Schießbefehl zu verantworten hat. Dass Johann trotzdem Sympathieträger bleibt, ist vor allem Max Bretschneider zu verdanken; der junge Schauspieler ist schon in „Charité“ positiv aufgefallen und macht seine Sache in seiner ersten Hauptrolle ganz vorzüglich.

    Die ersten beiden Akte erzählen Pacht und Leinemann noch als Schelmenstück, aber dann ändert der Film seinen Tonfall komplett, als Johann in Chile eintrifft; und das liegt vor allem an Martin Brambach. Ausgerechnet dieser famose Komödiant verkörpert den alten Mann wider Erwarten nicht als Karikatur, sondern als Figur, die Mitgefühl weckt. Brambach imitiert zwar die Sprechweise Honeckers, dem er dank des Maskenbilds auch verblüffend ähnlich sieht, aber er parodiert ihn nicht. „Willkommen bei den Honeckers“ ist ohnehin ein Film für Schauspieler, selbst wenn Ausstattung, Kostüm und viel Popmusik aus den Achtzigern den zeitgeschichtlichen Charakter betonen: Thomas Thieme spielt Honeckers Leibarzt, Misel Maticevic den Chefredakteur des „Tagesboten“, und Ronald Zehrfeld und Anneke Kim Sarnau waren sich nicht zu schade, die Berliner Redaktionsszenen für zwei Sätze zu bereichern. Selbst Heinz Georg Kramm ließ es sich nicht nehmen, in der Auftaktszene mit Heino sich selbst zu spielen. tpg.

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