Weniger ist mehr (2013)

Weniger ist mehr Poster

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Filmhandlung und Hintergrund

Weniger ist mehr: Ernstzunehmende Komödie mit Benno Fürmann als abgestürzter Überflieger, der seine Familie nervt.

Karrieremann Frank liebt Frau und Kinder, hat für alle ein offenes Ohr und legt im Betrieb auch mal selbst Hand an. Sein einziger Nachteil: Er kann nicht abschalten. Als er nur mit Glück einen Autounfall überlebt, ändert er sein Leben von Grund auf, bremst von 100 auf null und kündigt seinen Job. Die Familie muss die schicke Villa verlassen, in ein hässliches Doppelhaus ziehen und noch weitere Abstriche machen. Das Geld verdient nun Gattin Viktoria, aber das ist Frank auch nicht recht.

Darsteller und Crew

Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Ernstzunehmende Komödie mit Benno Fürmann als abgestürzter Überflieger, der seine Familie nervt.

    Es ist ein beliebtes Sujet der Freitagsfilme im “Ersten”: Eine Beziehung beginnt zu kriseln, weil einer der beiden lieber Karriere macht, als sich um die Familie zu kümmern. Die Degeto-Produktionen vermitteln in der Regel ein konservatives Weltbild, also ist es selbstredend stets der Mann, der sich egoistisch verhält; das dürfte sich auch mit der Lebenserfahrung der nicht mehr ganz so jungen Zielgruppe decken. Und weil die allgemeine Ordnung in leichten Dramen dieser Art zwar gern in Frage gestellt, aber nie über den Haufen geworfen wird, einigt sich das zwischendurch zerstrittene Paar am Ende zumeist auf einen Kompromiss.

    “Weniger ist mehr” ist jedoch ein Film von Jan Ruzicka (“Die Frau des Frisörs”), von dem man mit Fug und Recht erwarten darf, dass er das bekannte Motiv gegen den Strich bürstet. Im Unterschied zur Mehrheit der Freitagsfilme ist die Hauptfigur dieses von der ARD als Komödie angekündigten Ehedramas daher nicht die Frau, sondern der Mann; und das nicht allein, weil Benno Fürmann entschieden bekannter ist als Ulrike C. Tscharre. Der Schauspieler war auch Hauptdarsteller des ungewöhnlichen Films “Der Mauerschütze” (2010), mit dem Ruzicka das Kunststück einer kurzweiligen Tragödie gelang. “Weniger ist mehr” entzieht sich ebenfalls der Einordnung: Die Verpackung trägt komödiantische Züge, aber der Inhalt ist durchaus dramatischer Natur.

    Bei dieser Konstellation ist die Glaubwürdigkeit entscheidend, und die verdankt der Film neben dem Drehbuch (Georg Heinzen) vor allem der Schauspielerführung. Fürmann spielt einen Überflieger, der ein Leben auf der Überholspur führt; selbstredend sieht man ihn auch irgendwann mit Lichthupe auf der Autobahn. Aber Frank Schuster ist keiner jener typischen Abziehbildkarrieristen, die Fernsehfilme dieser Art gern zum Gegenspieler einer aufopferungsvollen Heldin machen: Er ist sympathisch, liebt Frau und Kinder, hat für alle ein offenes Ohr und legt im High-Tech-Unternehmen auch mal selbst Hand an, wenn’s irgendwo klemmt. Sein einziger Nachteil: Er kann nicht abschalten. Buch und Regie finden dafür originelle Bilder; beim Hochzeitstag in trauter Zweisamkeit zum Beispiel bringt Frank sein Telefon an der Wade an; wie ein Cop im US-Krimi die Zweitwaffe. Als er nur mit viel Glück einen Autounfall überlebt, ändert er sein Leben von Grund auf, wenn auch anders, als seiner Familie lieb ist: Er bremst von 100 auf null, kündigt seinen Job und fällt seiner Familie fortan als Besserwisser und Im-Weg-Rumsteher auf die Nerven.

    Das klingt nach einer Komödie à la “Pappa ante Portas”, und vorübergehend ist “Weniger ist mehr” tatsächlich vorwiegend heiter, aber dann ändert sich das Vorzeichen dank Ruzickas Regietalent unmerklicher, als die Entwicklung der Handlung das nahe legt: Im festen Glauben an die Früchte seiner Arbeit hat Frank die Rücklagen der Familie in ein Projekt seiner Firma investiert. Als es nicht realisiert wird, stehen die Schusters plötzlich ohne Geld da, und müssen aus ihrer schmucken Villa am Starnberger See in eine hässliche Doppelhaushälfte ziehen. Schließlich kommt es zum Rollentausch: Veronika verdingt sich bei einem Makler (Philipp Moog), was Frank nicht recht ist, zumal er alsbald vermuten muss, dass die Gattin mehr als bloß ein Angestelltenverhältnis mit ihrem neuen Chef pflegt.

    Interessanterweise baut der konzentriert und auf jeden optischen Schnickschnack verzichtende Film (Bildgestaltung: Gunnar Fuß) nun keineswegs eine Front zwischen den Eheleuten auf. Womöglich war auch Berechnung im Spiel, weil die Identifikationsfigur der Zielgruppe nicht beschädigt werden sollte. Die offenen Auseinandersetzungen tragen sich zwischen Frank und der fast 16jährigen Tochter Janina zu. Auch ihre Darstellerin Janina Fautz ist von Ruzicka bemerkenswert gut geführt worden, was den Streitereien zwischen Vater und Tochter große Authentizität verleiht. Es ist vor allem Janina, die den sozialen Abstieg lautstark beklagt und ausspricht, was Veronika zunächst lieber runterschluckt. Ohnehin sorgen gleich mehrere sorgfältig gestaltete Nebenfiguren dafür, dass der Film ungleich komplexer ist, als der zentrale Konflikt vermuten ließe. Dass das Paar am Ende doch noch einen gemeinsamen Weg findet, mutet zwar fast schon märchenhaft an, ist aber keineswegs bloß ein Tribut an den Sendeplatz. tpg.

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