Wendy and Lucy (2008)

Wendy and Lucy: Amerika ohne soziales Netz ist ein Ort ohne Hoffnung. So muss es Michelle Williams in Kelly Reichardts bedrückendem, minimalistischem Independent-Drama feststellen.
Kinostart: 22.10.2009
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Filmhandlung und Hintergrund

Wendy and Lucy: Amerika ohne soziales Netz ist ein Ort ohne Hoffnung. So muss es Michelle Williams in Kelly Reichardts bedrückendem, minimalistischem Independent-Drama feststellen.

Die obdachlose Wendy fährt in einem alten Honda mit ihrer heißgeliebten Hündin Lucy nach Alaska, wo sie auf einen Job hofft. Eine Autopanne zwingt sie zum unfreiwilligen Zwischenstopp im urbanen Niemandsland von Oregon, wo sie mittellos strandet. Ihr Versuch Hundefutter zu klauen, endet postwendend in Polizeigewahrsam, währenddessen die unbewachte Lucy verschwindet. Verzweifelt sucht Wendy nach ihr und erhält dabei lediglich von einem alten Parkplatzwächter Unterstützung.

Die obdachlose Wendy verliert auf dem Weg nach Alaska ihre heißgeliebte Hündin Lucy. Minimalistisches, hoch gelobtes Independent-Drama mit Michelle Williams (“Shutter Island”), das den Freiheitsmythos der USA demaskiert.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Bei der Vorbereitung einer Independentproduktion ist Einfallsreichtum gefragt. Da sich Regisseurin Kelly Reichardt während der Dreharbeiten keinen teuren Hundeaufseher leisten kann, baut sie ihre Storys kurzerhand um eine Tiergeschichte herum. Zum zweiten Mal nach „Old Joy“, die minimalistisch entwickelte Studie einer erlöschenden Männerfreundschaft, adaptierte sie mit geringen finanziellen Mitteln eine Kurzgeschichte von Jon Raymond, in der ihr Hund erneut eine kleine Rolle spielt.

    Lange Zeit gelang es der in New York lebenden Filmemacherin nach ihrem 1993er Debüt „River of Grass“ nicht, ein weiteres Projekt auf die Beine zu stellen. Statt dessen unterrichtete sie Film an der New Yorker University und verwirklichte Kurzfilme auf Super-8. Inzwischen fand Reichardt allerdings zahlreiche Fürsprecher wie den Musiker Will Oldham, der in „Old Joy“ die Hauptrolle übernahm, oder ihre Kollegen Todd Haynes („I’m Not There“) und Larry Fessenden („The Last Winter“), die „Wendy & Lucy“ produzierten. Zudem treten Oldham und Fessenden in Nebenrollen als zwei (teils unangenehme) Zeitgenossen auf, die den Weg der arbeitslosen Wendy kreuzen.

    Reichardt mag sich im Charakter der Obdachlosen wieder gefunden haben, die aus eigener Anstrengung versucht, ihrer Misere zu entfliehen, was ihr kaum gelingt. Man erfährt wenig über die Biografie des Mädchens auf dem Weg nach Alaska, das dort auf eine Anstellung in einer Fischfabrik hofft. Ledig ein kurzes Telefongespräch mit der Schwester zeigt, dass Wendy von ihrer Verwandtschaft keinerlei Hilfe erwarten kann. Das wenige Geld, das sie bei sich trägt, reicht nicht aus, um das defektes Auto zu reparieren oder sich gar eine sichere Bleibe zu suchen. Ein Ladendiebstahl bringt Wendy nicht nur mit dem Gesetz in Konflikt, sondern sorgt zudem dafür, dass sie mit dem Hund Lucy ihren einzigen Freund verliert.

    Reichardt zeichnet ein kompromissloses Bild von Amerikas Norden, einer unwirtlichen Gegend aus Supermärkten, verwaistem Industriegelände und ausgestorbenen Wäldern. Mitleid und menschliche Wärme sind hier kaum zu erwarten. Während einer notgedrungenen Übernachtung im Freien wird Wendy etwa von einem Gestörten (Larry Fessenden) angefallen, was noch einigermaßen glimpflich ausgeht, aber der jungen Frau einen Schock versetzt. Selbst Hilfsbereitschaft kann sich als trügerisch erweisen. In ihrem Auftreten wirkt Wendy zudem als sehr introvertiert. Sicher gehört sie nicht zu den Menschentypen, die sofort auf andere zugehen.

    Perfekt schlüpft Michelle Williams in die Haut des einsamen Mädchens im Karohemd und der gesamten Habe in einem Rucksack. Schon früh gelang es dem Star aus der Serie „Dawsons Creek“, ihr Teeniestar-Image abzustreifen und im Arthouse-Kino etwa bei Wim Wenders oder Ang Lee zu reüssieren. Trotzdem glaubte Kelly Reichardt zunächst, Williams sei zu glamourös, um die auf der sozialen Leiter unten angekommene Wendy zu verkörpern. Doch mit struppigem schwarzem Haar und kurzen Hosen wirkt sie wie jemand, den man auf der Straße nicht weiter beachten würde.

    Trotz oder gerade aufgrund des ungekünstelten, naturalistischen, direkten Stils gelang Reichardt eine emotionale Charakterstudie. Nicht nur wegen des Hundebonus wirkt das Charakterdrama eindringlicher und packender als das ruhige, still beobachtete Freundschaftsporträt in „Old Joy“. „Wendy und Lucy“ zeigt die Kehrseite des amerikanischen Traums, in dem Humanität an den Rand gedrängt wird.

    Fazit: Ein großer kleiner Film über Menschen am Straßenrand, der 2008 zu den Favoriten der US-Filmkritik zählte.
  • Amerika ohne soziales Netz ist ein Ort ohne Hoffnung. So muss es Michelle Williams in Kelly Reichardts bedrückendem, minimalistischen Independent-Drama feststellen.

    Nach vielen Beispielen, in denen sich das US-Indie-Kino als sehr hollywoodaffin und gefällig zeigte, tauchen jüngst wieder Filme auf, die sich auf alte Stärken berufen und einer kleinen Gegenbewegung gleichkommen. Darunter befindet sich etwa “Shotgun Stories”, und der von Independent-Ikone Todd Haynes (“I’m Not There”) produzierte dritte Film von Kelly Reichhardt (“Old Joy”), die mit Michelle Williams (“Bokeback Mountain”) ein fabelhaftes Gesicht fand, das Armut und Hoffnungslosigkeit im heutigen, authentischen Amerika trotzt.

    Als Wendy steht die ehemals mit dem verstorbenen Heath Ledger verlobte Williams ganz am Rande der Gesellschaft. Alle Türen bleiben ihr verschlossen, sie wohnt fast mittellos in einem alten Honda. Allein ihre Hündin Lucy steht ihr nahe. Auf ihrer Fahrt nach Alaska, wo sie auf einen Job hofft, strandet sie nach einer Autopanne im abweisenden urbanen Niemandsland irgendwo in Oregon. Der Beginn einer Pechsträhne: Als sie Hundefutter für Lucy klaut, wird sie erwischt. Während sie sich in Gewahrsam befindet, verschwindet Lucy. Außer einem alten Parkplatzwächter hilft ihr später niemand bei der verzweifelten Suche nach dem einzigen Lebewesen, das ihr emotionalen Rückhalt gibt in einer menschlich erschreckend kalten Stadt, in der sie keinerlei Unterstützung findet. Die Kosten für die Reparatur ihres Wagens übersteigen ihre finanziellen Möglichkeiten bei weitem und so steht am Ende ein schmerzhafter Abschied an.

    Kelly Reichardt bleibt ihrem asketischen Stil treu und erzählt ihre Geschichte ausgeprägt reduziert. Sie beschreibt mehr einen Zustand – und der ist kein behaglicher. Inspiriert von Hurrikan Katrina stellt sie bedrückende Fragen: Wie man ohne soziale Absicherung in den USA überleben kann, aber auch, ob die Gesellschaft noch zusammenhält, oder jeder auf sich gestellt ist. Die großartige Michelle Williams stellt sich als Wendy diesen Bedingungen mit kämpferischer Würde, aber findet keinen Ausweg aus der Abwärtsspirale in einer feindlichen Welt, die eher an Wildnis denn an Zivilisation gemahnt. tk.

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