Filmhandlung und Hintergrund

Kontemplative Betrachtung einer Gruppe von Zisterziensermönchen, die in Algerien in die Mühlen islamistischer Gewalt gerät.

Bis Mitte der Neunzigerjahre gelingt es einer Gruppe von französischen Mönchen in ihrem Kloster in den Bergen des algerischen Maghreb, mit der muslimischen Bevölkerung in friedlicher Koexistenz zu leben. Als kroatischen Arbeitern nicht weit vom Kloster entfernt die Kehle durchschnitten wird, holt der Terror die Männer ein. In der Weihnachtsnacht dringt der Bandenführer ins Kloster ein und fordert Medikamente und einen Arzt für seine verletzten Kämpfer, was der Abt ablehnt. Die Situation eskaliert.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

    1. Der französische Film „Von Menschen und Göttern“, der in Cannes mit dem Grand Prix der Jury ausgezeichnet wurde, schildert die letzten Monate im Leben von Mönchen, die 1996 in Algerien entführt und ermordet wurden. Regisseur Xavier Beauvois konzentriert sich in seinem Spielfilm, der nüchtern wie eine Dokumentation inszeniert ist, auf die Todesangst, mit der die französischen Mönche in dieser Zeit ringen. Die gläubigen Männer werden sehr menschlich, aber auch mit Respekt vor ihrer großen Frömmigkeit porträtiert. Die stillen Bilder aus dem Kloster und die näherrückende Bedrohung von außen erzeugen eine packende Atmosphäre. Die Entscheidung der Mönche, zu bleiben und ihre Begründungen dafür eignen sich für kontroverse Diskussionen.

      Die acht Mönche aus Frankreich verbringen ihre Tage am Fuße des Atlas mit Feld- und Bauarbeiten und mit viel Gebet. Die muslimischen Dorfbewohner missionieren sie nicht. Am Anfang des Films besuchen einige Mönche sogar eine Beschneidungszeremonie, zu der sie ein Arbeiter eingeladen hat. Die Menschen im Dorf unterhalten sich kaum mit den christlichen Männern, schon weil sie untereinander nicht Französisch sprechen und manche von ihnen die Sprache gar nicht können. Aber sie besuchen die ärztliche Praxis im Kloster. Hier behandelt der großväterlich gute Mönch und Mediziner Luc und gibt ihnen Medikamente, manchmal auch Schuhe.

      Die Dorfältesten berichten den Klosterbrüdern, dass die Menschen Angst vor den islamistischen Rebellen haben und bitten die Mönche, nicht wegzuziehen. Die Regierung, zu der die Mönche Distanz halten, legt ihnen hingegen nahe, nach Frankreich zurückzukehren, weil sie sie nicht schützen kann. Christian, der Vorsteher des Klosters, lehnt militärische Bewachung für seine Leute kategorisch ab. Seine Mitbrüder aber stellen ihn deswegen zur Rede. Sie debattieren emotional, denn manche sind fürs Bleiben, manche zunächst fürs Weggehen. In bewegenden Szenen wird dabei um den Sinn ihrer Anwesenheit gerungen. Wenn Christian zum Beispiel sagt, sie gäben dem Dorf in diesen schweren Zeiten Hoffnung, so schwingt in seinen Worten auch etwas Hilfloses mit. Das Kloster entpuppt sich für diese kleine Gruppe als Zufluchtsstätte. Die Männer, deren Aufgabe es ist, zu dienen, werden sich ihres menschlichen Bedürfnisses nach Geborgenheit bewusst.

      Wenn sie Besuch von bewaffneten Islamisten bekommen oder von aggressiven algerischen Soldaten, beeindrucken die Mönche mit ihrer friedfertigen Standhaftigkeit. Ihre Todesangst, das Warten auf die Zerstörung, die jeden Augenblick von draußen kommen kann, versuchen die Mönche im Gebet mit sich allein auszumachen, doch das gelingt keinem von ihnen wirklich. Während draußen ein Armeehubschrauber mit bedrohlichem Lärm kreist, fassen sich die Männer in ihrer Kapelle an den Schultern und singen, so laut sie können.

      Lambert Wilson als Christian und Michael Lonsdale als der Arzt Luc stellen ihre Charaktere als Individuen dar, die man verehren muss, je mehr man von ihrer tiefen Frömmigkeit und ihrer Bereitschaft, sich selbst zu prüfen, aber auch von ihrem liebevollen Umgang miteinander erfährt. Auch wer sie als Narren sieht in ihrer Entscheidung, bis zum bitteren Ende zu bleiben, kommt nicht umhin, ihnen für ihren Kampf um Haltung Respekt zu zollen. Auch wenn sie sich vielleicht nur an ein Gemäuer klammerten, weil sie ihrem Leben keinen neuen Sinn mehr geben konnten.

      Fazit: Bewegendes, in dokumentarischem Stil inszeniertes Drama über eine Gruppe von französischen Mönchen, die in Algerien in Todesangst ausharren.
    2. Von Menschen und Göttern: Kontemplative Betrachtung einer Gruppe von Zisterziensermönchen, die in Algerien in die Mühlen islamistischer Gewalt gerät.

      Kontemplative Betrachtung einer Gruppe von Zisterziensermönchen, die in Algerien in die Mühlen islamistischer Gewalt gerät.

      Im März 1996, der Periode des blutigen Konflikts zwischen der algerischen Regierung und islamistischen Terroristen, wurden sieben französische Mönche aus einem Kloster im Atlas entführt, ihre abgeschlagenen Köpfe lagen zwei Monate später am Rande der Straße, die Körper blieben verschollen. Eine genaue Aufklärung der verbrecherischen Tat fehlt bis heute. Xavier Beauvois nimmt dieses Faktum als Ausgangspunkt für die subtile Betrachtung einer kleinen Gemeinschaft, deren christliche Ideale mit der Wirklichkeit kollidieren. Dabei verzichtet er auf eine Rekapitulation der Ereignisse und liefert stattdessen eine verstörende Auseinandersetzung um menschliche Angst, Verantwortung und Courage. Nicht nur den Großen Preis der Jury, sondern eine Goldene Palme hätte er verdient.

      Konzentriert fokussiert sich das Drama auf die Monate vor dem grausamen Geschehen – Arbeit im Garten, Versorgung von Kranken, Betreuung der Dorfbevölkerung, gemeinsame Gebete und Choräle, die Stille und Kontemplation unter den Ordensbrüdern. Aus ihrer persönlichen Perspektive erlebt der Zuschauer eine Normalität in unnormalen Zeiten. Die von der islamischen Bevölkerung geachteten Mönche leben ihre Spiritualität und sind dennoch im Alltag verwurzelt. Als kroatischen Arbeitern nicht weit vom Kloster entfernt die Kehle durchschnitten wird, holt der Terror die Männer ein, sogar in der Weihnachtsnacht dringt der Bandenführer ins Kloster ein und fordert Medikamente und einen Arzt für seine verletzten Kämpfer, was der Abt ablehnt. Die Mönche riskieren zwischen brutalen Rebellen und brutaler Regierung zerrieben zu werden. Die Situation eskaliert und es stellt sich die Frage, bleiben oder nach Frankreich zurückkehren. In einem kontroversen Prozess fällt in innerer Zerrissenheit die selbstlose Entscheidung, nicht aufzugeben trotz aller möglichen Konsequenzen. Die Kraft des Glaubens verleiht ihnen Stärke auf dem Weg zum Martyrium.

      Mit seinem fünften Spielfilm in achtzehn Jahren gelingt Beauvois ein virtuos inszeniertes Meisterwerk, das durch sachte Langsamkeit und kühle Nüchternheit besticht, durch Gemeinschaftsrituale und Gemeinschaftsgefühl. Er gestaltet einen spiritueller Mikrokosmos eingebettet in einer berauschend schönen Landschaft. Die formale Strenge der Kamera zwingt zum Hinsehen. Wenn bei den Klängen von „Schwanensee“ das letzte Abendmahl gefeiert wird und der Blick sich in gelassener Ruhe auf die Gesichter richtet, nimmt man teil an einem außergewöhnlichen und großen Kinomoment. mk.
    3. „Wertvoll”

        In einem kleinen Dorf in Algerien leben Mitte der Neunziger Jahre neun Trappistenmönche in einem Kloster und verrichten in stiller Einigkeit mit den muslimischen Dorfbewohnern ihre tägliche Arbeit. In diese kleine harmonische Welt stößt eines Tages der gewaltsame Konflikt, der zwischen algerischen Regierungstruppen und GIA-Rebellen herrscht. Algerische Freiheitskämpfer bedrohen die Mönche und verlangen die Herausgabe aller Medikamente. Die Mönche widersetzen sich, bieten aber ärztlichen Beistand an, wenn Verletzte zu ihnen ins Kloster kommen. So, wie sie jedem Menschen helfen, der zu ihnen kommt. Parallel wächst der Druck der Regierung auf die Mönche, das Land zu verlassen. Regisseur Xavier Beauvois schafft es, mit einer unaufdringlichen leisen Erzählweise und einem fast schon elegischen Gefühl für Zeit und Raum den gewaltlosen Widerstand der Mönche in Bilder zu packen. Die Entscheidungsfindung jedes Einzelnen, im Kloster zu bleiben oder es zu verlassen, wird klar herausgearbeitet – am Ende entscheiden sich alle zum Bleiben, denn jetzt und hier werden sie am meisten gebraucht, ungeachtet der Gefahr, der sie sich persönlich aussetzen. Die liturgische Musik spiegelt die meditative Lebensweise der Mönche und dennoch liegt die Bedrohung immer diffus im Raum. Wer sich dann noch darüber bewusst wird, dass es sich hier um eine wahre Geschichte handelt, der begreift das ganze Ausmaß der Tragödie. Ein Film über Mut in der Ausweglosigkeit. Stark, emotional und tieftraurig.

        Jurybegründung:

        VON MENSCHEN UND GíTTERN ist ein Denkmal für neun Trappistenmönche, die sich in Algerien in ihrem Kloster trotz ärgster Bedrohungen dafür entscheiden, Menschlichkeit, Nächstenliebe und Glaube höher zu stellen als die Angst vor einem gewaltsamen Tod. Sie leben schon lange in der Nähe eines Dorfes in voller Harmonie mit ihren muslimischen Bewohnern, stehen ihnen mit Rat und Tat in allen Lebenslagen zur Seite. Nur die politische Lage spitzt sich zu, radikale Rebellentruppen ziehen marodierend durch das Land, ermorden kroatische Arbeiter. Die Regierung setzt die Mönche unter Druck, sie sieht sich nicht im Stande, das Kloster zu schützen. Aus ihrem tiefen Glauben heraus helfen die Mönche allen ohne Ansehen der Person, auch den Rebellen. Tag für Tag rückt die Bedrohung näher, die Konflikte außerhalb der Klostermauern verschärfen sich und brechen dramatisch in den Mikrokosmos der Tagesabläufe des Klosters ein.

        Wir bekommen einen beeindruckenden Einblick in den Alltag der Mönche, die wie in einer großen Familie zusammen stehen. VON MENSCHEN UND GíTTERN ist auch ein Film über die Zeit. Mit großer Ruhe folgt die Kamera in klaren unverkrampften Einstellungen dem Rhythmus von täglichen Verrichtungen und religiöser Hingebung, aus der diese Menschen ihre Kraft beziehen, um den Weg in ihre ungewisse Zukunft gehen zu können. Wir begreifen, wie sich Zweifel und Ängste ausdrücken. Selbst in größter Bedrohung zeigen die Mönche Stärke, nehmen am Ende gelassen ihr Schicksal an. Als sie entscheiden müssen zu bleiben oder aufzugeben, hören wir acht Minuten ein Stück aus Tschaikowskis ?Schwanensee‘ ohne Kürzungen, dazu die Gesichter der Mönche in Großaufnahme. Wohl wissend, dass das die letzte friedliche und fröhliche Zusammenkunft sein wird, drücken sie mit ihrem Lächeln eine fast übernatürliche Glückseligkeit aus, der aus dem Inneren ihres Glaubens kommt.

        Auch wenn man die Klostergründungen in islamischen Staaten als Bestandteil des Kolonialismus begreift, die politischen Hintergründe der Gegenbewegungen in Algerien um 1996 mit einbezieht und man selbst kaum Bezüge zur Tiefe der religiösen Botschaft hat, ist das Miterleben der genauen Beschreibung des gewaltlosen Widerstands der Mönche, ihrer in meditativen liturgischen Gesängen und Ritualen erreichten Festigkeit gegen die allgegenwärtige Bedrohungen, ein starkes in sich geschlossenes Bekenntnis. Es zeigt, wie Menschen auch in ausweglosen Situationen den Mut aufbringen können, standhaft zu bleiben. Auch wenn die Ausweglosigkeit und die Folgen für das eigene Leben klar erkennbar sind. Dass der Film eine historisch reale Tragödie in Algerien nachzeichnet, macht umso mehr betroffen.

        Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)

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