Vier Minuten

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   2006

Vier Minuten: Chris Kraus' international gefeiertes und ausgezeichnetes Drama über zwei grundverschiedene Frauen und die Leidenschaft zur Musik, die sie verbindet.

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Filmhandlung und Hintergrund

Vier Minuten: Chris Kraus' international gefeiertes und ausgezeichnetes Drama über zwei grundverschiedene Frauen und die Leidenschaft zur Musik, die sie verbindet.

Die 21-jährige Jenny (Hannah Herzsprung) ist noch keiner Auseinandersetzung aus dem Weg gegangen. Deshalb muss die junge Mörderin nun eine Gefängnisstrafe antreten. Da ihre Hände sowohl Wächter krankenhausreif prügeln, als auch hingebungsvoll Schumann spielen können, soll die strenge Klavierlehrerin Traudel Krüger (Monica Bleibtreu) sie unter die Fittiche nehmen. Obwohl Jenny ihre Wut nun an der 80-jährigen Mitgefangenen auslässt, verbindet die zwei äußerst schwierigen Menschen zumindest eines: die Liebe zur Musik.

Hochemotionaler und vielfach ausgezeichneter Festivalhit von Chris Kraus (“Scherbentanz”), der in seinem Drama um große Gefühle eine an die Substanz gehende Performance zweier Schauspielerinnen bietet. Kraftvoll der Wechsel von Selbstzerstörung und -verwirklichung.

In einem Frauengefängnis kreuzen sich die Schicksale der über 80-jährigen Traude Krüger und der 21-jährigen Jenny. Erstere ist die alt gediente Klavierlehrerin, die Jüngere ein neuer aufsässiger Häftling. Obwohl Jenny die alte Dame vor den Kopf stößt, wo sie nur kann, fördert Traude ihr Talent nach Kräften. Für die gemeinsame Chance eines Klavierwettbewerbs müssen beide sich öffnen und dunkle Geheimnisse preisgeben.

Die über 80-jährige Traude Krüger (Monica Bleibtreu) ist eine al eingesessene Klavierlehrerin in einem Frauengefängnis. Sie hat dort nicht nur mit ihren Schülerinnen zu kämpfen, sondern auch mit der Gefängnisleitung, die den Sinn der Klavierstunden nicht wirklich nachvollziehen kann. Zu allem Überfluss ist ihre neue Schülerin, die 21-jährige Jenny, alles andere als einfach. Doch obwohl die aufsässige Jenny die alte Dame vor den Kopf stößt, wo sie nur kann, fördert Traude ihr Talent nach Kräften.

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Kritikerrezensionen

  • Zwei auf den ersten Blick äußerst gegensätzliche Charaktere lässt Chris Kraus in seinem zweiten Spielfilm „Vier Minuten“ aufeinanderprallen: die strikte, verhärmte Klavierlehrerin Traude Krüger, die in Kategorien von Pflicht, Schuld und Demut denkt, und das junge, aber rebellische Musikgenie Jenny, das dramaturgische Gegenstück zu der verbitterten alten Dame. Doch im Verlauf des kraftvollen Dramas stellt sich heraus, was die beiden ungleichen Frauen verbindet: beide sind sie in sich selbst, in ihrer Vergangenheit, ihren Traumata gefangen. Gefühle können sie nur in Musik oder in Aggressionen ausdrücken.

    Unerbittlich trietzt Frau Krüger ihren Schützling. Was die Klaviermusik angeht, lässt sie nur ihre eigene Meinung gelten und von Jennys furios in Szene gesetzter „Negermusik“ will sie nichts hören. „Ich interessiere mich nur für die Musik“, betont die alte Dame immer wieder. Doch mit Jennys eruptiven Wutausbrüchen konfrontiert kommt sie mit dieser Formel bald nicht mehr weiter. Je mehr sie über die junge Frau erfährt, desto mehr Raum gewinnt auch ihre eigene Geschichte – eine Geschichte über die Liebe zu einer jungen Frau, die von den Nazis zum Tode verurteilt wurde.

    Immer wieder legen sich die Bilder der Vergangenheit über die Gegenwart, bestimmte Stücke lassen längst vergangene Situationen wieder aufleben. Grau und kalt ist die Welt des Gefängnisses, wie sie Judith Kaufmann mit ihrer Kamera einfängt, düster auch die Erinnerung. Und wenn sich dann wie in der Anfangssequenz doch einmal die Morgensonne über den Backsteinbau legt, scheint dies nur eine Illusion zu sein.

    Regisseur Chris Kraus vermeidet es, aus Traude Krüger einen Gutmenschen zu machen, der aus Musik- und Nächstenliebe den Häftlingen Klavier spielen beibringt. Trotz aller guten Intentionen ist sie eine Figur mit dunklen Seiten, niemand, der den Zuschauer sofort zur Identifikation einlädt. Genau so wenig wie Jenny, der Vulkan, bei dem man nie sicher sein kann, wann er das nächste Mal ausbricht. Monica Bleibtreu als Traude Krüger überzeugt dabei ebenso wie die leidenschaftlich agierende Hannah Herzsprung – wohl die Entdeckung des Films.

    Mit Liebe zum Detail und dem Mut zu exzentrischen Ausbrüchen der Figuren stellt Kraus die Annäherung der beiden ungleichen Antiheldinnen dar. Abwehrhaltung und Zuneigung changieren dabei permanent, so dass zu keinem Moment das süßliche Pathos eines „Die Kinder des Monsieur Matthieu“, „Wie im Himmel“ und anderer Filme über die Kraft der Musik aufkommen kann. Allenfalls die Erinnerungsszenen Frau Krügers kommen manchmal etwas überladen daher, doch das wiegt „Vier Minuten“ mit rauen Momenten und humorvollen Spitzen problemlos wieder auf.

    Fazit: Eine Sonate voller Wucht mit zwei glänzenden Hauptdarstellerinnen.
  • Großes Gefühlsdrama um die Begegnung einer älteren Pianistin und einer jungen Mörderin, die zwischen Selbstzerstörung und Selbstverwirklichung taumelnd in der Kraft der Musik die Kraft zum (Über)Leben findet. Die verstörende Performance sollte für Hannah Herzsprung den Durchbruch bedeuten.

    Standing Ovations in Hof, Preis als Bester Film in Shanghai, Haupt- und Publikumspreis in Biberach, weltweite Verkäufe: Chris Kraus kann zufrieden sein. Sein zweiter Film nach “Scherbentanz” hat all das, was das Kinopublikum liebt – extreme Gefühle, Figuren, die Reibungen provozieren, bis an die Substanz gehende emotionale Machtkämpfe, eine austarierte Balance zwischen Poesie und Härte und zwei Schauspielerinnen, die die Leinwand zum Beben bringen: die erfahrene Monica Bleibtreu als Pianistin Traude Krüger, die seit 60 Jahren im Gefängnis Klavierunterricht gibt und Hannah Herzsprung in ihrer ersten Hauptrolle als unberechenbare Mörderin Jenny, die in Zorn und Traurigkeit erstickt, ihre brennende Sehnsucht nach Zuneigung mit tiefem Hass und wilder Wut kaschiert. Dazu eine hochkarätige Besetzung bis in die kleinste Nebenrolle hinein, Judith Kaufmanns virtuose Kamera und eine fulminante Musik. Die beiden Frauen schenken sich nichts und wenn die Lehrerin in der ersten Stunde die wichtigste Regel aufstellt: “Sei demütig. Es geht nicht um dich”, ist es bis zum ersten Zusammenprall nicht weit.

    Troublemaker Jenny schlägt zurück, bevor ein anderer sie schlagen kann, so prügelt sie einen der Wächter krankenhausreif und geht keiner gewalttätigen Konfrontation aus dem Weg. Aber der Widerspenstigen Zähmung gelingt, jedenfalls spielt sie, vor ihrer Inhaftierung ein musikalisches Wunderkind, sogar hingebungsvoll Schumann, auch wenn sie lieber mit blutenden Händen Rock’n’Roll in die Tasten haut. Und irgendwie gelingt die vorsichtige Annäherung zwischen den gegensätzlichen Figuren – der Alten, die in früher Jugend Schuld auf sich lud und seitdem wie traumatisiert dem Leben nur zuschaut, und der Jungen, die das Leben aus diffuser Rebellion heraus verweigert. Beide sehr reserviert, sehr willensstark, sehr verletzbar und gleichzeitig sehr verletzend. Wenn am Ende Traude Krüger dem Mädchen hilft, heimlich die Zelle zu verlassen, um gegen alle Widerstände am Talentwettbewerb teilzunehmen, geht sie erstmals in ihrer Existenz aus der Gefühlsdeckung. Herzzerreißend die letzte Szene, in der Hannah Herzsprung ihre Musik spielt, nicht Schumann, sondern die “Negermusik”. Sie kostet die vier ihr verbleibenden Minuten auf der Bühne aus, kommt endlich bei sich an, macht Frieden mit sich. Dass anschließend coram publico die Handschellen klicken, nimmt ihr nicht die Freiheit, die hat sie in sich selbst gefunden. Die innere Melodie des eingefrorenen Bildes klingt lange nach. mk.

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