Filmhandlung und Hintergrund

Im Jahr 1933 angesiedelte Allegorie, in der Nazis einen jüdischen Viehhändler systematisch aus ihrem Dorf treiben.

Wie jedes Jahr kommt der jüdische Viehhändler Levi ins Dorf, um Geschäfte und diesmal der Bauerntochter Lisbeth seine Aufwartung zu machen. Doch vor ihm ist die Reichsbahn gekommen. Ingenieur Fabian, seine Sekretärin und ein Trupp Arbeiter treiben Levi systematisch aus dem Dorf. Der einzige Widerständler, der Arbeitslose Paul, bleibt machtlos.

Geschäfte und die Liebe zu Lisbeth, der Tochter des Horger-Bauern, führen den alteingesessenen Viehhändler Levi im Frühling 1933 einmal mehr in ein abgelegenes, ihm wohlbekanntes Schwarzwaldtal. Doch hier hat sich einiges verändert. Mit dem Berliner Ingenieur Kohler und dessen Bautrupp, der den Eisenbahntunnel reparieren soll, hat ein neuer Geist Einzug gehalten. Im Wirtshaus läuft der Volksempfänger, den Stammtisch ziert ein Nazi-Fähnchen. Aus dem Viehhändler wird der Jude, den nun keiner mehr mag – außer Lisbeth…

Viehhändler Levi besucht 1933 ein abgelegenes Schwarzwaldtal. Dort hat die tumbe Naziideologie Einzug gehalten, Levi wird nun als Jude verachtet, nur Lisbeth, eine Bauerntochter, hält weiter zu ihm. Differenziert und ohne Klischees wird Judenverfolgung und Fremdenfeindlichkeit zum Thema erhoben, das alle Altersschichten anspricht.

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Kritikerrezensionen

  • Viehjud Levi: Im Jahr 1933 angesiedelte Allegorie, in der Nazis einen jüdischen Viehhändler systematisch aus ihrem Dorf treiben.

    Filme nach Theaterstücken laufen oft Gefahr, statisch und dialoglastig zu wirken. Nicht so dieser nach einer Vorlage des 1995 gestorbenen Dramatikers und Drehbuchautors Thomas Strittmatter, der vor allem durch seine Zusammenarbeit mit Jan Schütte („Drachenfutter“, „Winckelmanns Reisen“, „Auf Wiedersehen, Amerika“) bekannt wurde. Was sich 1935 in einem Dorf in einem Tal im Schwarzwald abspielt und als Allegorie auf den erstarkenden Nationalsozialismus angelegt ist, kann bruchlos auf heutige Verhältnisse von Fremdenfeindlichkeit und Ausländerhaß, Ausgrenzung und Fanatismus übertragen werden: ein Lehrstück, aber packend und blutvoll inszeniert.

    Wie jedes Jahr kommt der jüdische Viehhändler Levi (eine Entdeckung: Bruno Cathomas) ins Dorf, um Geschäfte zu machen und diesmal der Bauerntochter Lisbeth seine Aufwartung zu machen. Doch vor ihm ist die Reichsbahn gekommen: Ingenieur Fabian (perfide machtbewußt: Ulrich Noethen), seine Sekretärin und Geliebte (Martina Gedeck als erotische Nazifrau mit Vamp-Allüren unter Bauern) und ein Trupp Arbeiter zeigen den Dörflern, woher der Wind weht und treiben Levi systematisch aus dem Tal. Da kann auch der einzige „Widerständler“, der Arbeitslose Paul (schön schlitzohrig: Bernd Michael Lade), nur Nadelstiche gegen „die braune Scheiße“ verteilen.

    Regisseur Didi Danquart („Wundbrand“) hat die Situation der Eingeschlossenen im Schwarzwaldtal auf dramaturgisch höchst wirkungsvolle Szenen hin arrangiert, in denen Ignoranz, Opportunismus und Feigheit den Frieden vertreiben und die dumpfe Biermöselblasn-Zeit anbricht. In den ironischen Passagen voll gelungen (der Handel, das Tanzvergnügen, Fabians Zaubereien) und von einem wunderbaren Darstellerensemble getragen, verdient die Parabel über Faschismus und ethnische Konflikte ein Publikum, das durch „Aimée & Jaguar“ oder „Comedian Harmonists“ auf die Zeit eingestimmt ist. ger.

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