Filmhandlung und Hintergrund

TV-Familiendrama um einen Stadtplaner, dessen berufliche Fixiertheit dazu führt, dass seine Frau sich von ihm abwendet.

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Kritikerrezensionen

  • Verhältnisse: TV-Familiendrama um einen Stadtplaner, dessen berufliche Fixiertheit dazu führt, dass seine Frau sich von ihm abwendet.

    In seiner zweiten Regiearbeit erzählt Stefan Kornatz von der Tragödie eines Geschäftsmannes, der über Nacht seinen Job, sein Haus und seine Familie verliert.

    Für sein beklemmendes Scheidungsdrama konnte Stefan Kornatz, der hier seine zweite TV-Regiearbeit vorstellt, zwei illustre Individuen deutscher Schauspielkunst vor der Kamera vereinen: Nicolette Krebitz, schon früh kinoerfahren („Bandits“) und inzwischen selbst Filmemacherin („Das Herz ist ein dunkler Wald“), und Devid Striesow, der zum erlesenen Ensemble des Oscar-prämierten „Die Fälscher“ zählte und für seine eindringliche Darstellung an der Seite von Nina Hoss in „Yella“ den Preis der Deutschen Filmkritik erhielt. Diese beiden sind Dreh- und Angelpunkt in „Verhältnisse“, der mit einer eleganten Soiree im luxuriösen Anwesen der Familie Schneider beginnt. Doch die schöne heile Welt zwischen Sushi und Champagner ist nur Fassade, Philipps (Striesow) hoch verschuldete Städteplanungsfirma steht vor dem Aus, seine vernachlässigte Frau Kerstin (Krebitz) ist längst in die Arme des verständnisvollen KiTa-Mitarbeiters Daniel (Lars Eidinger aus „Alle Anderen“) geflohen. Als Philipp auch noch von seinem besten Freund und Partner Lorenz (Harald Schrott) hintergangen wird, rastet er völlig aus, sucht Zuspruch beim Alkohol, schlägt gar im Affekt seine Frau. Am Ende hat er alles verloren, seinen Job, sein Haus, seine Familie mit den beiden Söhnen Emil und Jim, vor allem aber sein Selbstwertgefühl. Trotzdem beginnt er, für Kerstin und die Kinder zu kämpfen, ein aussichtsloses Unterfangen.

    Nahezu beiläufig passieren die Katastrophen im Alltag dieser gutbürgerlichen Familie, die etwas durchmacht, das in Zeiten der Wirtschaftskrise im Prinzip jeden von uns treffen kann. Fast emotionslos ergibt sich Striesow, der hier ähnlich minimalistisch spielt wie unter Petzold, in sein Schicksal, nimmt etwa Krebitz‘ monotones Urteil „Ich liebe dich nicht mehr“ ohne Regung hin. Nur manchmal, wenn er mit den Jungs ausgelassen im Freibad herumtollt, spürt man, dass es einmal so etwas wie Feuer und Leidenschaft hinter dieser ausgebrannten Hülle gab. Kornatz, der als Regieassistent u.a. bei Hajo Gies und Lars Kraume lernte, verzichtet auf Fahrten, Schwenks und schnelle Schnitte, die Bilder sind klar und starr und verstärken so die Ohnmacht und Hilflosigkeit der Figuren. Ähnliches gilt für die spartanisch eingesetzte Musik, die aus wenigen traurigen Pianoklängen besteht. Auffallend ist die Einbeziehung atmosphärischer Geräusche wie etwa Flugzeuglärm, der die unmittelbare Nähe des (Frankfurter) Flughafens suggeriert (ein Stilmittel?), oder Blätterrauschen und Wassergeplätscher, das die wenigen glücklichen Momente (von Kerstin) begleitet (als Stilmittel erkennbar). Auch symbolträchtige Aufnahmen von einem toten Vogel am Ufer oder ein Crash auf der Carrera-Bahn dienen als Vorboten für jene schrecklichen Ereignisse, die da noch kommen mögen. Insgesamt ist „Verhältnisse“ ein mutiger Film, weil er mit gängigen Erzählrhythmen bricht und seine Story konsequent und ohne Hoffnung auf ein Happy End zu Ende bringt. lasso.

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