Vergiss mein Ich

  1. Ø 0
   2014
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Filmhandlung und Hintergrund

Vergiss mein Ich: Intensives Drama um eine Frau, die an Amnesie leidet und das Leben, ihr Leben mit der Hilfe ihres Mannes neu entdeckt.

Eine nicht bzw. zu spät diagnostizierte Enzephalitis führt dazu, dass Lena ihr biographisches Gedächtnis verliert. Die Diagnose lautet „retrograde Amnesie“, das heißt, dass die Akademikerin niemanden mehr erkennt – weder sich, ihren Mann noch ihre Freunde. Sie ist zwar noch der Sprache mächtig, versteht aber die Bedeutung von Worten wie Liebe oder Wut nicht mehr. Sie muss sich „neu erfinden“. Dabei hilft ihr Gatte Tore. Geduldig stellt er seiner Frau die Lena vor, die er erlebt hat und sorgt so dafür, dass sie sich selbst (wieder) kennen lernt.

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Kritiken und Bewertungen

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    Die Diagnose ist hart, plötzlich und schlägt eine tiefe Schneise in Lenas Leben: Aufgrund einer nicht behandelten Gehirnentzündung hat sie ihr biographisches Gedächtnis verloren. Sie weiß, dass Paris die Hauptstadt Frankreichs ist, sie weiß, wer die Kanzlerin ist - aber über sich selbst weiß sie nichts. Die Liebe zu ihrem Mann, die Beziehung zu Freunden und Kollegen, die Fähigkeit, Gefühle zuordnen zu können, all das fehlt Lena. Und ihr Mann Tore möchte es ihr wiedergeben. Er geht mit ihr an Orte, die sie liebte und erzählt ihr von all den Dingen, mit denen sie zu tun hatte. Doch Lena kann die Verbindung an die Vergangenheit nicht knüpfen. Sie weiß nicht, wer sie ist. Nur eines ist sicher: Sie wird nie mehr die Lena sein, die sie einmal war. Der neue Film von Jan Schomburg lässt dem Zuschauer kaum Zeit, Lena vor der schrecklichen Diagnose kennenzulernen. Mit ihr zusammen wird er mit dem Verlust von Lenas Identität konfrontiert und muss das Puzzle ihrer Persönlichkeit Stück für Stück zusammensetzen. In einer darstellerischen Tour-de-Force verkörpert Maria Schrader diese Frau, die sämtliche Gefühle neu lernen muss und verzweifelt versucht, es allen recht zu machen. Ihre "Gehversuche" entbehren an manchen Stellen nicht einer subtilen Komik, wofür Schomburgs Drehbuch, das viele subtile Unter- und Halbtöne zulässt, immer wieder sorgt. Johannes Krisch ist ebenfalls großartig als Tore, der noch einmal einen anderen Blick auf das Geschehen ermöglicht. Nach und nach offenbart er die Verzweiflung des Ehemanns, der seine Frau wiederhaben möchte und feststellen muss, dass sie ihm entgleitet. So wie die Freunde, die nicht mehr wissen, ob die Frau vor ihnen noch "ihre" Lena ist. Eine fast surreale und traumhafte Stimmung durchzieht viele Szenen, bis zum Schluss, als Lena feststellt, dass sowieso immer "eine Lücke bleiben wird", und in die Unschärfe des Bildes entschwindet. Zwischen großen Gefühlen und trockener Ernüchterung changierendes, eindringliches Drama über das Vergessen der Identität. Und das Wiederfinden des Ichs.

    Jurybegründung:

    Es ist ein kaum vorstellbarer Albtraum: Nach einer Enzephalitis verliert Lena Ferben ihr biographisches Gedächtnis und hat keinerlei direkten Zugang mehr zu ihrem eigenen Ich. Sie schwebt in einem luftleeren Raum, in dem sie nichts mehr mit ihrer Biographie verbindet und in dem sie jeglichen Zugang zu Gefühlen und Menschen in ihrer Umgebung verloren hat. Dieser Gedächtnisschwund, eine sogenannte "retrograde Amnesie", führt dazu, dass sie, um überhaupt noch als Mensch "funktionieren" zu können, sich alles versucht anzulesen, was ihre Person einst ausgemacht hat. Sie lernt sich selbst wie eine Rolle auswendig und tastet sich mühsam an ihr früheres Leben heran. Ihr Mann Tore, mit dem sie seit vielen Jahren zusammen ist, bemüht sich, ihr dabei hilfreich zur Seite zu stehen, aber auch er stößt immer wieder an Grenzen, die er nicht überwinden kann. Vor allem aber beginnt Lena nach einem neuen Ich zu suchen, Erfahrungen zu sammeln, die sie längst verloren hat, und sich dadurch eine neue Persönlichkeit zu schaffen, die nur noch sehr vage mit ihrem alten Ich zu tun hat. Auch sie, die wie eine Schlafwandlerin durch die Ruinen ihres alten Lebens geht, wird dabei immer wieder auf Grenzen zurück geworfen, und da es ihr an der Möglichkeit mangelt, Empathie zu fühlen und emotionale Brücken zu bauen, verletzt sie auf ihrem Weg in ein neu bestimmtes Leben jene Menschen, die ihr nahe stehen. Maria Schrader verkörpert die Frau auf der Suche nach dem verlorenen Leben, bzw. nach einer neuen Identität mit großer Intensität und Authentizität. Aber auch die anderen Darsteller, allen voran Johannes Krisch in der Rolle des verzweifelten Ehemanns Tore, verleihen dieser dunklen Geschichte voller seelischer Abgründe eine starke emotionale Tiefe. Die Fragen, die der Film aufwirft, aber weder beantworten kann noch möchte, werden in immer neuen szenischen Konstellationen gestellt: Was bedeutet der Verlust der Biographie für das Überleben in alten familiären und gesellschaftlichen Gegebenheiten, wie kann man sich neu erfinden, wenn die Vergangenheit nicht mehr existiert, und wie können die davon genauso davon betroffenen Mitmenschen damit fertig werden? Ein verstörender Film, dessen Thema Parallelen zu den Dramen um Menschen mit Demenz und Alzheimer aufweist, die ja ähnlich wie Lena Ferben ihre Vergangenheit verlieren, anders aber als Lena keine Chance mehr haben, sich eine neue Biographie und ein anderes Ich zu erfinden.

    Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)

Kritikerrezensionen

  • In Jan Schomburgs intensivem Drama erfindet eine von Maria Schrader mutig gespielte Akademikerin, die an Amnesie leidet, sich und ihr Leben neu.

    „Ich will doch einfach nur ich sein“, sagt Lena in einer späten Szene dieses ungewöhnlichen Dramas und bringt damit auf den Punkt worum es geht. Die Heldin, eindringlich gespielt von Maria Schrader, hat ihr biographisches Gedächtnis verloren. Auf Grund einer nicht bzw. zu spät diagnostizierte Enzephalitis wird sie mit „retrograder Amnesie“ diagnostiziert, das heißt, dass die erfolgreiche Akademikerin niemanden mehr erkennt – weder sich, ihren Mann noch ihre Freunde. Sie ist zwar noch der Sprache mächtig, beherrscht weiterhin mechanische Abläufe wie das Autofahren, versteht aber die Bedeutung von Worten wie Liebe oder Wut nicht mehr.

    Vom schwierigen Prozess zurück in die „Normalität“ zu finden, erzählt Jan Schomburg in „Vergiss mein ich“ und variiert – wie schon in seinem preisgekrönten Kinoerstling „Über uns das All“ – das Thema der Suche nach der wahren Identität. Direkt, unvermittelt steigt er in die Handlung ein, die subjektive Kamera übernimmt Lenas Blickwinkel. Auf verschwommene Gesichter schaut sie, auf erschrockene Menschen, die sie nicht (mehr) (er)kennt und die auf sie einreden. Vollkommen desorientiert ist sie, zunächst im Krankenhaus, dann in den eigenen vier Wänden. Für Lena beginnt die „Neu(er)findung“, fürsorglich unterstützt wird sie dabei von ihrem Gatten Tore (Johannes Kirsch). Aber will sie überhaupt wieder in ihre alte Biographie einsteigen?

    Um das „Ich“, das Wesen des „Ichs“, kreist die philosophische, nie didaktische, immer wieder humorvoll gebrochene Arbeit, die untersucht wie selbstbestimmt der Mensch wirklich ist. Wo verläuft die Grenze zwischen „authentisch sein“ und „sich darstellen“ – wie sehr passt man sich Erwartungshaltungen an? Tagebücher und alte Filmaufnahmen Lenas stehen fürs Gestern, im Heute lässt sie sich durch Köln treiben, erforscht die Welt neu. Ihre Sexualität keimt auf – ursprünglich und kindlich naiv -, mit einem Mann (Roland Zehrfeld), den sie in einer Kirche kennenlernt, landet sie im Bett, beim Abendessen im Freundeskreis, erzählt sie von der Affäre, die ihre beste Freundin mit ihrem Mann unterhielt. So etwas gehört sich doch nicht – oder?

    Als spannende, scharfsinnige „Therapiesitzung“ kann man diesen handwerklich sauberen, gradlinig gestalteten Film lesen, der die Beziehung von Körper und Geist, zwischen „Außen“ und „Innen“ erforscht. Der Fokus liegt ganz auf Maria Schrader, die sich ihrer Rolle mutig – und durchaus explizit – preisgibt. Ihr und ihrer Figur folgt man gerne, Bedingung ist nur, dass man sich auf diese kluge Reflexion einlässt. geh.

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