Filmhandlung und Hintergrund

Verfilmung der Erinnerungen von Marga Spiegel, die sich gemeinsam mit ihrer Tochter während des zweiten Weltkriegs auf einem Bauerhof versteckte.

1943 flüchten Marga Spiegel und ihr Mann Menne gemeinsam mit ihrer Tochter Karin vor der Verfolgung durch die Nazis. Frau und Tochter kommen auf dem Bauernhof eines Freundes unter und leben dort unter falscher Identität, während Menne, getrennt von ihnen auf Dachböden versteckt, vor Einsamkeit fast den Verstand verliert. Zwei lange Jahre dauert das für alle Beteiligten. Auf dem Bauernhof weiß zunächst nur die Hausherrin von der wahren Identität ihrer Gäste, doch auf dem großen Hof bleibt nichts lange verborgen.

1943 flüchten Marga Spiegel und ihre Tochter vor den Nazis für zwei Jahre unter falscher Identität auf einen Bauerhof. Ludi Boekens Autobiografieverfilmung mit Veronica Ferres und Armin Rohde ist nüchtern und doch ergreifend.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • „Wertvoll”

      Die Jüdin Marga Spiegel (Veronica Ferres) lebt während des Zweiten Weltkriegs in Deutschland. Statt zu fliehen, taucht sie gemeinsam mit ihrer Familie vor den Nazi unter, wobei ihre kleine Tochter und sie von Bauern auf dem Land versteckt werden. Das Geschichtsdrama ist besonders durch die Nähe zu den Protagonisten sehr bewegend und die Schicksale fesselnd bis ins Detail. Der authentische Film zeigt, zum einen Mut, Menschlichkeit, Freundschaft und auch den schmalen Grad zwischen Freud und Leid. Die brillante Besetzung und die exzellente Ausstattung machen UNTER BAUERN darüber hinaus sehenswert. Ein äußerst packender und berührender Film, der eine außerordentlich persönliche und hoch interessante Geschichte präsentiert.

      Jurybegründung:

      Menne Spiegel (auch ‚Pferdejud‘ genannt) war einst bekannt und beliebt. Als guter Deutscher hatte er sich im Ersten Weltkrieg das Eiserne Kreuz verdient. Dann kamen die Nazis an die Macht und es ging ihm und seiner Familie ans Leben. Werden die Bauern aus der Umgebung ihnen in diesen gefährlichen Zeiten helfen?

      Geduldig beantwortet der Film von Ludi Boeken diese Frage - und zwar sehr differenziert und sehr eindrucksvoll. Ruhig und mit gut durchkomponierten Bildern werden die Haupt- und Nebenfiguren in die Handlung eingeführt. Ihre Charaktere wirken glaubhaft, ihre bäuerliche Welt erscheint stimmig. Die Gefährdung der untergetauchten Familie wächst zunächst leise und latent, später ist sie forciert und dramatisch zugespitzt. In den dramaturgischen Konstellationen, die der Film sich selbst als Herausforderung stellt, erweisen sich seine herausragenden Qualitäten. Der Film hat eine bemerkenswerte Lösung anzubieten, wenn es darum geht, die ideologische Verblendung der Tochter Anni, die dem BDM angehört und den Führer verehrt, zu überwinden.

      Andere im Handlungsverlauf auftauchende Probleme werden wiederum mit der berühmten Bauernschläue bewältigt. Sehr gut inszeniert war unter anderem auch die Schweineschlachtung. Im Film werden wiederholt symbolträchtige Bildzeichen gesetzt, die keineswegs ausgedeutet bzw. verstanden werden müssen, sondern hintergründig ihre Wirkung entfalten können.

      Viele Zuschauer erwarten von einem aufregendem Kinoerlebnis auch ein ‚Wechselbad der Gefühle‘. Diese Komponente hat der Film ebenfalls zu bieten. Auf die Freude über die in Münster beschafften Papiere, folgen Entsetzen und Trauer über die Nachricht, dass der Sohn Klemens an der Ostfront gefallen ist. Begleitet werden diese Ereignisse nicht etwa von harmlosen, oberflächlichen Dialogen, sondern auch auf der Sprachebene sind die Leistungen bemerkenswert. Beispielsweise erfüllt sich das Wort ‚Vergeltung‘ mit Brisanz, die die Freundschaft zwischen Marga und Anni belastet.

      Interessant sind ebenso zahlreiche subtile Details - beispielsweise der Wechsel in den Dialekt als Herr Aschoff über den Abschiedsabend berichtet und mitteilt, was Klemens gleich zweimal über den Kuss der Mutter ‚vertellt‘ hat. Dass der früher redselige, humorvolle Menne Spiegel in der Isolation im Versteck wahnsinnig geworden ist, veranschaulicht die große Tragik, die auch dann gegeben ist, wenn das nackte Leben gerettet werden konnte.

      Liebevoll werden in einem kleinen Nachspiel die beiden Damen bei einem Set-Besuch vorgestellt, die diese Geschichte in der Realität erlebt haben. Sie sind die Vorbilder für zwei der Filmheldinnen - sie sind die realen Heldinnen. Nach eingehender Diskussion votierte die Jury für das Prädikat besonders wertvoll.

      Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)
    1. Unter Bauern - Retter in der Nacht: Verfilmung der Erinnerungen von Marga Spiegel, die sich gemeinsam mit ihrer Tochter während des zweiten Weltkriegs auf einem Bauerhof versteckte.

      Nicht alle waren Mörder: Deutsche Bauern verstecken Veronica Ferres und Armin Rohde in dem Holocaust-Drama nach Marga Spiegels Erinnerungen.

      1969 erschien das autobiografische Buch „Retter in der Nacht“, in dem die 1912 geborene Marga Spiegel schildert, wie mutige Bauern im Münsterland sie und ihre Familie zwei Jahre lang vor den Nazis versteckten. Das Ende des Films zeigt die rüstige, bald 100-jährige Seniorin, Tante des ehemaligen Präsidenten des Zentralrats der Juden, Paul Spiegel, wie sie am Set den Dreharbeiten beiwohnt. Davor schlüpft ihre Wunschschauspielerin Veronica Ferres in ihre Rolle, Armin Rohde in die ihres Mannes Menne Spiegel, der im Ersten Weltkrieg als Freiwilliger an der Westfront das Eiserne Kreuz erhielt. 25 Jahre später, 1943, will ihn sein Vaterland ermorden. Er flüchtet vor der Deportation und bittet ehemalige Kriegskameraden um Hilfe. Frau und Tochter Karin (Luisa Mix) kommen auf dem Bauernhof von seinem Freund Heinrich Aschoff (Martin Horn) unter und leben dort unter falscher Identität, während Menne, getrennt von ihnen auf Dachböden versteckt, vor Einsamkeit fast den Verstand verliert. Zwei lange Jahre dauert das für alle Beteiligten lebensgefährliche Unterfangen, das nicht nur die permanente Gefahr birgt, entdeckt zu werden, sondern auch aus der Perspektive deutscher Bauern den leidvollen Krieg vergegenwärtigt.

      Der Feind hört mit: Zunächst weiß nur die Hausherrin von der wahren Identität ihrer Gäste, doch auf dem großen Hof bleibt nichts lange verborgen. Überall lauern Denunzianten und selbsternannte Judenjäger, aber Barmherzigkeit zeigt sich an den unwahrscheinlichsten Stellen. Anrührend etwa die Szene, in der Aschoffs Tochter Anni (Lia Hoensbroech) ihr Mitleid für die durch Misshandlungen vernarbte Karin entdeckt und eingeweiht wird. Es ist beileibe nicht der einzige nahegehende Moment in einem fast dokumentarisch nüchternen, auf wenige Orte beschränkten Zeitportrait von Ludi Boeken (Produzent von „Zug des Lebens“), der zwei Jahre Kriegsgeschichte im Zeitraffer durchmisst und versucht, kein Ereignis zu vergessen. Manchmal hätte man sich eine sorgfältigere Inszenierung gewünscht, aber die differenzierte Geschichte vom Widerstand stiller Helden kommt ohne jedes Pathos aus und ist spannender als die meisten Thriller. Vor allem aber wird das Schicksal aller Beteiligten relevant und so schafft dieses Ensemble-Drama ein versöhnliches Denkmal für Menschlichkeit. tk.

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