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Transfer - Der Traum vom ewigen Leben

   Kinostart: 22.09.2011
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Filmhandlung und Hintergrund

Minimalistisches Sci-Fi-Drama, in dem gebrechliche Reiche die Körper von bettelarmen Afrikanern bewohnen: eine Meditation über ethische Grundfragen.

In der nahen deutschen Zukunft bietet eine findige Firma ein revolutionäres Geschäft an: Einen permanenten Persönlichkeitstransfer in einen jungen und gesunden Körper. Das reiche, aber alte und kranke Ehepaar Hermann und Anna lässt sich trotz moralischer Skrupel auf das Experiment ein und findet sich in zwei schönen, jungen afrikanischen Wirtskörpern wieder. Deren Persönlichkeiten erwachen jede Nacht für wenige Stunden und sind über ihr Schicksal entsetzt. Als sie ein Kind erwarten, planen sie die Flucht, ein auswegloses Unterfangen.

Ein altes deutsches Ehepaar bevölkert mit Hilfe einer Genfirma die Körper zweier junger Afrikaner. Minimalistisches Science-Fiction-Drama im Stil von „Gattaca“, das sich gewichtige Fragen auf die Schultern lädt.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • „Wertvoll”

      Helmut und Anna sind seit Jahrzehnten glücklich miteinander verheiratet. Doch nun ist Anna todkrank ohne Hoffnung auf Heilung. Der einzige Ausweg scheint das Angebot der Firma Mensana zu sein: Per Transfer der Gedanken und sämtlicher Nervenverbindungen soll der Geist von Helmut und Anna in junge Körper übertragen werden. Doch das System ist noch nicht perfekt. In Science-Fiction-Filmen wird oft eine ferne Zukunft als bedrohlicher Ausblick für die Gegenwart gezeichnet. Im Kern dieser deutschen Produktion steht eine Reduktion auf die Grundkonflikte der Menschen, die sich finanziell alles leisten können, ethisch und moralisch aber an ihre Grenzen stoßen. Wie in einer Laborsituation konfrontiert TRANSFER die Zuschauer mit allgemeinen Fragen der Menschheit, wie der der Identität oder dem Traum vom ewigen Leben. Dabei sind es die Darsteller, die diesen Konflikt so glaubhaft entstehen lassen. Jeanette Hain ist für die Rolle der kühlen und manipulierenden Wissenschaftlerin wie geschaffen und unterstützt die sterile Gesamtatmosphäre des Filmes, der daraus seine ästhetische Kraft gewinnt. Die Farb- und Lichtsetzung ist bis ins kleinste Detail stimmig ausgearbeitet. Der Film psychologisiert aufs Feinste, die aufgeworfenen Fragen muss sich jeder Zuschauer selbst beantworten. Gänsehaut-Garantie!

      Jurybegründung:

      Nicht zum ersten Mal greift ein Science-Fiction-Film den alten Menschheitswunsch nach Verjüngung beziehungsweise deutlicher Verlängerung des Lebens auf. Auch die hiermit eng verbundene Schaffung des perfekten Menschen war - vor dem Hintergrund erahnbarer und zum Teil schon real vorhandener gentechnologischer Möglichkeiten - in letzter Zeit häufiger Thema filmischer Auseinandersetzung.

      Hier werden zunächst beide Aspekte verbunden (die Verjüngung geschieht durch einen Transfer der Persönlichkeit in vollkommen erscheinende Spenderkörper), jedoch um weitere Faktoren ergänzt. Wohlhabende weiße alte Menschen bestellen bei einer Gentechnikfirma junge Spender, die samt und sonders aus der sogenannten Dritten Welt stammen, und sich opfern, um ihre Familien aus Notlagen zu retten. Tatsächlich kommt nur ein Bruchteil der Vertragssumme bei den Angehörigen an. Eine Fortsetzung also des Gegensatzes weiß und reich versus schwarz und arm auf anderer Ebene.

      Das Transfer-System ist indes noch nicht perfekt. Die schwarzafrikanischen Spender beziehen das Haus ihrer weißen Käufer, tagsüber werden sie von deren Persönlichkeiten beherrscht, nur nachts können sie unter völliger Überwachung für wenige Stunden in ihre eigentlichen Charaktere zurückkehren. Das Scheitern von vier Persönlichkeiten in zwei Körpern ist vorprogrammiert: Erinnerungsüberlagerungen sind genauso wenig bedacht wie die Tatsache, dass die alten Weißen in ihren jungen schwarzen Körpern in ihrer gewohnten Umwelt auf Ablehnung stoßen.

      Dass ein von versklavten Spendern gezeugtes Kind automatisch das Kind der ihrer Käufer-Persönlichkeiten wird, versteht sich dagegen von selbst. Oder doch nicht? Die genetische Optimierung des Kindes ist jedenfalls schon Thema, noch bevor die Frage geklärt ist, ob man es nun bekommen oder doch besser abtreiben sollte.

      Die Darsteller der jungen schwarzen Spender überzeugen in ihren Doppelrollen und mehr noch in der Auflösung derselben. Einen wichtigen Beitrag zur Vermittlung der vielschichtigen und spannenden Geschichte leistet dazu die überzeugende Kameraarbeit. Set-Design, Szenenbild und Ausstattung werden dem selbst gesetzten Anspruch nicht immer ganz gerecht, dürften aber zumindest bewusst so gestaltet sein, dass dieser Science-Fiction-Film in der ganz nahen Zukunft spielt, vielleicht gerade schon in der Gegenwart begonnen hat. Die Gier nach Schönheit um jeden Preis ebenso wie die Perfektion des menschlichen Körpers sind Thema einer zentralen ethischen Debatte unserer Zeit. Die Konsequenzen für Individuum und Gesellschaft bereits jetzt diskutierter und zum Teil schon angewendeter gentechnologischer Verfahren sind völlig unabsehbar. Dafür ist TRANSFER eine gelungene Parabel.

      Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)
    1. Transfer - Der Traum vom ewigen Leben: Minimalistisches Sci-Fi-Drama, in dem gebrechliche Reiche die Körper von bettelarmen Afrikanern bewohnen: eine Meditation über ethische Grundfragen.

      Minimalistisches Sci-Fi-Drama, in dem gebrechliche Reiche die Körper von bettelarmen Afrikanern bewohnen: eine Meditation über ethische Grundfragen.

      Damir Lukacevics zweiter Spielfilm, entstanden für „Das kleine Fernsehspiel“, ist ein bewusster Gegenentwurf zu Effekt-Opern. Das kühle Arthaus-Kopfkino erreicht langsam das Herz und nutzt seine Vision als Bühne für einen Diskurs über ein ganzes Bündel ethischer Probleme. Die Idee, seine Persönlichkeit gegen ein Millionensümmchen auf einen jungen, gesunden und schönen Körper zu übertragen, um ihn zwanzig Stunden am Tag als Avatar zu bewohnen, gerät weniger nach James Cameron denn „Gattaca“ mit all seinen philosophischen und moralischen Fragen.

      Weil nun eine reiche deutsche Elite, hier ein gebrechliches Ehepaar kurz vor dem Alterstod, sich in den Körpern mittelloser afrikanischer Flüchtlinge einnistet, werden sie nicht nur Teilzeit-Körperfresser, sondern auch Neo-Kolonialisten. Die Wirte kommen nachts für wenige Stunden zu sich und entdecken, dass ihnen der skrupellose Konzern, die Humantechfirma Menzana, übel mitgespielt hat. Die beiden Spender verlieben sich und fassen einen aussichtslosen Fluchtplan, womit sich das Themenspektrum um einen romantischen und einen weiteren psychologischen Aspekt erweitert, den des Doppelgänger, der gespaltene Persönlichkeiten, Nachtwesen.

      Als die junge Frau schwanger wird, stecken alle vier in einem Dilemma, das sowohl grundlegende philosophische Themen wie Körper und Geist, als auch aktuelle wie den Menschen als Ware abhandelt, in seiner etwas hüftsteifen Künstlichkeit vielleicht nicht so elegant wie „Alles, was wir geben mussten“, aber doch vielschichtig und umfassend. Überdies arbeitet Lukacevic geschickt die Migrations-Thematik seines Erstlings „Heimkehr“ in das minimalistische Moraldrama im futuristischen Design mit ein. Nur über den Wachbeauftragten Laurin (Mehmet Kurtulus aus „Gegen die Wand“ als Frankensteinsches Monster) hätte man gerne mehr erfahren.

      tk.

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