Thumbsucker

  1. Ø 4
   2005
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Thumbsucker Poster
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Filmhandlung und Hintergrund

Thumbsucker: Skurrile und dramatische Odyssee eines Teenagers, der es nach einer Hypnosebehandlung gegen Daumenlutschen mit Drogen und Sex probiert.

Justin Cobb (Lou Taylor Pucci) lutscht im Alter von 17 Jahren immer noch den Daumen. Mutter Audrey (Tilda Swinton), selbst verliebt in einen Fernsehkasper (Benjamin Bratt), findet’s halb so wild, Vater Mike (Vincent D’Onofrio) dagegen kontaktiert einen Experten nach dem anderen. So dürfen sich unter anderem Zahnarzt Lyman (Keanu Reeves) und Debattierclub-Leiter Mr. Geary (Vince Vaughn) als Therapeuten an Justin versuchen. Vielleicht führt die Lösung des Problems aber auch über den guten, alten Sex. Und sogar Cannabis soll in Fällen wie dem von Justin schon Wunder gewirkt haben.

Mike Mills

Justin Cobb ist 17 und noch immer Daumenlutscher. Kieferorthopäde und Hobbypsychologe Dr. Perry Lyman will ihn mittels Hypnose heilen. Doch damit fangen die wahren Probleme für Justin erst an. Erst muss das rezeptpflichtige Ritalin den Daumen ersetzen, der unbewusst nur ein Mittel gegen Verlustängste ist, danach steigt Justin auf Marihuana und Sex um.

Der Teenager Justin Cobb lutscht am Daumen. Ein Problem, das Kieferorthopäde und Hobbypsychologe Dr. Lyman mittels Hypnose zu beseitigen gedenkt. Doch die Therapie schlägt fehl, und so nimmt Justin seine Zukunft selbst in die Hand. Mit Hilfe entsprechender Psychopharmaka kommt er vom Daumenlutschen los, doch seine Persönlichkeit verändert sich zusehends. Der einst introvertierte Junge wird Star des Debattier-Clubs, verliebt sich in die rebellische Rebecca, sammelt erste sexuelle Erfahrungen und probiert Drogen aus.

Darsteller und Crew

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • „Thumbsucker“ entpuppt sich ziemlich schnell als eine erfrischende Coming-of-Age-Geschichte. Dem im Mittelpunkt stehende Justin gelingt es auf Anhieb, die Zuschauer auf seine Seite zu ziehen. Bezaubernd in seiner Schüchternheit, erstaunlich in seiner Willenskraft und Stärke, präsentiert sich hier ein Newcomer, den man sich merken sollte. Lou Taylor Pucci erhielt für diese Hauptrolle zu Recht den goldenen Bären.

    In seinem Gesicht spiegeln sich Unsicherheit und die Angst wieder, nicht normal zu sein. Ebenso aber der Wunsch danach, normal zu sein. Womit auch schon eines der Hauptthemen des Films benannt wäre: Was ist eigentlich normal? Dieser Frage scheinen sich alle im Film Anwesenden zu stellen. Sie alle tragen ein Idealbild der „normalen Familie“ und des „normalen Menschen“ in sich, dem sie zu entsprechen versuchen.

    Erwachsen werden, den Platz im eigenen Leben finden und sich von der Familie abnabeln. Das sind die Aufgaben, denen sich Justin stellen muss. Dabei kann er sich nur selbst helfen, denn sobald sich andere einmischen, gerät sein Leben noch mehr aus den Fugen.

    Auch Justins Weltsicht verändert sich mehr und mehr. Denkt er zunächst sehr selbstbezogen nur an eigene Probleme, muss er bald erkennen, dass auch die Eltern und der Bruder eine Geschichte haben und dass sie eigentlich mit denselben Problemen kämpfen wie er selbst. Dass er lernt, hinter die Dinge zu blicken, erleichtert ihm seinen Weg erheblich.

    Thumbsucker funktioniert auch als unterhaltsame Komödie. Teilweise absurde Situationskomik wechselt sich ab mit amüsanten Dialogen und überraschenden Wendungen. Besonders das in seiner Selbstfindung wesentlich erfolglosere Spiegelbild Justins, der Zahnarzt Dr. Perry Lyman, sorgt in diesem Zusammenhang für einige Lacher. Viele Gags funktionieren auch gerade deshalb, weil sie im Zuschauer Erinnerungen an die eigene Pubertät wachrufen, an die man nun sowohl schmerzlich als auch wehmütig zurückdenken darf.

    Fazit: Ein erfrischender Film über einen Daumenlutscher, der erwachsen wird.
  • Coming-of-Age-Stories haben glücklicherweise eine riesige Spannbreite von Möglichkeiten, den schwierigen Übergang zum Erwachsenwerden zu schildern. Das Spielfilmdebüt des Musikvideo- (für Air) und Dokumentarfilmregisseurs Mike Mills konzentriert sich auf einen eigentlich harmlosen Defekt, der aber gesellschaftlich nicht akzeptiert wird: Teenager Justin lutscht mit 17 noch hingebungsvoll am Daumen, eine körpereigene Droge. Der mit dem Darstellerpreis der Berlinale ausgezeichnete Newcomer Lou Taylor Pucci spielt den aufgeweckten jungen Mann aus Oregon mit einer verletzlichen Note, die Neugier auf Sexualität, Nervosität und sensibles Registrieren seiner Umwelt einschließt, ihn aber wegen seines transparenten Gefühlshaushalts in die Mühlen der Therapie bringt.

    Die freundliche Methode besorgt Justins Kieferorthopäde, den „Matrix“-Mann Keanu Reeves wunderbar ironisch als Späthippie mit 68-er Attitüde anlegt. Er versucht es mit Hypnose und erlebt, dass Justins spätere Verweigerung ihm mehr Hilfe bringt, als er dem Jungen. Die wenigen Szenen, in denen Reeves erst mit Matte, dann modischem Kurzhaar sein eigenes Leben und die Praxis verändert, sind in ihrer Kurzform der Kern des Films: Verändere dich, aber aus dir selbst heraus und lebe mit deinen Defekten. Justin muss durch die Hölle offiziell von der Schule verschriebener Pillen, wird zu Monster und Nervensäge im schulischen Debattierclub. Nach Justins little helpers steht Sex als Droge an, wo er erlebt, dass die heiß geliebte Freundin (Kelli Gamer) ihn als Versuchskaninchen missbraucht. Im Haschkonsum findet Justin vorerst den Mittelweg der Erleichterung.

    Um Justin arrangiert Mills eine dysfunktionale Familie, deren Probleme wie die Marotten des Teenagers verständlich sind. Der Vater findet keinen rechten Zugang zum Sohn, die Krankenschwester-Mutter (Tilda Swinton als Schutzengel in einer Drogenklinik) flüchtet in Schwärmerei für einen TV-Soap-Star, den Benjamin Bratt als gut gelaunter Abhängiger („Es gibt keine Droge, die nicht mein Freund ist“) zu einer ebenso witzigen Nebenrolle wie Reeves formt. Gut gespielt, perfekt fotografiert mit Sinn für Menschen in Möbellandschaften und als Plädoyer für Individualität sollte „Thumbsucker“ mit dem Berlinale-Preis-Bonus und den prominenten Nebendarstellern das Publikum von Filmen wie „Rushmore“ oder „Moonlight Mile“ finden. ger.

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