Filmhandlung und Hintergrund

Während die britische Eisenbahn privatisiert wird, versucht eine Gruppe Gleisarbeiter in der Grafschaft South Yorkshire sich mit den neuen Arbeitsbedingungen zurechtzufinden.

Sheffield in den 90er Jahren: Die englische Regierung beschließt die Privatisierung der British Railroad. Für die Kumpel Paul, Mick, Jim, Len und Gerry, die bereits seit Jahren für die Bahn arbeiten, scheint sich zunächst nur wenig zu ändern, doch schon bald hinterlässt der freie Markt seine Spuren in ihrer Lebensplanung. Kollegen verlieren ihre Jobs, andere müssen zu weit schlechteren Bedingungen bei konkurrierenden Unternehmen anheuern. Als es zu einem Unfall kommt, steht die Freundschaft der Männer vor einer entscheidenden Probe.

Bestes britisches Volkskino à la Ken Loach: Eine unaufdringlich formulierte, aber klare politische Botschaft wird mit epischer Wucht sowie einer gehörigen Prise Charme und Humor ans Publikum gebracht.

Seit Jahren arbeiten die Männer des Zugdepots in South Yorkshire gemeinsam an der Instandhaltung der Gleise. 1995 wird das alte staatliche System abgeschafft. Zwei konkurrierende Privatfirmen übernehmen die Aufgaben, und einstige Kollegen befinden sich mit einem Mal im Wettstreit miteinander. Das hat weit reichende Folgen.

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    Kritikerrezensionen

    • The Navigators - Auf der Strecke: Während die britische Eisenbahn privatisiert wird, versucht eine Gruppe Gleisarbeiter in der Grafschaft South Yorkshire sich mit den neuen Arbeitsbedingungen zurechtzufinden.

      Kino der Wirklichkeitsnähe, das ist Ken Loachs Markenzeichen. Nach einigen Ausflügen auf fremde Territorien kehrt er nun zu seinem ureigensten Sujet zurück – den sozialen Problemen in England. „The Navigators“ zeichnet nicht nur bitter-ironisch die Folgen der Privatisierung von British Rail, sondern im Zuge ökonomischen Wandels auch die schleichende Aufweichung von Freundschaft und Solidarität.

      Der Film ist nur dem Zufall zu verdanken. Der Gewerkschafter Rob Dawber arbeitete 18 Jahre für die Britische Eisenbahn in Sheffield und erlebte hautnah die Privatisierungsmisere mit. Als er sich beim Sturz von einer Düne die Sehne riss, nutzte er die Zeit, seine Erfahrungen in einer Art Drehbuch zusammenzufassen und Ken Loach biss bei diesem brisanten Thema sofort an. Denn der seit den neunziger Jahren freie Wettbewerb auf den Schienen ist in die Kritik gekommen. Nicht nur wegen der schlechten Arbeitsbedingungen für Tausende, sondern in der breiten Masse wegen ständiger Verspätungen und wachsender Zahl von Zugunglücken. Loach erzählt von einer Gruppe von Eisenbahnern in einem Depot in South Yorkshire. Sie verbringen nicht nur die Tage an den Gleisen gemeinsam, sondern auch ihre Freizeit, im Laufe der Jahre sind aus Kollegen Freunde geworden, die Familien zusammengewachsen. Erst betrachten sie die Pläne des neuen Chefs mehr amüsiert, weil dessen fachliche Ahnung gegen Null tendiert. Doch dann realisieren sie, es geht ans Eingemachte. Ein Teil der Kumpel begnügt sich mit der Abfindung und tauscht die Festanstellung gegen Zeitarbeit bei dubiosen freien Agenturen, andere unterwerfen sich den ausbeuterischen Bedingungen neuer Arbeitsverträge, um ihren Job nicht zu verlieren. Sukzessive lösen sich soziale Strukturen auf, die allgemeine Unsicherheit provoziert Misstrauen gegenüber dem Kollegen, jeder kämpft für sich, die einstigen Freunde belauern sich beim Verteidigen des eigenen Arbeitsplatzes wie alte Feinde. Erst ein tragischer Unfall rüttelt die Männer auf und macht ihnen bewusst, dass nicht nur materielle Werte zählen, sondern auch die Bewahrung von Würde. „The Navigators“ weckt Assoziationen an „Riff-Raff“ von 1991. Was sich damals auf einer Baustelle abspielte, findet hier seine Korrespondenz in ähnlicher Form am Rande des Schienenstranges. Wieder dienen Menschen als Manövriermasse wie im schlimmsten Manchester-Kapitalismus. Die Herstellung von Bezügen zur umstrittenen Globalisierung ist gewollt. Der Engländer mit dokumentarischem Blick verfällt weder in Sozialromantik noch in Soziallarmoyanz, sogar trockener britischer Humor und eine Portion Derbheit darf in Maßen sein. Seine Protagonisten sind keine strahlenden Helden der Arbeit, denen man eine Medaille für Widerstand ans Revers heften möchte, sondern Menschen mit Schwächen, die sich durchwursteln und auch schon mal den Kopf einziehen, wenn der Wind ihnen ins Gesicht bläst. „The Navigators“ ist – wie könnte es bei Ken Loach anders sein – ein politischer Film zur rechten Zeit, dem man von Herzen ein engagiertes Publikum ohne Scheuklappen gönnt. mk.

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