Filmhandlung und Hintergrund

Prägnantes Drama über einen jungen US-Soldaten, der die letzten Monate seines Dienstes damit verbringt, Angehörige darüber zu informieren, dass Familienmitglieder im Irak gefallen sind.

Will hat noch drei Monate Wehrdienst. Einen Großteil seiner Wehrpflicht verbrachte er nach schweren Verletzungen im Irak in Krankenhäusern. Jetzt wird Will abgestellt, Familien in der Heimat vom Tod ihrer Angehörigen an der Front zu unterrichten. Der erfahrene Offizier Tony weist ihn in die Feinheiten dieser eher unangenehmen Arbeit ein und freundet sich schnell mit dem jungen Mann an. Der hat nicht nur mit der Verarbeitung des Erlebten zu kämpfen, sondern verliebt sich auch in eine der jungen Witwen, denen er schlechte Nachrichten unterbreiten muss.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

    1. Die Angehörigen der im Krieg gefallenen Soldaten zu benachrichtigen, ist im amerikanischen Kriegs- und vor allem Antikriegsfilm eigentlich schon fast eine Standardsituation: Zwei Soldaten marschieren im Gleichschritt und in Full Dress (der Uniform für Repräsentationsdienste) mit stoischem Gesichtsausdruck auf ein Haus zu und klopfen. Die Tür wird geöffnet und meistens wissen die Betroffenen bereits, was nun kommt. Die Soldaten leiern in respektvollem Singsang einen auswendig gelernten Text herunter: Es täte ihnen Leid, aber sie hätten die Order mitzuteilen, dass XY in Ausübung seiner Pflicht und für sein Vaterland gestorben sei. Dann gehen sie wieder. Wir – das Publikum – bleiben aber bei den Betroffenen und verschwenden keinen Gedanken mehr an die Überbringer dieser schrecklichen Nachricht. Drehbuchautor Oren Moverman macht in seinem Regiedebüt diese Todesboten erstmals zu Protagonisten und zeigt, wie nervenaufreibend diese Aufgabe ist. Will und Tony müssen auf Abruf bereitstehen. Jederzeit kann der Pieper losgehen und schon allein das Geräusch ist so markerschütternd, dass auch wir ein erneutes Piepen fürchten.

      Moverman ruft ins Bewusstsein, dass das Grauen des Krieges nicht auf das Schlachtfeld beschränkt ist. Nur weil man es überlebt hat, ist es noch lange nicht vorbei. Heimkehrer können das, was sie dort erlebt haben, nicht vergessen und haben Schwierigkeiten, es zu verarbeiten. Oft finden sie keinen Platz mehr in der Welt. Das wird besonders deutlich, als Will und Tony uneingeladen auf der Verlobungsfeier von Wills Ex-Freundin Kelly auftauchen. Nicht zuletzt, weil sie kurz vorher noch in eine Prügelei verwickelt waren und im Gegensatz zu allen anderen Gästen vollkommen unangemessen gekleidet sind, wirken sie wie Fremdkörper – was Ben Foster und Woody Harrelson durch ihre Körperhaltung zusätzlich unterstreichen. Sie können und wollen sich auch gar nicht an den Gesprächen beteiligen. Will hat im Irak um sein Leben gekämpft, dagegen wirken viele andere „Probleme“ wie Nichtigkeiten.

      Die Drehbuchautoren Alessandro Camon und Moverman beweisen ein gutes Gespür für das Wesentliche: Sie machen die Vielleicht-Liebesgeschichte zwischen Will und Olivia eben gerade nicht zum Haupthandlungsstrang, sondern lassen sie im Hintergrund, geben ihr aber genug Raum, um sie zu etwas Besonderes zu machen und nicht zu einer 08/15-Story. Der Fastkuss zwischen Will und Olivia ist einer der spannendsten Momente des Films. Diese einfühlsam inszenierte Szene, in der sich zwei Menschen küssen möchten, aber durch eine innere Sperre davon abgehalten werden, steht in direktem Kontrast zu der Sexszene zu Beginn des Films. Kelly holt Will ab und sie gehen in ein Hotel. Dem sich anschließenden Sex fehlt jede Zärtlichkeit, da es einzig und allein um den Akt an sich geht.

      „The Messenger“ nimmt neben der erschütternden Thematik auch das Männlichkeitsbild eines Army-Soldaten unter die Lupe und bewahrt sich trotz all der Tragik eine gehörige Portion Witz. Da fallen zum Beispiel Sätze wie: „Männer fragen nicht nach dem Weg und schon gar nicht Soldaten!“ Und wenn Tony und Will zwischen geparkten Autos Krieg spielen und mit imaginären Waffen auf einander schießen, hat es mit Sicherheit etwas Schockierendes, aber man kann sich auch nicht ganz gegen das Schmunzeln im Gesicht wehren. Es ist natürlich hauptsächlich den beiden Hauptdarstellern zu verdanken, dass die Komik im Film funktioniert. Ben Foster und Woody Harrelson leisten Großes und Harrelson läuft endlich wieder zu Topform auf. Sein Zusammenbruch gegen Ende des Films muss seines Gleichen erst noch finden.

      Fazit: Erschütternd, intensiv und witzig zugleich. Ein packendes Regiedebüt, das Krieg aus einer ganz anderen Position heraus beleuchtet.
    2. The Messenger - Die letzte Nachricht: Prägnantes Drama über einen jungen US-Soldaten, der die letzten Monate seines Dienstes damit verbringt, Angehörige darüber zu informieren, dass Familienmitglieder im Irak gefallen sind.

      Gut beobachtetes, eindringliches und unspektakuläres Drama von den Nachwehen von Kriegseinsätzen. Oren Moverman erzählt von zwei Soldaten, die die Angehörigen darüber informieren, dass ihre Familienmitglieder gefallen sind.

      John Wayne ist tot. Die Tage von guts & glory sind im Kriegsfilmgenre gezählt. „This is the end“ singt Jim Morrison in „Apolcalypse Now“, derweilen der Urwald in Flammen aufgeht. Der Vietnam-Heimkehrer Jon Voight sitzt im Rollstuhl und Christopher Walken jagt sich in „Die durch die Hölle gehen“ beim russischen Roulette eine Kugel durch den Kopf. Die Front hat die Heimat längst erreicht, Präsident Bush den Feind im eigenen Land ausgemacht und dem Terror den Krieg erklärt. Mit dem Ergebnis, dass weltweit wieder vermehrt Amerikaner fallen und Leute wie Sergeant Will Montgomery reichlich zu tun bekommen. Drei Monate muss der Soldat noch ableisten, im Nahen Osten hat er gekämpft, dort wurde er mehrfach verwundet. Nun soll er den Rest seiner Dienstzeit beim Casualty Notification Office tun. Hinter dem Euphemismus verbirgt sich jene Stelle, die die Angehörigen gefallener Soldaten vom Ableben derer Familienmitglieder informiert. Und weil auch hier alles streng nach Vorschrift abläuft, bekommt Will mit Captain Stone einen Offizier zur Seite gestellt, der ihn in die Feinheiten dieser „Dienstleistung“ einführt.

      Der in Tel Aviv geborene Regie-Debütant Oren Moverman, Drehbuchautor von „I’m Not There“, gehört wie Oscar-Preisträgerin Kathryn Bigelow („Tödliches Kommando“), zur neuen Generation von Filmemachern, die den (Irak-)Krieg weniger dramatisieren, anstatt versuchen, dessen Folgen so realistisch wie möglich abzubilden. Ihre Helden sind versehrt, im Herzen und in der Seele, verwundet in „Hearts and Minds“ (so der Titel vom Peter Davis‘ vielfach ausgezeichneter Vietnam-Dokumentation). Der unmittelbare Kampf, das heroische Sterben wird ausgeblendet, geblieben sind leere Rituale, Kasernenhofdrill und -ton.

      Wie ein Zombie versieht Will, eindringlich gespielt vom Ben Foster („X-Men: Der letzte Widerstand“), seinen Job, assistiert und gelenkt vom wie aus dem Ei gepellten Stone (gewohnt souverän: Woody Harrelson). Rasiermesserscharf sind die Bügelfalten ihrer Uniformen, perfekt sitzen die Baretts. Nach Dienstschluss aber fließt der Alkohol, der Schmerz muss irgendwie betäubt werden. Ein wahres „Todesschwadron“ sind sie, lacht der Captain, der sich mit Barmädchen vergnügt, während sich sein Partner in eine junge Soldatenwitwe (Samantha Morton) verliebt.

      Es passiert wenig in „The Messenger – Die letzte Nachricht“. Der Regisseur begleitet seine Helden lediglich bei ihren Einsätzen. Ist ein normales Leben nach dem Wahnsinn Krieg überhaupt noch möglich? Integriert die Gesellschaft ihre Krieger wieder? Trauer, Wut, Verwirrung wohin man schaut, merkwürdig leblos wirken die Vorstädte, die die beiden Todesengel bereisen. Nervös, hektisch wird Bobby Bukowskis Kamera, die sonst so ruhig, so gefasst dahin gleitet, nur bei der Übermittlung der traurigen Nachrichten. Den Friedensfilmpreis und einen Silbernen Bären für das Drehbuch von Moverman und Allesandro Camon gab es auf der Berlinale 2009 ganz zu Recht für das anrührende Drama. geh.

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