The Gift - Die dunkle Gabe

   Kinostart: 04.10.2001

Filmhandlung und Hintergrund

Bedächtig-sorgfältig erzählter Teufelstanz um eine Frau mit hellseherischen Fähigkeiten, die ein Verbrechen aufklären soll.

Witwe Annie lebt mit ihren drei kleinen Söhnen in einer Südstaatenkleinstadt. Wegen ihrer hellseherischen Fähigkeiten teils als Hexe geächtet, schätzen andere sie, weil sie ihnen nicht nur mit Karten legen zur Seite steht. Als eines Tages die kesse Verlobte des Schulprinzipals Collins spurlos verschwindet, wird Annie von Jessicas Vater in die Ermittlungen einbezogen.

In einer abgelegenen Gemeinde im sumpfigen Süden der USA bessert sich Annie Wilson, alleinerziehende Mutter von drei Kindern, ihre Witwenrente durch Horoskope und Wahrsagen auf. Das Talent dazu erbte sie von ihrer Oma, und da sich ihre Zuverlässigkeit bis zum Sheriff herum gesprochen hat, sucht dieser sie auf, als er im Fall einer spurlos verschwundenen Frau in der Sackgasse steckt. Als Annie den Fundort der Leiche errät und dadurch Mordverdacht auf einen stadtbekannten Rednack-Rüpel lenkt, gerät sie selbst in höchste Gefahr.

Cate Blanchett greift als Amateurwahrsagerin in einen Mordfall ein und gerät darob selbst in Teufels Küche in diesem atmosphärisch wasserdichten Horrorthriller von Sam Raimi („A Simple Plan“).

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • The Gift - Die dunkle Gabe: Bedächtig-sorgfältig erzählter Teufelstanz um eine Frau mit hellseherischen Fähigkeiten, die ein Verbrechen aufklären soll.

    Mit einem übernatürlichen Mystery-Thriller aus dem tiefen amerikanischen Süden, wo Voodoo, Geisterbeschwörung und Kontakt zum Jenseits offensichtlich zum Alltag gehören wie Grits ’n‘ Gravy, gönnt sich Sam Raimi einen letzten Ausflug in die Abgründe der menschlichen Existenz, bevor er sich mit „Spider-Man“ ab kommendem Frühjahr dem kommerziellsten Projekt seiner Karriere zuwendet. Wie gewohnt bei Raimi (siehe seine meisterliche, sträflich missachtete Krimitragödie „Ein einfacher Plan“) darf in dem bedächtig-sorgfältig, aber niemals schleppend erzählten Teufelstanz die Besetzung brillieren, allen voran die fulminante Cate Blanchett als junge Frau mit hellseherischen Fähigkeiten, die in die Aufklärung eines Verbrechens involviert wird.

    Wie eine Erin Brockovich, die anstatt einer nicht zu bremsenden Schnodderschnauze über die Gabe (siehe Titel) des sechsten Sinnes verfügt, wirkt die Witwe Annie Wilson mit ihren drei Söhnen auf den ersten Blick. Obwohl von den Bewohnern des (fiktiven) Brixton (gedreht wurde in Savannah) teils gemieden und als Hexe geächtet, ist sie tatsächlich eher Herz und Seele der Gemeinde, auf deren Schultern viele ihre Probleme ablegen: der traumatisierte Mechaniker Buddy zum Beispiel oder das trashige Redneck-Herzchen Valerie, das in schöner Regelmäßigkeit von ihrem Machomann Donnie vermöbelt wird. Als eines Tages die hübsch-kesse Jessica, Verlobte des soften Schulprinzipals Collins, aber amourösen Abenteuern nicht abgeneigt, spurlos verschwindet, wird Annie von Jessicas Vater in die Ermittlungen einbezogen. Tatsächlich weisen ihre Visionen den Weg zu Jessicas ertränkter Leiche, doch damit beginnen die Ereignisse in der Welt der Lebenden und der Toten - mit Annie als Bindeglied - erst richtig zu eskalieren.

    Nach behutsamer Einführung in die vermeintlich heile, bierbäuchig vor sich hindriftende Südstaatenwelt von „The Gift“ zieht Raimi mit der Erfahrung des alten Horrorspezis zunehmend die Spannungsschraube an. Anfangs tauchen Annies Visionen - Besuche in einer Parallelwelt der Seelen voller ominöser Andeutungen - nur in kurzen Blitzen auf. Später, wenn der Gruselaspekt mehr und mehr betont wird, um die Abgründe hinter der Fassade aufzuzeigen, werden sie länger und drastischer und fügen sich - im Stil des durchaus vergleichbaren, aber unkonventionelleren „The Sixth Sense“ - zunehmend zusammen zu einer Vorahnung, die Annies Schicksal betrifft. Sich steigernde Ausbrüche von Gewalt - besonders schockierend ist die Szene, in der der von Giovanni Ribisi mit rollenden Augen gespielte Buddy seinen Vater in Flammen aufgehen lässt - betonen das zunehmende Gefühl der Bedrohung, das sich in einem souverän realisierten Showdown am nächtlichen See entlädt.

    Immer wieder beginnt oder beendet Raimi Szenen mit Schwenks über die schier endlosen, mit Moos behangenen Ästen von Bäumen, die als Symbol für die Welt der Toten die Beklemmung effektiv mitsteigern. Wenn nach der Aufklärung in der letzten Szene erstmals ein Baum in voller Blüte gezeigt wird, wird klar, dass Raimi sehr wohl an der Oberfläche einen kompetenten Krimi zeigt, tatsächlich aber während der gesamten Spieldauer vom privaten Dilemma Annies erzählt, die den Tod ihres Mannes nicht vergessen kann und die Schuld erst überwindet, als sie sich ihren Dämonen (in Gestalt des Mörders) stellt. Cate Blanchett ist brillant in der unglamourösen Hauptrolle, aber auch die anderen Darsteller wissen, das Beste auch aus kleinen Rollen zu machen (beendruckend: Keanu Reeves als Redneck-Proll, Hilary Swank als White-Trash-Mieze und Greg Kinnear als sympathisches Weichei). Dass die sattsam bekannten Südstaatenklischess des soliden Drehbuchs von Billy Bob Thornton und Tom Epperson (legten bereits den furiosen Thriller „One False Move“ und das Humanitärdrama „A Family Thing - Brüder wider Willen“ vor) nicht ins Gewicht fallen, ist Raimi zu verdanken, der seinen Ruf als Meister des American Gothic kräftig untermauert. ts.

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