Filmhandlung und Hintergrund

Schrille Verfilmung dreier Kurzgeschichten von "Trainspotting"-Autor Irvine Welsh zwischen Hyperrealismus und Drogentrip.

Joe fliegt aus seinem Fußball-Club, seine Freundin verläßt ihn. Als er aus Wut ein Telefon demoliert, erwischen ihn die Bobbys, dann trifft er Gott, der ihn in eine Fliege verwandelt. Ein Spießer-Supermarkt-Angestellter ist einfach zu nett, kümmert sich um das Kind seiner Frau, das nicht von ihm war, während sie sich mit dem Nachbarn vergnügt. Einen Jungen trifft auf einem Ecstasy-Trip der Blitz, und er tauscht die Identität mit einem frisch geborenen Baby.

Nachdem Boab aus dem Fußballverein geflogen ist und ihn auch noch seine Freundin verlassen hat, trifft er Gott, den Allmächtigen, und wird von diesem in eine Fliege verwandelt. Nicht viel besser ergeht es Johnny. Während sich der gutmütige Supermarktangestellte um die gemeinsame Tochter kümmert, betrügt ihn seine Freundin ausgerechnet mit dem Nachbarn. Coco schließlich erwischt auf einem seiner unzähligen Trips eine besonders starke Pille und tauscht darauf seine Identität mit der eines frisch geborenen Babys ein.

Boab wird in eine Fliege verwandelt, Johnny von seiner Freundin betrogen und Coco tauscht seine Identität mit einem Baby. Groteske Verfilmung von drei Kurzgeschichten, ein kompromissloses Gesellschaftsporträt aus dem schottischen Arbeitermilieu. Würdiger „Trainspotting“-Nachfolger.

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Kritikerrezensionen

  • The Acid House: Schrille Verfilmung dreier Kurzgeschichten von "Trainspotting"-Autor Irvine Welsh zwischen Hyperrealismus und Drogentrip.

    Alle Trainspotter dürfen sich freuen: Ein Nachfolger für den Kultfilm des Jahres 1996, mit dem Danny Boyle einen der größten britischen Hits des Jahrzehnts landete, ist in Sicht. Paul McGuigans Verfilmung von drei Kurzgeschichten aus dem Nachfolgebuch von „Trainspotting“-Autor Irvine Welsh mag weniger elegant, innovativ und treffischer ausgefallen sein als das überragende Vorbild, war aber dank seines ätzenden Humors und einer kaum mehr zu überbietenden, dennoch aber schrill überzeichneten Authentizität einer der Lichtblicke des enttäuschenden Marktes in Cannes. Senator sicherte sich die deutschen Rechte und wird diese Britshock-Ballade über harten Sex, zerstörte Träume und psychedelische Drogen voraussichtlich im Herbst in die Kinos bringen.

    Neben dem noch unversöhnlicheren John King („The Football Factory“) und dem hinreißend leichten Nick Hornby („High Fidelity“) zählt der Schotte Irvine Welsh zur Speerspitze einer neuen Garde von britischen Schriftstellern, deren unbestechlich direkter, moderner Blick auf die Realitäten des englischen Alltags punktgenau den Nerv unserer Zeit treffen. Angetrieben von einer strengen Diät aus Ecstasy, Ravemusik und einer ordentlichen Portion Geilheit, stellt dieser schottische Franz-Xaver Kroetz auf Amphetaminen den einfachen Mann und sein tägliches Ringen mit dem (Über-)Leben in entweder knallhart realistischen oder grotesk überzeichneten Episoden in den Mittelpunkt. Unfähig zur Kommunikation suchen seine Helden die Flucht in Drogen, Sex, Gewalt oder Musik, die vorübergehend Linderung verschaffen, ablenken, die unweigerliche Katastrophe aber bestenfalls hinauszögern.

    Drei von mehr als 20 Storys seiner 1994 veröffentlichten Kurzgeschichtensammlung wählte der König der Rave-Literatur aus, um sie, wenig modifiziert, selbst für die Leinwand zu adaptieren. In „The Stanton Star Cause“ wird ein Fußballer nach einem denkbar schlechten Tag von einem erzürnten und in breitestem schottischen Dialekt sprechenden Gott auch noch in eine Fliege verwandelt. In „The Acid House“ tauscht ein hirnloser Jugendlicher (Ewen Bremner wiederholt im Grunde nur den augenrollenden Part des Trottels Spud in „Trainspotting“) während eines Trips auf wundersame Weise Identität mit einem neugeborenen Baby. Dazwischen eingebettet liegt „A Soft Touch“, das Kernstück des Films, ein deprimierendes Stück über soziale Verelendung, in dem ein junger Supermarktangestellter (Kevin McKidd, einer der farbloseren Darsteller aus „Trainspotting“) nicht nur seine Freundin an den Nachbarproll verliert, sondern sich auch noch Hohn, Spott und Prügel gefallen lassen muß. Tam Dean Burn, ehemaliges Mitglied der umstrittenen Prolopunkband The Exploited, spielt den Nebenbuhler mit einer derart manischen Energie, daß die Gallagher-Brüder von Oasis (steuern einen Exklusivsong zum Britpop-lastigen Soundtrack bei) gegen ihn wirken wie distinguierte Harvard-Professoren.

    Daß am Ende nur Trostlosigkeit und die Gewißheit wartet, daß der Rest des Lebens kaum anders aussehen wird, verbindet die drei Geschichten, die McGuigan nicht gerade kunstvoll, dafür aber drastisch direkt auf die Leinwand hämmert. Die Nähe zu „Trainspotting“ ist den Filmemachern dabei offensichtlich nicht nur in der Wahl der Darsteller willkommen: In einer Hommage an Danny Boyles Meisterstreich frieren auch in „The Acid House“ in der Anfangssequenz die Bilder seiner traurigen Protagonisten mit Namensschild ein. Ansonsten verhält sich McGuigans feister Film zu „Trainspotting“ wie der vielschichtige, facettenreiche Technosound von Underworld zu dem geradlinig bolzenden Meta-Electronica-Metal von Prodigy. Sicher nicht der schlechteste Ansatz für einen Film, der einen mit der Wucht einer Stange aus schottischem Stahl treffen will.ts.

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