Tatort: Wofür es sich zu leben lohnt (2016)

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Filmhandlung und Hintergrund

Tatort: Wofür es sich zu leben lohnt: Der letzte Bodensee-"Tatort" mit Kommissarin Klara Blum vereint Eva Mattes mit ihren großen Fassbinder-Kolleginnen Hanna Schygulla, Irm Hermann und Margit Carstensen.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Die Behauptung, der SWR habe 14 Jahre gebraucht, um einen richtig guten Bodensee-”Tatort” zu produzieren, wäre nicht fair; es gab auch schon früher sehenswerte Krimis aus Konstanz – zuletzt u.a. mit der Folge “Rebecca”. Die Mehrzahl der Filme war allerdings von einer meist spannungsfreien Beschaulichkeit.

    Immerhin beschert die Redaktion Klara Blum (Eva Mattes) einen Abschied in Würde und mit Klasse. Während der Sender vor und hinter der Kamera meist auf große Namen verzichtet hat, wurde für Klaras Kehraus Aelrun Goette verpflichtet; die dutzendfach ausgezeichnete Regisseurin steht dank intensiver Dramen wie “Unter dem Eis” oder “Keine Angst” für höchste Ansprüche. Das Drehbuch des letzten Falls für Blum, Perlmann (Sebastian Bezzel) und den Schweizer Kollegen Lüthi (Roland Koch) hat Goette mit Sathyan Ramesh geschrieben, der sein Renommee gehobenen Romanzen und Komödien wie zuletzt “Süßer September” und “Matthiesen Töchter” verdankt.

    Gerade die Kombination von Leichtigkeit und Tiefe macht den Reiz dieses Films aus, der zudem schon mit seinem Titel signalisiert, dass die Geschichte kein Krimi wie jeder andere sein soll, selbst wenn sie mit der obligaten Leiche beginnt: Ein Mann liegt rituell aufgebahrt und umgeben von Fackeln sterbend in einem Kahn, über sich den Sternenhimmel; der Körper ist übersät mit Schnittwunden. Die Bilder des im Nebel über den See treibenden Bootes sind von ebenso betörender wie verstörender Schönheit. Auch die Einführung der Hauptfigur stellt die Zeichen auf Abschied: Klara Blum erfährt von einem Arzt, dass sie nach zwei Infarkten einen Herzmuskelriss hat und sich dringend schonen muss. Dafür ist aber erst mal keine Zeit, denn bei dem Toten im Kahn handelt es sich um den bekannten Rechtspopulisten Josef Krist (Thomas Loibl). Weil das Boot ans Schweizer Ufer getrieben ist, kommt nun auch Lüthi ins Spiel, der sich seinerseits mit der Ermordung eines betrügerischen Anlageberaters befassen muss. Blum wiederum erlebt eine Begegnung der besonderen Art: Bei der Suche nach einer Gärtnerei, von der sie sich Aufschluss über die seltsamen “Grabbeigaben” erhofft, trifft sie auf eine leicht bizarre Wohngemeinschaft. Verkörpert werden die drei mystisch angehauchten Frauen von den Schauspielerinnen Irm Herrmann, Hanna Schygulla und Margit Carstensen, die wie Eva Mattes vor vielen, vielen Jahren Mitglieder der Fassbinder-Familie waren; die vier müssen sich wie bei einem Klassentreffen gefühlt haben.

    “Wofür es sich zu leben lohnt” ist ohnehin geprägt von dem erfolgreichen Bemühen, nicht nur einen anderen, sondern auch einen besonderen Bodenseefilm zu drehen. Daran hat auch die Musik (Boris Bojadzhiev) großen Anteil; sie unterstreicht die Abschiedsstimmung, die den Film durchweht. Dass sich die Region für außerordentliche schöne Bilder eignet, ist natürlich nichts Neues, aber Goette und Kamerafrau Cornelia Janssen sorgen neben den Kalenderaufnahmen von Wasser, Schilf und Himmel immer wieder für andere Blickwinkel. Eindrucksvoll sind auch die Kameraflüge über die Stadt, die nicht nur als Kapiteltrenner fungieren: In diesen Intermezzi informiert der Film in Form akustischer Nachrichtenausschnitte über das unselige Wirken der beiden Toten und die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich. Obwohl der Film unterm Strich ein guter Abschluss für die Krimis aus Konstanz ist, hätte eine strengere Dramaturgie einige Längen moniert. Trotzdem ist es Goette mit ihrer poetischen Parabel gelungen, eine Wehmut entstehen zu lassen, die durch den doppelten Schluss noch vertieft wird. Das letzte Bild ist ein Gag, der mit lakonischem Witz verdeutlicht: Klara Blum lebt hier nicht mehr. tpg.

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