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Tatort: Krank


Tatort: Krank: Der herausragend gute Krimi aus Wien erzählt eine komplexe Geschichte, die zudem raffiniert verschachtelt ist.

Filmhandlung und Hintergrund

Der herausragend gute Krimi aus Wien erzählt eine komplexe Geschichte, die zudem raffiniert verschachtelt ist.

Darsteller und Crew

  • Harald Krassnitzer
    Harald Krassnitzer
  • Adele Neuhauser
    Adele Neuhauser
  • Sabine Timoteo
    Sabine Timoteo
  • Thomas Stipsits
  • Günter Franzmeier
  • Dominik Warta
  • Erik Jan Rippmann
  • Peter Raffalt
  • Sona MacDonald
  • Rupert Henning

Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Tatort: Krank: Der herausragend gute Krimi aus Wien erzählt eine komplexe Geschichte, die zudem raffiniert verschachtelt ist.

    Dieser ORF-Krimi liefert ein mustergültiges Beispiel für die perfekte Kombination aus Nervenkitzel und inhaltlicher Relevanz, zumal Rupert Henning (Buch und Regie) seine ungewöhnlich komplexe Geschichte mit großem Geschick auf mehreren Ebenen erzählt. Der Prolog mit der offenkundigen Ermordung von Oberstleutnant Eisner ist ein perfekter Köder und zudem der Auftakt zu einem Spiel mit Sehgewohnheiten und Erwartungen, das sich durch den gesamten Film zieht und ständig für Überraschungen sorgt. Zu einem besonderen „Tatort“ wird „Krank“ aber durch die vielschichtige Erzählstruktur.

    Die Krimihandlung ist ebenfalls ungewöhnlich: Peter Simon ist vor einem Gerichtsgebäude mit Absicht überfahren worden. Der Mann stand wegen grober Vernachlässigung der Fürsorgepflicht vor Gericht: Seine Tochter hatte eine harmlose bakterielle Infektion, an deren Folgen sie jedoch gestorben ist, weil ihr Vater sie nicht mit Antibiotika, sondern mit offenbar wirkungslosen alternativen Heilmethoden behandelt hat. Weil Ex-Frau Maria (Sabine Timoteo) in Kolumbien einer Terrorgruppe angehörte und noch weitere Beteiligte sterben, sind Eisner und Fellner (Harald Krassnitzer, Adele Neuhauser) vom Wiener BKA überzeugt, dass die Frau eine Todesliste abarbeitet; aber die Wahrheit ist viel komplizierter.

    Eigentliches Thema des Films ist der Glaubenskrieg um die Globuli: Befürworter schwören auf die Erfolge von Naturheilmitteln, Skeptiker verweisen darauf, dass sich die Wirkung homöopathischer Medikamente wissenschaftlich nicht beweisen lasse. Rationalist Eisner gehört selbstredend zur Fraktion der Zweifler und macht aus seinen Vorbehalten keinen Hehl. Im Unterschied etwa zum „Tatort“ aus Köln, in dem die beiden Kommissare in solchen Fällen gern unterschiedliche Positionen einnehmen und diese dann ausdiskutieren, führt Eisner diese Gespräche mit dem Rechtsmediziner (Günter Franzmeier), dessen Haltung sich mit dem Satz „Wer heilt, hat Recht“ zusammenfassen ließe.

    Letztlich geht es jedoch um einen ganz anderen Aspekt: Globuli und Heilkräuter haben ihren Preis; die Alternativmedizin macht Umsätze in Milliardenhöhe. Vor Gericht stand zwar der Vater, aber angeklagt waren zumindest implizit auch die Heilmethoden, denn Simon war Mitbegründer eines offenbar florierenden Unternehmens, das sich auf Naturheilverfahren spezialisiert hat. Ein Aussteiger offenbart in einem TV-Interview, dass in diesem Segment genauso betrogen, bestochen und erpresst werde wie bei anderen Pharma-Konzernen. Beide Ebenen, die Verhandlung wie auch das Interview, integriert Henning in Form von optischen oder akustischen Einschüben. Auf diese Weise wird die Materie noch unüberschaubarer, als sie ohnehin schon ist, aber der Regisseur hat die verschiedenen Handlungsstränge ungemein geschickt miteinander verknüpft.

    Dank der häufigen Schauplatzwechsel wirkt der Film optisch sehr aufwändig. Unter anderem schleppt Bibi Fellner den Kollegen in die Wiener Votivkirche, um ihm zu erklären, dass es ohne Judas kein Christentum gegeben hätte. Davon abgesehen wechselt „Krank“ dauernd das Vorzeichen: Nach dem doppelten Thriller-Auftakt wird es erst mal heiter. Wechselbäder dieser Art sind so etwas wie das Markenzeichen der ORF-Sonntagskrimis: Ganz gleich, wie düster die Umstände auch sein mögen, es findet sich stets ein Anlass für die beliebten Frotzeleien zwischen Eisner und Fellner, zumal Krassnitzer und Neuhauser diese kurzen Wortwechsel wunderbar trocken vortragen. Kurz drauf kehrt der Film in den Thriller-Modus zurück. Die schlagzeugbetonte Musik von Kyrre Kvam sorgt ohnehin dafür, dass die Spannung nie nachlässt, zumal über allem ja noch das Damoklesschwert des Prologs schwebt, verbunden mit der Frage, wer Eisners Mörder ist; die Antwort darauf ist eine weitere der vielen Überraschungen dieses herausragend guten Krimis. tpg.
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