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Tatort: Falscher Hase

Filmhandlung und Hintergrund

Wenn kleine Leute im Film vom ganz großen Ding träumen, geht das meist schief. In „Falscher Hase“, einem „Tatort“ aus Frankfurt, hoffen gleich fünf Menschen darauf, mit unlauteren Mitteln ein Stück vom Glück zu erhaschen. Einige werden am Ende auf der Strecke bleiben, und weil sich Verbrechen im Fernsehkrimi meist nicht auszahlen, geht auch der Plan der Hauptfigur nicht auf. Gespielt wird sie von Katharina Marie...

Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Wenn kleine Leute im Film vom ganz großen Ding träumen, geht das meist schief. In „Falscher Hase“, einem „Tatort“ aus Frankfurt, hoffen gleich fünf Menschen darauf, mit unlauteren Mitteln ein Stück vom Glück zu erhaschen. Einige werden am Ende auf der Strecke bleiben, und weil sich Verbrechen im Fernsehkrimi meist nicht auszahlen, geht auch der Plan der Hauptfigur nicht auf. Gespielt wird sie von Katharina Marie Schubert, die ihre Hauptrolle als vermeintlicher „Engel des Todes“ in einem „Tatort“ aus Stuttgart („Anne und der Tod“) ganz ähnlich angelegt hat: eine eigentlich unbescholtene Frau, die aus einer Notlage heraus vom Pfad der Tugend abweicht.

    Tatsächlich ist Biggi Lohmann alles andere als eine Kriminelle. Trotzdem überredet sie ihren Mann Hajo (Peter Trabner) zu einer Verzweiflungstat. Weil ihr Unternehmen vor der Pleite steht, inszenieren sie einen Überfall. Damit das Szenario authentisch wirkt, schießt Biggi ihrem Gatten ins Bein. Als plötzlich der Wachmann des Betriebs in der Tür steht, gibt sie reflexhaft einen zweiten Schuss ab, der den Mann genau zwischen die Augen trifft. Spätestens jetzt deutet sich an, dass der Coup gründlich daneben gehen wird, zumal ein Mitarbeiter (Godehard Giese) den Lohmanns auf die Schliche kommt. Nun nimmt der scheinbar perfekt eingefädelte Versicherungsbetrug eine tödliche Eigendynamik an.

    Das mag nach einem handelsüblichem „Tatort“ klingen, aber die Geschichte ist durchaus ungewöhnlich. Das gilt auch für die Wahl der Regisseurin: Krimis gehörten bislang eher nicht zur Kernkompetenz von Regisseurin Emily Atef („3 Tage in Quiberon“). In ihren Filmen, zuletzt unter anderem das Syrien-Drama „Macht euch keine Sorgen“ (2018), geht es stets um emotional existenzielle Ereignisse, und dennoch inszeniert die Regisseurin die Geschichten ohne Sentimentalitäten oder gar Kitsch. Für „Falscher Hase“ gilt das ebenfalls; dass Schubert als Biggi Lohmann des Öfteren wie ein verschrecktes Reh wirkt, hängt vor allem mit ihrer ganz eigenen Art des Spiels zusammen.

    Atef, die sich bei ihrer Inszenierung nach eigenen Angaben durch das makabre Meisterwerk „Fargo“ (1996) der Coen-Brüder inspirieren ließ, hat das Drehbuch gemeinsam mit Lars Hubrich („Tschick„) verfasst. Gemessen an dessen letzter Arbeit, einem Schwarzwald-„Tatort“ über einen verwirrten jungen Mann, der durch einen unsichtbaren Gefährten in den Wahn getrieben wird („Damian“), erzählt „Falscher Hase“ mit dem Duo Janneke und Brix (Margarita Broich, Wolfram Koch) eine fast schon konventionelle Geschichte, die von Kameramann Armin Dierolf in teilweise faszinierend schöne frühwinterliche Bilder getaucht wird. Anders als die Landschaftsaufnahmen mit ihren im Nebel verschwindenden Hochspannungsmasten ist die Handlung gut durchschaubar, weil Atef und Hubrich die Ereignisse aus Sicht von Biggi schildern. Für die Zuschauer ist der Fall von vornherein klar, für den Staatsanwalt (Werner Wölbern) schließlich auch: Offenbar haben sich die Gauner gegenseitig umgebracht; bloß Janneke hat Zweifel.

    Sehenswert ist der Film vor allem wegen der darstellerischen Leistungen und der vielen kleinen Entdeckungen. So hat Atef zum Beispiel die farblose Witwe (Judith Engel) des getöteten Wachmanns dank Kostüm und Szenenbild bis zur Unkenntlichkeit ins Stillleben ihres Wohnzimmers integriert. Die Frau ist zwar eine typische Fernsehfilmkunstfigur mit entsprechenden tonlos vorgetragenen Dialogen, trägt am Schluss aber maßgeblich zur Aufklärung des Falls bei. Wie sorgfältig Hubrich und Atef das Drehbuch konzipiert haben, belegt zudem der Epilog mit einem Hochzeitsvideo aus den frühen Achtzigern, das Biggis Treffsicherheit erklärt. Ganz ausgezeichnet ist auch die Musik (Christoph M. Kaiser, Julian Maas, Stefan Will), die perfekt zur speziellen Atmosphäre dieses Films passt. tpg.

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