Filmhandlung und Hintergrund

Von Dani Levy in einem Take gedrehter Echtzeit-"Tatort" aus Luzern.

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Kritikerrezensionen

  • Tatort: Die Musik stirbt zuletzt: Von Dani Levy in einem Take gedrehter Echtzeit-"Tatort" aus Luzern.

    Meisterwerk mit kleinen Mängeln: Der Krimi aus Luzern ist in Echtzeit, ohne Schnitt und mit mehreren hundert Komparsen entstanden.

    Dieser Krimi gehört ohne Frage in die Kategorie „Gibt’s nicht alle Tage“: Dani Levy hat sich der Herausforderung gestellt, einen „Tatort“ am Stück zu drehen. Anders als bei „Victoria“ klebt die Handkamera (Filip Zumbrunn) jedoch nicht wie ein Schatten an einer bestimmten Person, sondern ändert wie einst in Robert Altmans „Short Cuts“ ständig die Perspektive, weil sie einzelne Figuren immer nur kurze Zeit begleitet. Einige dieser Passagen dienen in der Tat nur als Vorwand, um den Schauplatz zu wechseln. Deshalb gibt es eine Art Conferencier (Andri Schenardi), der den Film mit einem Monolog eröffnet, die Handlung skizziert und zwischendurch auch mal einspringt, wenn ein Ortswechsel nötig ist. Trotz der Einheit von Zeit und Raum ist es Levy mit Hilfe eines verblüffenden Effekts sogar gelungen, eine Rückblende zunintegrieren.

    Die Geschichte ist dem Aufwand angemessen, auch wenn es unnötig lange dauert, bis der Regisseur und seine Koautoren Stefan Brunner und Lorenz Langenegger damit herausrücken: Im Rahmen eines Benefizkonzerts soll die dunkle Vergangenheit eines angesehenen Luzerner Bürgers offenbart werden. Milliardär Loving (Hans Hollmann) gilt als Wohltäter, weil er während des Zweiten Weltkriegs deutschen Juden geholfen hat, in die Schweiz zu fliehen. Das Geschwisterpaar Miriam und Vincent Goldstein (Teresa Harder, Patrick Elias) weiß jedoch, dass Loving damals keineswegs nur als Menschenfreund gehandelt hat, und will ihn am Ende des Abends bloßstellen. Beide sind Mitglieder des 1945 in Argentinien gegründeten Jewish Chamber Orchestra (verkörpert von dem Orchester gleichen Namens aus München). Unmittelbar vor Konzertbeginn bekommt Miriam einen Drohanruf, kurz drauf bricht Vincent vergiftet zusammen; weitere Opfer folgen. Liz Ritschard und Reto Flückiger (Deliah Mayer, Stefan Gubser) müssen den Mörder finden, ehe das Konzert endet.

    Neben der faszinierenden Gestaltung beeindruckt „Die Musik stirbt zuletzt“ vor allem durch Levys logistische Meisterleistung, immerhin fanden die Dreharbeiten im vollbesetzten Luzerner Kultur- und Kongresszentrum mit an die tausend Statisten statt. Zwischendurch kommt es zudem zu einer Verfolgungsjagd quer durch den Hauptbahnhof. Allerdings gibt es einige darstellerische Irritationen. So fällt zum Beispiel die exaltierte Divenhaftigkeit, mit der Sibylle Canonica ihre Figur (die Exfrau des Milliardärs) versieht, unangenehm aus dem Rahmen. Eine kleine Ungereimtheit stellt auch das Alter der Hauptfigur dar. Der 85jährige Hans Hollmann spielt den alten Mann formidabel, aber als Fluchthelfer während des Zweiten Weltkriegs müsste Loving an die hundert Jahre alt sein. Ungleich gewöhnungsbedürftiger ist jedoch Conferencier Franky. Lovings zynischer Sohn ist eine Kunstfigur und begrüßt die Zuschauer zu Beginn, indem er direkt in die Kamera spricht. Auch im weiteren Verlauf durchbricht er mehrfach die Illusion der Filmhandlung. Zuschauern, die aufs Klo müssen oder sich ein Bier holen wollen, empfiehlt er: „Das ist der Moment.“ Unsichtbarer Star des Films ist ohnehin der Mann hinter der Kamera: Für Filip Zumbrunn werden die viertägigen Dreharbeiten - der Film wurde je zweimal auf Schweizerdeutsch und Hochdeutsch gedreht - nicht nur physisch eine echte Herausforderung gewesen sein. tpg.

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